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Anbieter pleite: Jetzt stehen 1200 Leihräder nutzlos in Frankfurt rum

Nur neun Monate ist es her, dass Obike 1200 Leihräder im ganzen Stadtgebiet verteilt hat. Nun ist das Start-Up-Unternehmen pleite. Wenn der Anbieter seine Räder bis zum Herbst nicht weggeräumt hat, will das Verkehrdezernat durchgreifen.
1200 silber-gelbe Probleme: Der Anbieter Obike ist pleite, hat seine Räder aber in Frankfurt stehen lassen. Bis Herbst sollen diese jedoch weggeräumt werden. Foto: Michael Faust 1200 silber-gelbe Probleme: Der Anbieter Obike ist pleite, hat seine Räder aber in Frankfurt stehen lassen. Bis Herbst sollen diese jedoch weggeräumt werden.
Frankfurt. 

Sie lehnen an Laternenmasten, sie liegen umgekippt auf dem Gehweg, sie parken Bushaltestellen zu: Leihfahrräder haben die Stadt in den vergangenen Monaten regelrecht überflutet. 1200 gelb-silberne Modelle drohen jetzt zum Problem zu werden: Sie gehören dem Anbieter Obike aus Singapur, der kürzlich Insolvenz angemeldet hat. Nun sollen die Räder eigentlich weggeräumt werden – bei dem Start-Up-Unternehmen ist für die Stadt aber niemand zu erreichen.

Räder stehen nun im Weg rum

Erst im Oktober 2017 war Obike nach Frankfurt gekommen, vier andere Leihrad-Anbieter gab es damals bereits. Der Clou des Neueinsteigers: Die Kunden mussten ihre Räder nicht an Stationen abstellen, sondern durften diese überall im Straßenraum parken, nach dem „Freefloating-Prinzip“. Nach der Pleite stehen die Räder nun an Ort und Stelle und es ist unklar, wie es mit ihnen weitergeht.

Hier klappt das „Bike-Sharing“ noch

Auch wenn Obike nun vom Markt scheidet, Leihräder bleiben in Frankfurt zahlreich. 6500 von fünf Anbietern waren es zuletzt, 1200 fallen nun weg. Ein Überblick:

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Im Juni hatte das Unternehmen zuerst mitgeteilt, die Insolvenz werde keine Auswirkungen auf andere Standorte als Singapur haben. Wenig später habe das Verkehrsdezernat dann erfahren, dass Obike seine Aktivitäten in Frankfurt beende, sagt Stefan Lüdecke vom Verkehrsdezernat. Zuletzt habe man am 4. Juli Kontakt gehabt.

Kosten abwälzen

„Da hieß es, sie würden noch nach einer Firma suchen, die die Fahrräder wegräumt“, so Lüdecke weiter. „Wenn das nicht geschieht und wir keinen Ansprechpartner mehr haben, dann muss die Stadt die Räder selber einsammeln und die Kosten der Firma in Rechnung stellen.“ Mit diesem Ärgernis ist Frankfurt nicht allein: Gleich in mehreren deutschen Städten erreichen die Behörden das junge Unternehmen nicht mehr. Auch in München, Berlin oder Hamburg belegen noch ganze Obike-Fahrradflotten den öffentlichen Raum.

Das Verkehrsdezernat verlässt sich nun darauf, dass Obike sich an die Absprachen hält. „Eine Frist haben wir nicht gesetzt“, sagt Lüdecke. „Aber im Herbst sollen die Leihräder nicht mehr stehen.“ Für die Stadt könnte es kompliziert werden, die Fahrräder eigenständig wegzuschaffen: Rechtlich sind diese weiterhin Eigentum von Obike, die Behörde dürfte sie deshalb vorerst weder eigenständig verschrotten noch verkaufen.

Ausleihen sollte man die Bikes sicherheitshalber nicht mehr: Die Leih-App funktioniert zwar noch. Ob Kunden ihre Kaution in Höhe von 29 Euro zurückbekommen, ist unsicher. Offen ist auch die Frage, wie Kunden bei einem Unfall versichert wären. Eine 30-Minuten-Fahrt kostet regulär einen Euro.

„Markt übersättigt“

Komplett überraschend kam das Obike-Aus für das Verkehrsdezernat derweil nicht: „Wir haben den Eindruck, dass der Markt übersättigt ist“, erklärt Lüdecke. Die nun nicht mehr gebrauchten Leihräder eingerechnet, gibt es in Frankfurt rund 6500 der mietbaren Vehikel. Dass Kunden ihre Räder einfach irgendwo stehen lassen können, ist in Frankfurt außer bei Obike auch bei den Anbietern Byke und Limebike möglich. Call a Bike und Nextbike setzen dagegen auf Radstationen (siehe Box).

Nach dem zwischenzeitlichen Wildwuchs von Leihfahrrädern in Frankfurt zeigt sich das Verkehrsdezernat der Stadt mit der derzeitigen Situation zufrieden. „Das Horrorszenario, dass Frankfurt in Fahrrädern komplett versinkt, ist ausgeblieben“, sagt Stefan Lüdecke.

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Anfang des Jahres hatte die Stadt ein Regelwerk aufgestellt, das Probleme mit den kreuz und quer abgestellten Rädern beseitigen sollte. Dieses verpflichtet die Radverleiher unter anderem dazu, unrechtmäßig geparkte Fahrräder innerhalb von 24 Stunden zu entfernen. Nicht nur auf Rettungswegen oder Ausfahrten ist das Abstellen verboten, sondern auch in Grünanlagen.

Grundsätzlich seien die Leihfahrräder eine Bereicherung für die Stadt, da sie die Möglichkeit böten, sich klimafreundlich fortzubewegen, sagte Lüdecke. Von „Falschparkern“ erfahre die Stadt über die Beschwerden von Bürgern, selbst kontrolliere man nicht. Die Beschwerden leite man an die Anbieter weiter. Die Zusammenarbeit funktioniere insgesamt gut, so Lüdecke weiter. Auf Anregung des Verkehrsdezernats habe etwa Byke andere Ständer verwendet, damit die Räder nicht mehr so leicht umfallen. Anders als vom Dezernat erwartet, hatten die Verleihe ihr Angebot zum Frühjahr nicht noch einmal ausgeweitet.

(ag,dpa)

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