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Ein echter Kramer in Höchst

Das Museum für Angewandte Kunst zeigt in einer Sonderschau auch die Stühle von Ferdinand Kramer. Im Höchster Bildungsschuppen sitzen täglich Schüler auf den Designermöbeln und lernen für ihren Realschulabschluss.
Lehrer Karl Haarmann ist stolz auf die Stühle des Designers Ferdinand Kramer, die der Bildungsschuppen Höchst besitzt. 
Foto: Maik Reuß Lehrer Karl Haarmann ist stolz auf die Stühle des Designers Ferdinand Kramer, die der Bildungsschuppen Höchst besitzt. Foto: Maik Reuß
Frankfurt. 

Im Höchster Bildungsschuppen sitzen und arbeiten die Schüler auf Stühlen aus Metall und Holz. Rund 20 dieser Sitzmöbel stehen den Männern und Frauen in den Räumen an der Königsteiner Straße zur Verfügung. Sie sitzen darauf, schieben sie durch den Raum oder nutzen sie als Ablage für ihre Taschen.

Rund 15 Kilometer vom Bildungsschuppen entfernt sitzt niemand auf den Stühlen, die in den 20er Jahren von Architekt und Designer Ferdinand Kramer entworfen wurden. Im Museum für Angewandte Kunst am Schaumainkai ist das Berühren der Ausstellungsgegenstände nämlich streng verboten. Dort werden derzeit einige der von Kramer entworfenen Stühle ausgestellt. Es sind die gleichen, die auch im Bildungsschuppen in Höchst als Sitzmöbel täglich gebraucht werden.

 

Gebrauchsgegenstand

 

An drei Tagen in der Woche wird den Schülern der Stoff für einen nachträglichen Realschulabschluss vermittelt. Zwei Jahre dauert der Kurs, danach bieten die Pädagogen weitere Hilfe an. „Was passiert jetzt mit den Stühlen hier?“, will eine Schülerin wissen. „Es gibt die unterschiedlichsten Ideen, was wir nun tun könnten“, gibt Karl Haarmann zu. Der Lehrer will gemeinsam mit seinen Kollegen vom Bildungsschuppen jedoch nichts ändern. „Die Möbel wurden als Gebrauchsgegenstände entworfen, die wir gut gebrauchen können.“ Die abgenutzten Stühle hinter Glas zu stellen, kommt für die Pädagogen nicht infrage. „Für Kramer waren Möbel kein Statussymbol, sie sollten nur ihre Funktion erfüllen.“

Dass sie einen kleinen Schatz besitzen, erfuhren Robert Schändlinger, der Leiter des Bildungsschuppens, und seine Kollegen rein zufällig. „Ein Besucher der Ausstellung hat die Stühle und Tische bei uns entdeckt und uns davon berichtet“, erzählt Haarmann.

Die Ausstellung „Das Prinzip Kramer“ zeigt noch bis 7. September, am Schaumainkai Möbel und Einrichtungsgegenstände des Frankfurter Architekten und Designers. Ferdinand Kramer, geboren in der Mainmetropole, wirkte vor allem in den 1920er Jahren als Mitarbeiter Ernst Mays an der Gestaltung des Neuen Frankfurt.

Im Museum für Angewandte Kunst werden auf zwei weißen Podesten Stühle, Tische, Lampen, Liegen, Hocker, Nachttische, Anrichten, Türdrücker, Fenstergriffe, Geschirr, Öfen, Ladeneinrichtungen und Regenschirme ausgestellt. Zwischen 1952 und 1964 war Kramer Baudirektor an der Goethe-Universität. Dort entwarf er rund zwanzig Bauten und die Inneneinrichtung der Räume. Auch in der Universität wurden die Möbel als Alltagsgegenstände in Vorlesungen oder Seminaren von Studenten gebraucht.

 

Inventar der Universität

 

Vor rund acht Jahren kaufte der Bildungsschuppen 20 Stühle und zwölf Tische von der Goethe-Universität. „Damals wurden Institute auf dem Campus Bockenheim geschlossen und Inventar aus den Räumen verkauft“, sagt Schändlinger. Sein Kollege Haarmann kennt die Stühle noch aus seiner Studienzeit. „Ich habe selbst auf ihnen gesessen und gelernt“, erinnert er sich. „Jetzt unterrichte ich Schüler, die wiederum daran sitzen und lernen.“ Maida Rahmani (28) sitzt seit zwei Jahren im Unterricht auf den Metallgestellen mit schwarzen Sitzen. „Die Stühle sind ganz bequem“, sagt sie. Dass sie auf den Möbeln sitzt, die gerade in einer Ausstellung gezeigt werden, macht die Höchsterin stolz. „Es ist ein schönes Gefühl.“

Die Ausstellung „Das Prinzip Kramer“, Museum für Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, bis 7. September, dienstags bis sonntags 10–18 Uhr, mittwochs 10–20 Uhr. Eintritt 9 Euro. Telefon (069) 212 340 37 oder Internet www.museumangewandtekunst.de

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