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Einladung der Stadt: Angehörige von einst verfolgten jüdischen Frankfurtern sind derzeit zu Gast

Sie sind teilweise weit gereist, um einer Einladung der Stadt Frankfurt zu folgen: In dieser Woche startete des Besuchsprogramm für Kinder und Enkel von jüdischen sowie politisch verfolgten ehemaligen Frankfurter Bürgern.
Hand in Hand: Dennis, Nicole und Rene Baden, Sharon Pretto-Katz sowie Marion und Jorge Baden (von links). Foto: Heike Lyding Hand in Hand: Dennis, Nicole und Rene Baden, Sharon Pretto-Katz sowie Marion und Jorge Baden (von links).

Seit 1980 lädt die Stadt Frankfurt Überlebende des Holocausts dazu ein, ihre einstige Heimatstadt Frankfurt zu besuchen. Die ehemaligen Frankfurter konnten der geplanten Vernichtung durch die Nazis entkommen. Aufgrund des Alters der Zeitzeugen und der Tatsache, dass es nur noch wenige Überlebende der Shoa gibt, hat die Stadt beschlossen, das Besuchsprogramm auf die Nachkommen auszudehnen.

Im frühlingshaften Palmengarten wurden die Gäste im Palmensaal durch die Klezmer-Band von Roman Kupferschmidt mit dem Lied „Havenu Schalom“ (Frieden für alle) willkommen geheißen. Stephan Siegler (Stadtverordnetenvorsteher) und Professor Leo Latasch begrüßten die weit gereiste Gesellschaft. Professor Leo Latasch lockerte die Atmosphäre mit einem Witz auf. Er sagte, sein Freund Professor Salomon Korn pflege zu sagen, man könne alles bereden, so lange es nicht länger als fünf Minuten dauere. So versicherte er den Gästen in einer kurzen, emphatischen Rede, als Vertreter des Vorstands der jüdischen Gemeinde, dass das jüdische Leben nach dem Holocaust in Frankfurt wieder blühe. Wer ein Haus baut, wolle bleiben. Aktuell würde eine zweite jüdische Schule gebaut, weil die Gemeinschaft wachse. Auch das jüdische Museum vergrößere sich. Er berichtete weiter, dass jüdisches Leben unglücklicherweise in Deutschland immer noch polizeilich geschützt werden müsse. Die Sicherheitslage würde sich jedoch weltweit verschärfen.

Trotz des Grauens

Die Familien der ehemaligen Frankfurter sind aus Israel, den USA, Chile, England und Österreich eingeflogen. Stephan Siegler betonte, dass es ein Geschenk sei, dass die Familien trotz des Grauens, welchen die Eltern und Großeltern in Deutschland erlitten haben, wieder in das Land reisen. Oft habe er mitbekommen, dass es innerhalb der eingeladenen Familien lebhafte Diskussionen gäbe, ob man Deutschland nach den schrecklichen Erfahrungen der Angehörigen überhaupt je wieder betreten solle.

Frankfurt sei wie keine andere deutsche Stadt von ihren jüdischen Bürgern geprägt worden. Solche Bürger aus der Mitte der Gesellschaft waren beispielsweise die Frohmanns, deren Enkel René und Jorge Baden sich unter den diesjährigen Gästen befinden.

Die Brüder sind Söhne von Herbert und Gerda Baden. Gerda Baden, geborene Frohmann, ging auf die Viktoriaschule, das heutige Bettina-Gymnasium und musste ihre Schulbildung wegen der Nazipolitik abbrechen. Ihr Mädchentraum war es, Modezeichnerin zu werden. Dazu war eine Schneiderlehre Voraussetzung. Gerda fing eine Lehre in einer Modefirma in der Kaiserstraße an. Da die Firma 1983 aufgelöst und der Besitzer im Konzentrationslager ermordet wurde, musste sie die Ausbildung abbrechen.

1938 nach Chile emigriert

Die Familie lebte im Frankfurter Westend. Gerda emigrierte 1938 mit ihrem Bruder und ihren Eltern Herbert und Margot Frohmann nach Chile.

Till Liebherz-Groß arbeitet für das Projekt jüdisches Leben. Sie hat vor der Ankunft der Gäste viel Recherche betrieben und in Archiven Bücher gewälzt. So weiß sie, dass es eine Seltenheit ist, dass die Familie als ganze Familie flüchten konnte. Anlass war wie für so viele jüdische Menschen der Novemberpogrom, die sogenannte Reichskristallnacht. In dieser Nacht vom 9./10. November 1938 wurden Synagogen niedergebrannt und jüdische Geschäfte geplündert. Die Flucht ging über Paris und Antwerpen.

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