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Betty Wiesenberg ist erstmals in Deutschland: Kind zweier Holocaust-Überlebender

Von Betty Wiesenberg kennt die Schrecken des Holocausts aus den Erzählungen ihrer Eltern. In der Höchster Helene-Lange-Schule spricht sie mit Schülern über die Erinnerungen ihrer Mutter, die in Nied aufgewachsen ist.
Betty Wiesenberg hat eine alte Fotografie mitgebracht. Hierauf ist ihre Mutter Henriette Herger-Wiesenberg (links) als Kind zu sehen. Foto: Leonhard Hamerski Betty Wiesenberg hat eine alte Fotografie mitgebracht. Hierauf ist ihre Mutter Henriette Herger-Wiesenberg (links) als Kind zu sehen.
Höchst. 

Ein kleines Mädchen blickt in die Kamera des Fotografen. Es steht ganz links – gleich neben Mutter, Tante und Cousine. Betty Wiesenberg hat dieses Foto mitgebracht. Sie ist zu Besuch an der Helene-Lange-Schule, sitzt mit Schülern der Klassen 9 a und 9 c im Vorraum zur Aula und hält das Familienfoto in die Höhe. Aufgenommen wurde es Anfang der 30er Jahre.

Henriette Herger-Wiesenberg heißt das kleine Mädchen auf dem Foto. Es ist die Mutter von Betty Wiesenberg. Die US-Amerikanerin ist zum ersten Mal in Frankfurt. Gemeinsam mit ihrem Ehemann David Sobash begibt sie sich auf Spurensuche nach ihrer Familie. Seit 1980 lädt Frankfurt frühere Bürger, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und vertrieben wurden, zu einem Besuch ein. Seit 2012 gilt dies auch für deren Kinder. Eine Woche lang können sie die Heimatstadt ihrer Eltern oder Großeltern kennenlernen. Viele Teilnehmer besuchen währenddessen eine Schulklasse und sprechen mit Schülern über das, was ihre Eltern oder andere Familienmitglieder während der Nazizeit erlitten haben. Die Begegnung zwischen Zeitzeugen und Schülern ermöglicht das Projekt „Jüdisches Leben in Frankfurt“.

Sie lebt in Virginia

Betty Wiesenberg ist in den Vereinigten Staaten geboren, lebt mit ihrem Mann in Williamsburg in Virginia. Ihr ist es ein großes Anliegen, den Schülern der Helene-Lange-Schule von ihrer Mutter und ihrem Vater zu erzählen. Sie ist mit den Erinnerungen ihrer Eltern groß geworden, die beide wegen ihrer jüdischen Herkunft von den Nazis verfolgt wurden und den Holocaust überlebt haben.

Henriette Herger-Wiesenberg wurde 1923 in Höchst geboren. „Sie hat mit ihren Eltern und ihrem Bruder in der Spielmannstraße in Nied gelebt“, sagt Betty Wiesenberg. „Meine Großmutter war Jüdin, mein Großvater ein Lutheraner.“ Aus den Erzählungen der Mutter wisse sie, dass die Familie ein sehr gutes Verhältnis zu den Nachbarn gehabt habe, ganz egal, ob jüdisch oder nicht-jüdisch.

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 und die darauffolgenden Jahre, veränderten alles und verwandelten das Leben ihrer Mutter in einen furchtbaren, schrecklichen Alptraum. Sie verlor ihre Familie und ein paar Monate vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde sie ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert.

Betty Wiesenberg erzählt auch von ihrem Vater Hermann, der aus Fulda stammte, sechs Jahre lang im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert war und im April 1945 befreit wurde. „Meine Mutter wollte lange Zeit nicht über das Erlebte sprechen und ich verstehe es“, sagt Betty Wiesenberg. „Sie wollte nicht, dass unser Leben davon berührt wird, damit wir unbeschwert unsere Kindheit genießen konnten.“

Respektvolles Miteinander

Trotzdem habe sie schon als junges Mädchen gespürt, dass ihre Eltern etwas Schlimmes erlebt haben. „Ich habe von ihnen gelernt, dass jeder Mensch wertvoll ist, egal, woher er kommt. Und dass man anderen mit Respekt begegnen soll“, sagt sie. Wiesenberg und ihr Gatte betonen, wie wichtig es ist, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Es müsse alles dafür gemacht werden, dass diese Geschichte sich nicht wiederhole.

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