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Beide befürchten mehr Fluglärm: Kritik am Teilabzug der A 380-Flotte eint Fraport und Ausbaugegner

Die Entscheidung der Lufthansa, ein Drittel ihrer A 380-Maschinen aus Frankfurt abzuziehen, sorgt für eine ungewöhnliche Allianz. Sowohl Fluglärmgegner als auch die Betreibergesellschaft Fraport kritisieren die Airline. Denn die nach München verlegten Airbus-Superjumbos sollen durch ältere und lautere Flugzeuge ersetzt werden.
Symbolbild Foto: Boris Roessler (dpa) Symbolbild
Frankfurt.  Die vergangene Woche bekannt gegebene Standortverlagerung stößt auf breite Kritik. Fünf von 14 Großraumjets des Airbus-Typs A 380 will die Lufthansa kommendes Jahr aus Frankfurter abziehen und von München aus fliegen lassen. Als Ersatz sollen in Frankfurt ältere Flugzeuge des Typs A 340-600 eingesetzt werden. Deshalb sei damit zu rechnen, dass es im Süden der Stadt wieder lauter werde, warnte Ursula Fechter, Fluglärmbeauftragte des Frankfurter Oberbürgermeisters. Nicht nur, weil diese älteren und kleineren Passagiermaschinen „weniger lärmeffizient“ seien, sondern auch weil sie künftig auf der Nordwestlandebahn aufsetzen könnten. Für den A 380 sei diese zu kurz.

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Lufthansa zieht fünf A38 ab Kommentar: Politisches Signal

"Zeitpunkt und Begleittext ihrer Bekanntmachung machen jedoch klar: Der A 380-Abzug ist auch ein politisches Signal", sagt unser Kommentarschreiber Daniel Gräber.

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Die von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) eingesetzte Fluglärmbeauftragte zählt zu den entschiedenen Gegnern des unter seiner CDU-Vorgängerin Petra Roth durchgesetzten Flughafenausbaus. Die 2011 eröffnete Nordwestlandebahn lehnen Fechter und ihre Mitstreiter ab, weil dadurch die Zahl der lärmgeplagten Anwohner deutlich gestiegen sei. Ihr Unmut über die Lufthansa und die Flughafenbetreibergesellschaft Fraport ist daher kaum überraschend. Beide würden „ohne Rücksicht auf die Anwohner ihre Geschäftsinteressen verfolgen“, schrieb Fechter in einer am Freitag verbreiteten Pressemitteilung.

Neue Landebahn zu kurz

Doch nun bekommt sie Rückenwind aus ungewohnter Richtung. Die Fraport AG selbst stimmt in Fechters Kritik mit ein. „Die Lufthansa-Entscheidung bedauern wir und halten sie für falsch“, nahm ein Fraport-Sprecher gegenüber dieser Zeitung Stellung. „Älteres und weniger lärmeffizientes Fluggerät, weniger Passagierkapazitäten“, fügte er zur Begründung an.

Auch dass es durch den Flottenwechsel zu einer Verlagerung in Richtung Nordwestlandebahn kommen könnte, bestätigte er. Grundsätzlich sei es richtig, dass der A 380 „aufgrund der begrenzten Länge der Bahn nicht auf der Nordwestlandebahn landen“ könne, Flugzeuge des Typs Airbus A 340-600 hingegen schon, schrieb ein Fraport-Sprecher. Generell sei die Belegung der Landebahnen aber von aber einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Daher lasse sich derzeit noch gar nicht abschätzen, „ob sich aus der Veränderung im Flottenmix der Lufthansa am Frankfurter Flughafen die durchschnittliche Belegung der Bahnen ändert“.

Nicht nur in Frankfurt, sondern auch in Nachbarkommunen stößt die Nachricht vom A-380-Abzug auf Unverständnis. Von einem „Affront gegen fluglärmgeplagte Anwohner“, sprach Thomas Will (SPD), Landrat des Kreises Groß-Gerau; ebenfalls ein Gegner des Ausbaus. Laut geltendem Planfeststellungsbeschluss sei das Ziel der Flughafenerweiterung die „Sicherung und Stärkung seiner Drehkreuzfunktion“, schreibt Will. „Offenbar werden nun ganz andere Drehkreuze gestärkt.“

In der Tat begründet die Lufthansa ihren Schritt mit der wachsenden Bedeutung des Flughafens München als internationales Drehkreuz, in der Branche auch „Hub“ genannt. Der Airbus A 380 soll von der bayerischen Landeshauptstadt ab Sommer 2018 die Langstreckenziele Los Angeles, Hongkong und Peking anfliegen. Damit biete die Airline ihren „Kunden in München ein Premium-Flugzeug an einem Fünf-Sterne-Hub“, ließ sich Vorstandsmitglied Harry Hohmeister zitieren. Lufthansa setze so ein „klares Zeichen für weiteres Wachstum in Bayern“.

„Region wird verramscht“

Diese Entscheidung wird auch als Warnschuss gegenüber der Fraport AG verstanden. Denn die Lufthansa, die ihre Hauptbasis am Frankfurter Flughafen hat und ein wichtiger Miteigentümer der Fraport ist, hält nichts von deren neuer Geschäftsstrategie, Billigfluglinien nach Frankfurt zu locken. Während die Fraport ihre Hinwendung zu Ryanair und Co. als wirtschaftliche Notwendigkeit erklärt, da diese „Low Cost Carrier“ den Markt immer stärker prägen, befürchten Fraport-Kritiker negative Auswirkungen. „Die Region wird jetzt verramscht, indem Platz gemacht wird für Billigflieger“, warnt etwa Landrat Thomas Will. „Billigflieger, die man eigentlich in Frankfurt nie haben wollte.“

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