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Lyoner Quartier: Micro-Appartements zu Maxi-Preisen

Was jetzt im Lyoner Quartier gebaut wird, entscheidet, wie hier das Leben in Zukunft aussehen wird. Derzeit sind 40 Prozent der Wohnungen Micro-Appartements. So wie im „Kanso“, das bis 2021 an der Saonestraße gebaut wird. Für diese Entwicklung gibt es auch eine historische Erklärung.
Im „Kanso“ entstehen an der Saonestraße  301 Ein-Raum-Wohnungen, ein Restaurant und eine Kita. Entwurf: Architekturbüro Planquadrat Foto: HHVISION (HHVISION) Im „Kanso“ entstehen an der Saonestraße 301 Ein-Raum-Wohnungen, ein Restaurant und eine Kita. Entwurf: Architekturbüro Planquadrat
Niederrad. 

Noch erinnert das Lyoner Quartier, ehemals Bürostadt genannt, an vielen Ecken eher an das Pariser Büroviertel La Défance, das unter der Woche von Angestellten in Kostümen und Anzügen bevölkert wird und am Wochenende wie ausgestorben ist. In Niederrad soll sich das ändern. 2012 beschloss die Stadtverordnetenversammlung mit dem neuen Bebauungsplan für das Lyoner Quartier, wegen des hohen Büroleerstands hier Wohnungen entstehen zu lassen.

Mit den jetzigen Bauprojekten entscheidet sich nun, wie sich das Viertel entwickeln wird. Bis zu 10 000 Menschen sollen in den kommenden Jahren hierherziehen. Von einem „lebendigen Viertel“ ist in Broschüren die Rede.

Was genau das heißen soll, zeigt eine Marktanalyse des Projektentwicklers Fox 1 GmbH. 4400 Wohnungen wurden demnach in den vergangenen Jahren im Lyoner Quartier fertiggestellt, werden gerade gebaut oder geplant. Davon sind 40 Prozent sogenannte Micro-Appartements, möblierte Ein-Raum-Wohnungen mit meist weniger als 30 Quadratmetern. Im Planungsdezernat kann man die Zahl nicht bestätigen, Sprecher Mark Gellert hält sie aber für „gut möglich“.

Klickt man sich im Internet durch entsprechende Wohnungsannoncen, sieht man Bilder von Küchen mit schmalen Tischen und nur einem Stuhl oder Schlafzimmern, deren Einrichtungen an Hotels denken lassen.

Kosten: 80 Millionen Euro

Die Fox 1 GmbH realisiert selbst für 80 Millionen Euro ein Wohnhaus mit 301 Micro-Appartements und acht Sozial- und Mittelstandswohnungen. Die städtische Zielvorgabe, beim Wohnungsbau 30 Prozent geförderten Wohnraum entstehen zu lassen, erfüllt Kanso damit nicht.

„Planen Investoren entsprechend dem gültigen Bebauungsplan von 2012“, sagt Gellert, „haben sie einen rechtlichen Anspruch darauf, dass ihr Bauantrag genehmigt wird. Auch wenn sie sich nicht vertraglich mit der Stadt auf die 30 Prozent einigen.“ Die 30-Prozent-Vorgabe verabschiedete der Magistrat erst 2014.

Vom nächsten Jahr an will Fox 1 mit dem Bau an der Saonestraße beginnen, dort gegenüber der Agentur für Arbeit. „Kanso“ heißt das Bauprojekt. Das ist Japanisch und bedeutet „Schlichtheit“. Im Erdgeschoss wird es eine Kindertagesstätte, ein Restaurant und zwei kleiner Geschäfte geben. Auch hier werden die 301 Micro-Appartements möbliert vermieten. „24 Quadratmeter werden sie groß sein; 60 bis 80 Quadratmeter die acht anderen Wohnungen“, sagt Geschäftsführer David Roitman.

Zu den Mietpreisen will er sich nicht äußern. Er sagt nur: „Wir sind optimistisch, sie zu in Frankfurt üblichen Marktpreisen anbieten zu können.“ Bei vergleichbaren Wohnungen im Stadtteil, die im Internet angeboten werden, schwanken die Kaltmieten zwischen 645 Euro für 17 Quadratmeter und 1 095 Euro für 29 Quadratmeter. Die Wohnungen im Kanso könnten wegen der Gemeinschaftsbalkone und des Open-Air-Kinos für die Bewohner möglicherweise im oberen Preissegment liegen. Pendler und Studenten seien die Zielgruppe, sagt Roitman; die Bewohner von Micro-Apartments blieben durchschnittlich ein bis drei Jahre in einer Wohnung.

Eine historische Erklärung

Im Planungsdezernat sei man sich dessen bewusst, dass im Lyoner Quartier sehr viele Micro-Apartments entstehen und schon entstanden sind. Einfluss darauf könne die Stadt da aber kaum nehmen, sagt Dezernatssprecher Gellert.

Allerdings ließe sich diese Entwicklung des Viertels historisch erklären: Anfang der 2010er Jahre schon begann die Stadt, Impulse zu setzen, um in dem Viertel Wohnungen entstehen zu lassen. So genehmigte man 2010 in der Lyoner Straße 19, aus einem Büroturm ein Appartementhaus zu machen. „So zogen überhaupt erst Menschen in die damalige Bürostadt“, sagt Gellert. „Mit ihnen kamen Geschäfte und Restaurants.“ Nur deshalb hätten sich Investoren getraut, im Lyoner Quartier Geld in den Wohnungsbau zu stecken.

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