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Reisende können in einer begehbaren Hörmuschel entspannen: Das Meer im Hauptbahnhof

Von Im Bahnhof ist Meer angesagt: Eine Ausstellung will die Faszination für die Ozeane bei den Besuchern wecken und für Probleme sensibilisieren.
Yimit Ramirez González (34) fährt mit Hilfe des Controllers imaginär durch ein Riff. Bilder > Foto: Salome Roessler Yimit Ramirez González (34) fährt mit Hilfe des Controllers imaginär durch ein Riff.
Frankfurt. 

Der Klang ist unverkennbar. Rhythmisch schwappen die Wellen ans Land. Ihr Rauschen ist sachte und nicht sehr laut. Das Wasser kommt und geht. Ebenso wie die Möwen, deren Schreie mal ganz nah und mal aus der Ferne zu kommen scheinen. Diese akustische Szene ist angenehm. Mit jeder Welle, die an den imaginären Strand schwappt, breitet sich im Zuhörer mehr Ruhe aus.

Zwei Quadratmeter Idyll lassen sich hier, inmitten des Hauptbahnhof erleben. In einer begehbaren Hörmuschel können sich die Bahnkunden für einen Moment der Vorstellung hingeben, fernab von eilenden Menschenmassen und betonierter Lebenswelt zu sein. Stattdessen hören sie die Melodie des Wattenmeeres und sehen das Blau des Himmels, Sandstrand und Grashalme, die sich auf einer Düne im Wind zu biegen scheinen.

Dirk Krieger, der kurz in der begehbaren Hörmuschel Platz genommen hat, ist hier, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern will der 50-Jährige den Bahnhofsbesuchern vermitteln, wie wichtig es ist, natürliche Lebensräume zu schützen. Darunter auch das in der Hörmuschel thematisierte Wattenmeer.

Zehn Stationen

„Alles hängt mit allem zusammen“, sagt Krieger. Und genau über einige dieser Zusammenhänge, soll die Ausstellung „Meere und Ozeane“ aufklären, die derzeit im Hauptbahnhof zu sehen ist. An zehn Stationen bekommen die Besucher Infos über verschiedene Themengebiete. Erklärt wird etwa, wie viel Leben sich allein in einem Tropfen Meereswasser tummelt: Kieselalgen, Seeschmetterlinge und Larven der Japanischen Riesenkrebse können sich hier verbergen. Sie alle sind kleiner als zwei Millimeter und bilden eine wichtige Nahrungsgrundlage für andere Tiere.

Bei den Besuchern Felix Hück und seinem Freund Yimit Ramirez Gonzáles kommt die Ausstellung gut an: Erst navigiert Yimit in einer Computersimulation durch ein Riff, dann misst Felix Plastikfische aus, so wie es auf Kuttern mit Schollen, Kabeljau und Co. gemacht wird.

„Es ist interessant“, sagt Yimit auf Englisch. Der 34-Jährige ist vor zwei Tagen aus Kuba eingereist, da seine Dokumentation im Rahmen des Filmfestivals „Cuba im Film“ ausgezeichnet wurde. Was ihn besonders bestürzt, ist das Thema Müll, wie er sagt. Erschreckend sei es, wie viel Plastik im Meer lande, so der Kubaner. Das sei ein weltweites Problem, das auch in Kuba stellenweise zu beobachten sei, so der junge Filmemacher.

460 000 Reisende täglich

Bedauerlich für Reisende wie Yimit und Felix: Die Ausstellung ist auf Deutsch, so kann Yimit etwa die Erklärungen zu den Korallen und den anderen Meerestieren in dem Computerspiel ohne Unterstützung nicht verstehen.

Die Deutsche Bahn beteiligt sich neben anderen Partnern an dem Projekt des Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, um den Reisenden etwas Neues zu bieten, wie eine Sprecherin erklärt. 460 000 Leute gehen täglich durch den Bahnhof, sagt sie. Viele schätzten es, wenn sie etwa im Vorbeigehen oder in ihrer Wartezeit neue Eindrücke mitnehmen könnten. Auch die Ladenbetreiber im Bahnhof freuen sich über solche Projekte, wie Corinna Hey von der Werbegemeinschaft der Bahnhöfe Rhein-Main erklärt. Solche Ausstellungen machten den Bahnhof attraktiver.

Gefüttert mit Infos zu Korallenriffen, die Tiefsee, das Küstenmeer und vielem mehr interessiert die Leute vor allem eines: „Was kann ich tun?“ sei nach der Besichtigung eine der häufigsten Fragen, so Krieger. Seine Antwort: „Da reicht oft der gesunde Menschenverstand.“ Seinen eigenen Plastikmüll zu minimieren, bewusster zu konsumieren, sich zu informieren und beim Verzehr des Fisches heimische Arten zu bevorzugen, sind Tipps, die er den Leuten mit gibt.

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