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Kochbuch von 1844: Das Sommergericht im 19. Jahrhundert: Maikäfersuppe

Vor gar nicht allzu langer Zeit ist den Deutschen beim Anblick von Maikäfern das Wasser im Mund zusammengelaufen: Denn Maikäfersuppe galt als köstliche und schmackhafte Mahlzeit. Wir haben ein Rezept aus dem Jahr 1844 ausgegraben. Bon Appetit!
Frankfurt. 

Der Frühling ist da! Mit den ersten Sonnentagen, mit blühenden Bäumen und Sträuchern erwacht allmählich auch die Tier- und Insektenwelt langsam aus dem Winterschlummer.

Ganz besonders gilt das für die Käfer, die dieser Tage überall zu sehen sind. Der prominenteste Frühlingskäfer in diesen Breiten ist, natürlich - der Maikäfer.

In Deutschland sind zwei Arten dieses Chitin-Charmeurs verbreitet: der Walmaikäfer (Melolontha hippocastani) und der seltenere Feldmaikäfer (Melolontha melolontha). Bis in die 1970er Jahre galten sie als fast ausgestorben, nachdem sie jahrelang mit Insektengiften bekämpft worden waren. Mittlerweile treten sie wieder häufiger auf.

Drei bis vier Jahre dauert es, bis nach der Eiablage ein Maikäfer aus der Erde krabbelt und umherfliegt. Nach im Schnitt sechs Wochen stirbt er. Früher wurden Maikäfer in Deutschland gerne gegessen - zum Beispiel als Suppe.

Ein Rezept für Maikäfersuppe findet sich zum Beispiel im Magazin für Staatsarzneikunde von 1844. Wir zitieren:

"Maikäfersuppen, ein vortreffliches und kräftiges Nahrungsmittel.

Man sollte nicht glauben, dass der gemeine Maikäfer (...), welcher oft (...) eine verderbliche Landplage ist, und Alles verheert, eine so gute Suppe liefern könnte, wie solche wirklich von ihm gewonnen, hier von Vielen bereitet und mit Vergnügen gegessen wird. (...)

Die Käfer, von welchen man 30 Stück auf eine Person rechnet, werden, so wie sie gefangen sind, gewaschen, dann ganz in einem Mörser gestoßen, in heißer Butter hart geröstet und in Fleischbrühe aufgekocht, fein durchgeseiht und über gerostete Semmelabschnitte angerichtet.

Ist die Bouillon auch schlecht, so wird sie doch durch die Kraft der Maikäfer vorzüglich, und eine Maikäfersuppe, gut bereitet, ist schmackhafter, besser und kräftiger, als eine Krebssuppe; ihr Geruch ist angenehm, ihre Garbe ist bräunlich, wie die der Maikäferflügel.

Nur Vorurtheil konnte dieses feine und treffliche Nahrungsmittel, namentlich für sehr entkräftete Kranke, diesen entziehen, und ist das Vorurtheil dagegen einmal besiegt, so wäre diese Suppe eine gute Acquisition für Hospitäler und Kasernen, wo sie, auch ohne Bouillon, mit Wasser bereitet, herrliche Dienste thun wird, und ich sehe gar nicht ein, warum man die Maikäfer so verachtet hat und noch verachtet.

Sehen sie ekelhafter aus, als die Schildkröten, aus welchen die so berühmten und theuren Kraftsuppen bereitet werden? Alle Gäste, welche bei mir, ohne es zu wissen und ohne es zu erfahren, Maikäfersuppen genossen haben, verlangten doppelte, ja dreifache Portionen!"

gezeichnet: Dr. Schneider

cb/dpa

 

 

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