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Museumsjubiläum: 200 Jahre Städel: Nächste Erweiterung im virtuellen Raum

Johann Friedrich Städel war unermesslich reich. Gewürze und Geldgeschäfte hatten sein Vermögen begründet. Er hatte keine Kinder, aber viel Kunst. Als er starb, wurde er zum Museums-Pionier. Bis heute will «das Städel» Deutschlands innovativstes Museum sein.
195 Bullaugen aus bruchsicherem Spezialglas wölben sich am 14.02.2012 hinter dem «alten» Städel über der Halle des neuen Erweiterungsbaus in Frankfurt. Bilder > Foto: Boris Roessler (dpa) 195 Bullaugen aus bruchsicherem Spezialglas wölben sich am 14.02.2012 hinter dem «alten» Städel über der Halle des neuen Erweiterungsbaus in Frankfurt.
Frankfurt.  Vor 200 Jahren wurde das Frankfurter Städel-Museum gegründet: als erstes Museum in Deutschland, das von einem Privatmann gegründet wurde, alle anderen Kunstsammlungen gehörten Fürsten oder Königen. Bis heute ist das Städel für Innovationen gut - um für die nächsten 200 Jahre gerüstet zu sein, will das Museum die virtuelle Welt erobern.

Am 15. März feiert das Museum mit einem Bürgerfest sein Jubiläum. An diesem Tag vor 200 Jahren unterzeichnete Johann Friedrich Städel (1728-1816) sein Testament. «Im Namen Gottes» vermachte er sein Vermögen und seine Kunstsammlung einer nach ihm benannten Stiftung. 1,3 Millionen Gulden hinterließ der unverheiratete und kinderlose Gewürzhändler und Bankier, ein riesiges Vermögen, nur zwei Frankfurter waren seinerzeit reicher als er.

Sein Kunstbesitz nahm sich im Vergleich zum heutigen Umfang der Sammlung bescheiden aus: 470 Gemälde und 15 000 Zeichnungen und Grafiken hatte der Kunstliebhaber zusammengetragen - heute besitzt das Städel nach eigenen Angaben 3000 Gemälde, 100 000 Papierarbeiten, 600 Skulpturen und 4000 Fotografien.

Zu Städels Lebzeiten hingen die Bilder - dicht an dicht vom Boden bis unter die Decke - in seinem Wohn- und Geschäftshaus am Rossmarkt. Gäste führte der Hausherr persönlich herum, zum Beispiel die Mutter des Philosophen Arthur Schopenhauer, die 1816 berichtete, «wie seine vorzüglichsten Gemälde (...) ihn wieder zu verjüngen schienen».

Als die Sammlung noch ein Privatmuseum war, hatte «das Städel» 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche - heute sind es 7600. Zuletzt kam ein unterirdischer Erweiterungsbau dazu, der Platz schuf für die Gegenwartskunst. Städel-Direktor Max Hollein ist stolz darauf, dass sein Haus «einen lückenlosen Überblick über 700 Jahre europäische Kunstgeschichte» gibt.

Museumsdirektor Max Hollein steht im Museum Städel in Frankfurt vor Tischbeins Goethe. Bild-Zoom Foto: Boris Roessler (dpa)
Museumsdirektor Max Hollein steht im Museum Städel in Frankfurt vor Tischbeins Goethe.

Die Geburtstagsgeschenke sind schon eingetroffen: das Gemälde «Himmelfahrt Mariens» des Barock-Malers Guido Reni und eine Akt-Studie von Edgar Degas. Das eine stammt aus einer Spendenaktion, das andere stiftete eine Mäzenin. Seinen Besuchern - 2014 kamen rund 424 000 Menschen - bietet das Städel im Jubiläumsjahr besonders viele Sonderausstellungen: über Claude Monet und die Impressionisten (ab 11. März), die figurative Malerei in den 80er Jahren (ab 22. Juli) und den US-Konzeptkünstler John Baldessari (ab 5. November).

Die eigentliche Jubiläumsausstellung beginnt am 7. Oktober. Bei «Dialog der Meisterwerke. Hoher Besuch zum Jubiläum» werden Kunstwerke der eigenen Sammlung Meisterwerken anderer Häuser gegenüberstellt. Einen Vorgeschmack gibt es bereits das ganze Jahr über im Treppenaufgang, wo die «Jubiläumswand» 1815 und 2015 gegenüberstellt.

Das Städel gilt unter Fachleuten als Vorreiter im Umgang mit den neuen Medien. Zehntausende lesen den Städel-Blog, Hunderttausende schauen die Ausstellungsfilme auf Youtube, auf Facebook hat das Städel 25 000 Likes und auf Twitter 10 000 Follower. Seit Februar kann man im Museum kostenlos mit dem Smartphone ins Internet - zum Beispiel, um die neue Städel-App herunterzuladen.

Das Städel zog mehrfach um, wurde umgebaut, renoviert und erweitert. Aber ein weiterer Anbau ist in den nächsten Jahren nicht geplant - die Erweiterung finde im virtuellen Raum statt, erklärt Hollein. Im Jubiläumsjahr hat er angekündigt, «das Erlebnis Museumsbesuch völlig neu zu definieren». Bald soll der Besucher zu Hause durch eine digitale Exponate-Plattform schlendern können. Es gibt kunstdidaktische Computerspiele für Kinder. Museumsbesucher können sich in Online-Kursen auf Ausstellungen vorbereiten.

«Museen und digitale Medien passen sehr gut zusammen, so wie auch ein Ausstellungskatalog zu einem Museum passt, aber nicht den Besuch obsolet macht», sagte Hollein im dpa-Interview. «Ein Museum ist mehr als ein Ort, an dem Kunstwerke aufbewahrt und ausgestellt werden. Wir betrachten das Museum als Aufgabe: als kulturellen Bildungs- und Vermittlungsauftrag. Und hier ist die Nutzung der technologischen Entwicklungen eine große Chance.»

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