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Kunst aus Sachsenhausen: Dieser Frankfurter will in Jerusalem eine Autobahnbrücke bemalen

Von Seit mehr als zwei Jahren prangt der Konterfei von Eintracht-Legende Tony Yeboah an einer Hausfassade in Niederrad. Ein ähnliches Projekt wird der Sachsenhäuser Mathias Weinfurter gemeinsam mit Mitstreitern aus der Frankfurter Fanszene in Jerusalem realisieren. Heute fliegt der Kunststudent nach Israel.
So soll das Wandgemälde an der Brücke über den Hamesila-Park in Jerusalem aussehen, wenn es fertig ist.	Illustration: Mathias Weinfurter Bilder > So soll das Wandgemälde an der Brücke über den Hamesila-Park in Jerusalem aussehen, wenn es fertig ist. Illustration: Mathias Weinfurter
Sachsenhausen/Jerusalem. 

Noch vor zwei Jahren stand Mathias Weinfurter auf einer Hebebühne in mehreren Metern Höhe in Niederrad und malte gemeinsam mit Mitgliedern der Frankfurter Fanszene, Studenten der Hochschule für Gestaltung und Mitarbeitern des Frankfurter Fanprojekts eine Hausfassade an. Seitdem prangt dort riesengroß das Gesicht von Eintracht-Legende Tony Yeboah, gepaart mit dem Spruch „Wir schämen uns für alle, die gegen uns schreien“.

Heute geht es für Mathias Weinfurter wieder in die Luft – allerdings diesmal mit einem Flugzeug. Weinfurter fliegt mit einem Bekannten nach Israel, genauer gesagt: nach Jerusalem. Denn dort wird der Kunststudent der Hochschule für Gestaltung ein ähnliches Projekt wie in Niederrad realisieren.

„Ein Experiment“

Wieder dreht sich alles um Fußball. In einer Woche kommen dann seine 15 Mitstreiter, abermals Mitglieder der Frankfurter Fanszene, Mitarbeiter des Frankfurter Fanprojekts sowie Kunststudenten aus Offenbach nach Jerusalem nach. Dann beginnen sie, ihren Entwurf auf eine Autobrücke, die über den Hamesila-Park im Stadtteil Beit Safafa führt, zu malen. „Ohne den Einsatz vieler kreativer Menschen wäre solch ein Projekt nicht möglich“, so Weinfurter. „Es wird ein Experiment mit so vielen unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten. Aber es geht uns ja auch um den sozialen Austausch.“

Nach einer Woche sollen in Jerusalem in Zukunft eine große Figur mit extrem langen Beinen, ein Tor, ein Fußball zu sehen sein. Darunter steht „Yalla“. „Im Alltag stellt dieser Ausruf eher einen stressigen Moment dar“, sagt Weinfurter. Übersetzt heißt dies nämlich „Beeil dich“. In der arabischen Welt ist dies im Stadion allerdings auch ein Ausruf zum Ansporn, zur Anfeuerung. „Das hört man überall, egal ob man arabisch oder hebräisch spricht. Alle verstehen es auf Anhieb“, erklärt Weinfurter den Namen des Projekts. Denn genau das ist dem 25-Jährigen wichtig: Sich über kulturelle und gesellschaftliche Grenzen hinweg anzunähern. Deshalb ist der Eintracht-Fan auch so fasziniert von der Fußball-Kultur: „Dort funktioniert dies wunderbar.“

Malerei an Brücke

Weinfurter selbst war es auch, der das Kunstprojekt in Jerusalem eingefädelt hat. Vor einem Jahr ist er für ein Semester nach Israel gereist, hat an der Kunstakademie in Jerusalem studiert. „Ich bin dort schon mit dem Hintergedanken hin, ein ähnliches Projekt wie in Niederrad auf die Beine zu stellen, denn dort spielt die Fußballkultur auch eine große Rolle“, erzählt der Sachsenhäuser. So hat er sein Auslandssemester genutzt, um Kontakte zu knüpfen und ein passendes Objekt zu suchen. „Die Autobrücke ist perfekt“, sagt er nun. Wollen die Menschen von der Innenstadt in das Teddy-Kollek-Stadion, müssen sie durch den Park laufen oder über die Brücke fahren. „So kommen sie automatisch an unserem Wandbild vorbei“, sagt der Kunststudent, der sich nun freut, dass es bald mit der Malerei losgehen kann. Zuvor muss er sich noch um ein Gerüst, die Farben und Leitern kümmern, ist die Wand doch 7 Meter hoch und 20 Meter breit.

„Israel ist ein spannendes Land“, sagt Weinfurter. „Die Israelis und Palästinenser leben im Ausnahmezustand, aber sie haben sich daran gewöhnt.“ Auch für ihn selbst sei es nach nur kürzester Zeit normal gewesen, stets mit einem Anschlag rechnen zu müssen. „Als ich dort im vergangenen Oktober ankam, gab es eine Welle von tödlichen Übergriffen in dem Viertel, in dem ich lebte“, so der Künstler, in dessen Werke Politik und Gesellschaft eine große Rolle spielen. „Aber das wurde schnell zur Normalität. Dann wartet man eben mal länger auf den Bus, weil er gerade beschossen wurde.“ Auf dem Weg von Sachsenhausen nach Offenbach würde ihm dies nicht passieren. „Und das ist natürlich auch gut so.“

Unterstützt wird das Projekt von der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die Geld aus dem Pool zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur, kurz: PFiFF, bereit stellt.

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