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Ausgesetzte Tiere: Frankfurts Tierheime sind voll

In den Frankfurter Tierheimen gibt es in der Ferienzeit viel zu tun. Immer wieder setzen Herrchen und Frauchen, ihre Vierbeiner einfach aus, wenn sie nicht wissen, wohin mit ihnen während des Urlaubs. Selbst Katzen mit Jungtieren werden mittlerweile oft abgegeben.
Neugierig erkunden die Babykätzchen ihre Umgebung: Die Kleinen wurden vor wenigen Wochen mit ihrer Mama im Katzenheim Oberrad abgegeben. Bilder > Foto: Michael Faust Neugierig erkunden die Babykätzchen ihre Umgebung: Die Kleinen wurden vor wenigen Wochen mit ihrer Mama im Katzenheim Oberrad abgegeben.
Frankfurt. 

Ganz vorsichtig erkunden die fünf kleinen Babykätzchen auf noch tapsigen Pfoten ihre Umgebung. Ihre Mama lässt sie nicht aus den Augen, passt auf, dass keines ihrer vier Wochen alten Sprösslinge verloren geht. Brigitte Maucolin redet mit ruhiger Stimme auf die Katze ein. „Es ist alles gut, wir wollen doch nur nach eurem Wohle schauen“, sagt sie und nimmt eines der kleinen getigerten Babys hoch.

Brigitte Maucolin ist die Leiterin des Tierheims für Katzen in Oberrad. Gerade in der Ferienzeit gibt es dort alle Hände voll zu tun. Denn nicht nur Hunde werden ausgesetzt, wenn Herrchen oder Frauchen nicht weiß, wohin mit dem Vierbeiner während der Urlaubsreise, sondern auch Katzen. Das musste in den vergangenen Wochen auch Maucolin erfahren. „Die Katzenmutter mit den fünf Jungtieren wurden von einem Mann in einem Wäschekorb bei uns vorbeigebracht“, erzählt die 62-Jährige. Gefunden habe er sie, sagte der Mann.

„Kastrieren ist wichtig“

Doch Maucolin glaubt ihm nicht. „Wenn man Katzen findet, gibt man sie nicht in einem Wäschekorb ab.“ Zudem seien die Tiere zutraulich und handzahm gewesen. „Und zwei Tage später wurde der Rest der Familie in einer Transportbox vor dem Tierheim ausgesetzt. Da war wohl jemand überfordert“, sagt Maucolin, die alle Katzenhalter dazu motivieren will, ihre Tiere zu kastrieren. „Das ist sehr sinnvoll, wenn man nicht noch mehr Vierbeiner versorgen will.“

Derzeit arbeitet Brigitte Maucolin von frühmorgens bis spätabends, um alle Stubentiger zu versorgen. 155 Katzen sind es momentan – und damit ist das Tierheim auch am Limit. Die Katzenfamilie war nicht die einzige, die in Oberrad abgegeben wurde. Auch ein getigerter Kater saß eines Tages vor einigen Wochen einfach vor der Tür. „Ich kann nicht verstehen, wie man seine Tiere einfach abschieben oder aussetzen kann“, sagt Maucolin, die selbst vier Katzen und drei Hunde zu Hause hat. „Es kann immer sein, dass es nicht mehr geht, wenn sich etwa die Lebensumstände ändern“, sagt die Tierheimleiterin. „Aber dann sollte man auch den Mut haben und uns die Katzen übergeben.“

Tierpfleger haben alle Hände voll zu tun

Alle Jahre wieder wird es in den Sommerferien voll im Tierheim des Tierschutzvereins Frankfurt und Umgebung in der Ferdinand-Porsche-Straße 4.

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Ebenfalls viel zu tun haben momentan die Mitarbeiter im Tierheim Nied, das vom Tierschutzverein Schwalbach und Frankfurt-West betrieben wird. „Gleich am ersten Ferientag stand bei uns eine ausgesetzte schwangere Katze in einer Kiste vor der Tür“, berichtet Leiterin Petra Decken. 144 Tiere werden derzeit in dem kleinen Tierheim unter der Schwanheimer Brücke betreut – etwa zur Hälfte Katzen, der Rest Kleintiere. Für Hunde hat der Verein keinen Platz, hilft aber bei der Vermittlung. „Wir haben so viele Tiere und kaum Personal“, klagt Decken. In den Ferien sei der Bestand gestiegen. „Aber eigentlich geht das zwei Wochen vor den Ferien los; dann fällt vielen auf, dass sie keine Zeit für ihr Tier haben.“ Wegen personeller Probleme war das Nieder Tierheim in den Ferien zwei Wochen zu – Fütterung und Pflege liefen weiter, es wurde aber nicht vermittelt. „Das kann auch nicht jeder“, sagt Petra Decken. Die Aufnahme von Kaninchen sei wegen der Verbreitung der mutierten Seuche RHD-2 geschlossen worden – „rechtzeitig“, wie Petra Decken sagt. Das Problem: In Deutschland ist der nötige Impfstoff nicht zugelassen, muss aus Frankreich beschafft werden.

Schuld hat auch die Stadt

Krankheiten sind auch bei den Katzen ein Problem: „Was noch auffälliger als sonst ist, das ist die Zahl der halbtoten und kranken Katzenkinder, die dieses Jahr eingefangen werden, das hat stark zugenommen. Überall nur vereiterte Augen und abgerissene Schwänze.“ Das Problem: An einigen Stellen ist die Population der frei lebenden, unkastrierten Katzen zu groß; sie vermehren sich und leben zum Teil „auf Müllkippen“. Schuld sei auch die Stadt, weil sie keine Kastrationsverordnung verabschiede, sagt Decken. Inzwischen sei die Vermittlung wieder ganz gut angelaufen; weil die Menschen, die bereits im Urlaub gewesen seien, zurückkämen. Inzwischen hat das Nieder Tierheim auch wieder geöffnet.

 

Weitere Informationen gibt es unter www.katzenschutzverein.de und unter www.tierheim-nied.de im Internet.

 

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