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Abtreibung: Frankfurter Katholiken: Kein Verständnis für den Papst-Vergleich

Von Der Papst hat ohne Manuskript gesprochen - und löste mit einer Äußerung Widerspruch aus. Das Kirchenoberhaupt hat Abtreibungen als "Auftragsmorde" bezeichnet. Unter den Katholiken am Main musste man da nicht lange nach Gegenstimmen suchen.
Papst Franziskus tröstet auf dem Petersplatz im Vatikan ein Kind. Foto: Gregorio Borgia/AP Papst Franziskus tröstet auf dem Petersplatz im Vatikan ein Kind.
Frankfurt. 

Als „unglückliche Erklärung“ bezeichnet der stellvertretende Stadtdekan, Rolf Glaser, die Wortwahl des Papstes zum Thema Abtreibung. „Für uns hat der Schutz werdenden Lebens oberste Priorität“, versichert Dekan Glaser. Aber man könne dies auch nicht gegen den Willen der Frauen machen. „Und Frauen zu kriminalisieren, ist sicherlich nicht der richtige Weg.“

Die Laien denken ganz ähnlich wie der stellvertretende Stadtdekan. Margurit Aßmann, in der Gemeinde St. Johannes Ortsausschussvorsitzende und Mitglied im Pfarrgemeinderat St. Margareten, ist sogar richtig sauer über die neueste Äußerung des Papst. „Wir fliegen morgen nach Rom wegen der Heiligsprechung von Katharina Kaspar. So ein schönes Ereignis – und zuhause der Kinderschänder-Skandal, die Sache mit Ansgar Wucherpfennig – was ein Unding ist – und jetzt auch noch dieser unselige Vergleich. Es ist nicht leicht, derzeit katholisch zu sein.“

„Man denkt an die Mafia“

Margurit Aßmann hat in 40 Jahren als Krankenschwester in der Frauenklinik in Höchst eigenen Aussagen zufolge „alles Leid und alles Glück der Welt“ miterlebt. „Wir hören immer vom barmherzigen Gott. Ich muss verantworten, was ich tue, und vertraue auf Gottes Gnade. Keiner Frau ist je eine Abtreibung leicht gefallen. Manche verfolgt es ein Leben lang.“ Da können auch unpassende Vergleiche verletzen.

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Daniela Marschall-Kehrel ist die Vorsitzende der Stadtversammlung Frankfurter Katholiken und damit die ranghöchste Vertreterin katholischer Laien. Sie ist sauer: „Dieser Vergleich mit dem Auftragsmord – da denkt man ja an die Mafia – ist sehr unbarmherzig“, sagt sie und berichtet aus ihrer beruflichen Erfahrung: „Als Ärztin sehe ich ja, dass sich keine Frau und kein Paar diese Entscheidung leicht macht. Es so hinzustellen, als sei die Abtreibung eine Problemlösung für die Frauen, ist schwer zu ertragen. Es ist einfach eine unbarmherzige Haltung, die aus diesen Worten spricht.“ Zumal die Kirche selbst ja – sei es mit dem Missbrauch, sei es mit dem Rektor der Hochschule Sankt Georgen, Ansgar Wucherpfennig – in der Öffentlichkeit umstritten sei und möglicherweise selbst auf Barmherzigkeit angewiesen.

Die Direktorin des Caritasverbands, Gaby Hagmans, ist in ihrer Stellungnahme ebenfalls eindeutig: „Die Bezeichnung ’Auftragsmord’ ist aus meiner Sicht nicht gerechtfertigt“, sagt sie. „Mord wird aus niederen Beweggründen begangen. Das ließe sich so lesen, als würden Frauen leichtfertig Kinder töten. Das trifft auf die persönliche Situation der Frauen nicht zu“, erläutert Hagmans.

„Konflikt der Frauen“

Vielmehr befänden die Frauen sich „in einem Konflikt, ob sie mit den Konsequenzen der Schwangerschaft leben können.“ Und dies zu entscheiden, obliege einzig der Frau: „Niemand anderes kann dies für sie tun. Gerade aus beratender Perspektive, müssen wir jede Entscheidung der Mutter akzeptieren.“ Entsprechend habe dies der Gesetzgeber geregelt: Abtreibung ist strafbar, aber unter bestimmten Ausnahmen straffrei, wie im Paragrafen 218 geregelt. Der Papst aus Argentinien trifft also mit seiner Äußerung auf heftigen Widerspruch.

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