E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Hofheim am Taunus 27°C

Mieze muss nicht an die Leine: Gericht urteilt: Alles für die Katz

Von Katzen gehören in Mehrfamilienhäusern nicht an die Leine. Das hat das Amtsgericht in einem gestern erst bekannt gewordenen Urteil entschieden. Eine Wohnungseigentümerin und Katzenhalterin konnte sich damit gegen die übrigen Hauseigentümer durchsetzen: Der entsprechende Passus muss aus der Hausordnung genommen werden.
Katzen zum Freigang anleinen? Das fanden die Richter dann doch zu abwegig. Foto: Julian Stratenschulte Katzen zum Freigang anleinen? Das fanden die Richter dann doch zu abwegig. Foto: Julian Stratenschulte
Frankfurt. 

Schluss mit dem Katzenkot im Sandkasten und den Katzenhaaren auf der Fußmatte: Die Wohnungseigentümer eines Bockenheimer Mehrfamilienhauses hatten mit einer Neufassung der Hausordnung entsprechend klare Verhältnisse schaffen wollen. Katzen durften nach der neuen Regelung nur noch angeleint durch das Haus und den daran anschließenden Garten geführt werden. Und: Jede Verunreinigung, so die Vorschrift, sei vom Tierhalter sofort zu entfernen.

Die Miteigentümerin, die im Erdgeschoss eine Wohnung mit Terrasse und Gartenanteil bewohnte und eine Katze hielt, stemmte sich gegen die neue Regelung. Als sich die Hausverwaltung unter dem Hinweis auf den Beschluss der Gemeinschaft weigerte, den Leinen-Paragraphen aus der Hausordnung herauszunehmen, zog sie vor das Amtsgericht.

Richter Karl Stefan Konow gab der Klage auf Unwirksamkeit der Regelung statt. Die Vorschrift, wonach Schmutz und Kot der Tiere umgehend von deren Halter zu entfernen ist, reiche völlig aus, um die Gefahr von Verunreinigungen im Haus zu minimieren, entschied das Gericht. Darüber hinaus dürfe die Tierhaltung im Haus und auf dem Grundstück nur bei einer „übermäßigen Nutzung“ eingeschränkt oder ganz verboten werden. „Das freie Herumlaufenlassen der Katzen führt jedoch nicht zu einer übermäßigen Nutzung des Gemeinschaftseigentums“, heißt es in der Entscheidung.

Wie sich auch immer die im Hause lebenden Katzen tatsächlich verhalten: Ein Leinenzwang für sie verspreche auch deshalb keinen durchschlagenden Erfolg, weil jederzeit andere, nicht angeleinte Katzen von Nachbargrundstücken über Dächer und Mauern auf das Grundstück der beklagten Gemeinschaft eindringen und dabei auch den Sandkasten auf dem Kinderspielplatz verschmutzen könnten, befand Richter Konow. Es sei schließlich üblich, dass in Wohnungen gehaltene Katzen diese auch über längere Zeiträume verlassen und sich außerhalb in einem mehr oder weniger großen Umkreis aufhalten.

„Die sich aus der Katzenhaltung ergebenden üblichen Beeinträchtigungen können jedenfalls nicht ausschließlich den Wohnungseigentümern der Liegenschaft zugeordnet werden“, schließt das Urteil. Die Prozesskosten haben nun die Wohnungseigentümer zu tragen – paradoxerweise damit auch die siegreiche Klägerin.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen