Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Hofheim am Taunus 23°C
11 Kommentare

Aktion auf der Zeil: Echtes Fell oder nicht? Tierschützer in Uniform klären Passanten auf

Die „Pelz Ermittler“ des Deutschen Tierschutzbüros waren gestern auf der Zeil unterwegs. Sie informierten Passanten über Tierleid und demonstrierten mit einfachen Tricks, wie man echtes von künstlichem Fell unterscheiden kann.
Die Tierschützer Michael Seitz und Jennifer Schöpf unterwegs als „Pelz-Ermittler“. Gerade machen sie den Felltest bei einer Passantin auf der Zeil. Bilder > Foto: imago stock&people (imago stock&people) Die Tierschützer Michael Seitz und Jennifer Schöpf unterwegs als „Pelz-Ermittler“. Gerade machen sie den Felltest bei einer Passantin auf der Zeil.
Frankfurt. 

Zwei Menschen in blau-schwarzen Uniformen, eine Frau und ein Mann, schlendern auffallend selbstbewusst über die Zeil. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Polizisten – und verhalten sich auch so. Ein paar Leute sehen sich nach ihnen um, andere weichen ihnen bewusst aus. Sie sprechen eine junge Frau an, die aber kopfschüttelnd weitergeht. Wer sind diese Leute, die da mittags auf der Zeil unterwegs sind? Das fragten sich gestern augenscheinlich viele Passanten. Klar, echte Polizisten sind sie nicht. Auf ihren Jacken steht: „Pelz Ermittler“.

Die Tierschützer Jennifer Schöpf und Michael Seitz fahren seit Anfang Januar im Auftrag des Deutschen Tierschutzbüros in mehrere Großstädte und klären Passanten über echte und unechte Pelze auf. Mittlerweile waren sie schon in 31 Städten „auf Streife“, wie der Tierschutzverein es nennt. Gestartet haben sie die Aktion zunächst noch als „Pelz Polizei“. Weil in der Folge aber mehr über die Aktionsform als über das Tierleid berichtet wurde, änderten sie diesen Namen.

Ahnungslose Käufer

Gestern waren die beiden also in Frankfurt, um den Menschen auch etwas vom Leiden der Tiere zu erzählen. Hauptziel aber sei es, dass die Verbraucher selbst Echtpelz von Kunstpelz unterscheiden und in der Folge ihre Kaufentscheidung bewusster treffen können. Das Einverständnis der Leute vorausgesetzt, machen sie den Test gleich an deren Pelzkragen oder -mützen. „Entweder machen wir den Pustetest und gucken, ob sich die Haare im Wind kräuseln und man eine Unterwolle erkennt. Dann handelt es sich oft um Echtpelz. Ansonsten kann man auch ein paar Haare herausreißen und kurz ankokeln. Riecht es nach Plastik, handelt es sich um Fake-Pelz“, so Schöpf.

Auch ein niedriger Preis gibt zunächst keine Garantie darauf, dass es sich um Kunstpelz handelt. „Echtpelz kann tatsächlich billiger verkauft werden als Kunstpelz“, berichtet die Tierschützerin. „Das liegt aber auch daran, dass es eben eine Massenproduktion im Ausland ist. Die Gewinnspanne für den Handel ist da sehr groß. Dagegen ist ein gut gemachter Kunstpelz tatsächlich teurer“, so Schöpf weiter.

Wie sieht ein Kürschner das? Hans Schwarz sieht die Unternehmen in der Pflicht. Er führt in mittlerweile vierter Generation ein Pelzgeschäft auf der Berger Straße und schätzt Pelzmäntel wegen des Wärmeausgleichs, den so nur ein Naturmaterial leisten könne. Allzu günstige Echtpelze und die Industrie dahinter lehnt auch er ab. „Wenn Sie Fleisch kaufen, gucken Sie auch, wo es herkommt. Gute Ware kostet ihr Geld. Wir nehmen nicht alles“, sagt Schwarz.

Geplagtes Gewissen

Ob es gerade in der Bankenstadt Frankfurt besonders viel Pelz gibt? „Die Stadt ist egal, Pelz gibt es überall“, sagt Aktivistin Schöpf. „Man muss nur fünf Minuten warten, und mindestens zwei Menschen mit echten Pelzen laufen vorbei.“ Sie findet es tragisch, dass sich häufig tierliebe Menschen gar nicht bewusst sind, was sie da tragen. „Vielen fehlt der Bezug zwischen dem Pelzkragen und dem Tier, das dafür sterben musste“, so Schöpf. Doch Mode sei eben ein Aushängeschild, und jeder Mensch, der in der Öffentlichkeit Pelz trägt, würde mindestens fünf bis sechs Nachkäufer anregen. „So verschwindet das Tierleid nie“, klagt Schöpf.

Denjenigen, die sich trotz geplagten Gewissens nicht komplett von ihrem Pelz trennen wollen, rät sie: Entweder einer Tierschutzorganisation für Anti-Pelz-Aktionen spenden oder den Pelz einfach zu Hause im Schrank behalten, falls es sich zum Beispiel um ein Erbstück der verstorbenen Oma handelt.

Kürschner Schwarz hingegen möchte das Gewissen erleichtern – mit einem umweltfreundlichen Aspekt, wie er findet: „Echte Pelzmäntel können Sie immer recyceln und zu einem neuen Stück verarbeiten.“ Das mache sie ökologischer als Kunstpelz. Allgemein achte er bei seinen Einkäufen auf Nachhaltigkeit. Er verwende hauptsächlich Felle aus Nutztierhaltung oder von invasiv eingestuften Tierarten. Diese stammten von fremden Kontinenten und vermehrten sich mangels natürlicher Feinde zu schnell, was die heimische Flora und Fauna bedrohe.

Angaben zu ungenau

Für das Tierschutzbüro ist eine genaue Deklaration ein Muss. Seit 2012 gibt es zwar eine EU-Verordnung, die eine Ausweisung von tierischen Bestandteilen auf Etiketten vorschreibt. Das Gesetz, das deren Einhaltung gewährleisten soll, wurde in Deutschland im vergangenen Jahr verabschiedet. Aber obwohl Verstöße nun auch mit einem Bußgeld von bis zu 10 000 Euro bestraft werden können, hält sich nicht jedes Unternehmen daran.

„Wir wünschen uns eine Deklarationspflicht wie in der Schweiz, wo Artenname, Herkunftsland und Haltungsform auf dem Etikett genannt werden müssen“, sagt Schöpf. „Und langfristig möchten wir natürlich, dass alle Städte ganz vom Pelz befreit werden.“

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse