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Baustellen-Desaster im Nordend: Nach Kritik: Muss der VGF-Chef gehen?

Weil der Zeitplan für den Bau zweier Haltestellen in der Eckenheimer Landstraße völlig aus dem Ruder geraten ist, steht die städtische Verkehrsgesellschaft (VGF) seit Wochen in der Kritik. Jetzt zieht Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) offenbar die Konsequenzen.
Die neue Station Musterschule ist zwar schon erkennbar, aber U-Bahnen werden hier erst ab dem 10. Oktober halten. Foto: Rainer Rüffer Die neue Station Musterschule ist zwar schon erkennbar, aber U-Bahnen werden hier erst ab dem 10. Oktober halten.
Frankfurt.  Die Sitzung des Verkehrsausschusses im Römer vor vier Wochen gilt mittlerweile schon als legendär: Klaus Oesterling (SPD), frisch gewählter Verkehrsdezernent, zog in aller Öffentlichkeit so über die VGF her, wie es selbst langjährige Beobachter noch nicht erlebt haben. Grund dafür waren die Bauarbeiten für zwei neue Haltestellen in der Eckenheimer Landstraße, die doppelt so lange dauern werden wie ursprünglich geplant. Oesterling war auch deshalb so erbost darüber, weil ihm die VGF noch Anfang August versichert hatte, dass alles planmäßig verlaufe. Danach hat sich dem Vernehmen nach Michael Budig, einer von drei Geschäftsführern der VGF, in den Urlaub verabschiedet. Oesterling stellte in der folgenden Woche bei einer Baustellenbegehung fest, dass die Arbeiten keineswegs im Plan liegen. Die VGF jedoch hat das erst eine Woche später öffentlich zugegeben. Oesterling habe sich veräppelt gefühlt, sagt ein Kenner des Vorgangs.

Kein Einzelfall

Die Eckenheimer Landstraße ist nicht die einzige Baustelle der VGF, bei der es Probleme gab. Beim Bau der Straßenbahn in der Friedberger Landstraße (der sich ebenfalls erheblich verzögerte) wurden vor einigen Jahren Lampenmasten mitten auf den Radweg gesetzt – der Fall schlug damals hohe Wellen. „Die VGF versteht sich nicht als Generalunternehmer“, sagt ein Insider. Absprachen mit städtischen Dienststellen wie dem Straßenbauamt würden nicht funktionieren. Für den Bau der U-Bahn ins Europaviertel wurde auch deshalb eine eigene Gesellschaft gegründet.

VGF-Chef Michael Budig Bild-Zoom Foto: FNP
VGF-Chef Michael Budig
Oesterling, der vor seiner Wahl zum Verkehrsdezernenten viele Jahre verkehrspolitischer Sprecher der SPD im Römer war, stellte sich bisher immer hinter die VGF, verteidigte das Unternehmen insbesondere gegen den Machtzuwachs bei der ebenfalls städtischen Nahverkehrsgesellschaft Traffiq. Doch offenbar traut Oesterling dem Geschäftsführer Budig nicht zu, die Probleme beim Baustellenmanagement in den Griff zu bekommen. Wie die FNP aus gut unterrichteten Kreisen erfahren hat, werden deshalb Gespräche über ein vorzeitiges Ausscheiden Budigs geführt. Den Informationen zufolge wird bereits über die finanziellen Folgen einer Ablösung des 64-Jährigen verhandelt. Auch persönliche Gründe sollen dabei eine Rolle spielen. Der Aufsichtsrat der VGF, der sich nach der Kommunalwahl in neuer Zusammensetzung erst noch konstituieren muss, ist bisher noch nicht in die Angelegenheit eingebunden. Die nächste Sitzung ist für Mitte Oktober angesetzt.

Seit 1999 bei der VGF

Budig kam 1999 nach Stationen in Hannover, Offenbach und Köln als Geschäftsführer zur VGF. Zuletzt wurde sein Vertrag vor drei Jahren bis zum 31. März 2018 verlängert. Damals wurde auch Thomas Raasch als dritter Geschäftsführer bestellt. Er soll neben Budig und Arbeitsdirektor Thomas Wissgott wesentlich dazu beitragen, die defizitäre VGF finanziell auf Kurs zu bringen. Mit Umstrukturierungen hatte Budig bei der VGF immer zu tun. Der Diplom-Ingenieur musste die Ausgliederung der für die Angebotsplanung zuständigen Traffiq und die Ausschreibung der Buslinien hinnehmen, hat den Personalbestand bei der VGF deutlich reduziert, um sie wettbewerbsfähig zu machen. Auch seine Kritiker halten ihm zugute, dass er den erheblichen Investitionsstau angepackt hat, den er bei seinem Amtsantritt vorgefunden hat. Die Straßenbahnflotte ist mittlerweile komplett modernisiert, die Lieferung neuer U-Bahnen läuft.

Dem Vernehmen nach soll die VGF künftig wieder von zwei Geschäftsführern geleitet werden, wie es auch zwischen 2002 und 2013 der Fall war. Allerdings haben weder Wissgott, noch Raasch eine technische Ausbildung. Es stellt sich deshalb die Frage, ob nicht wieder ein Ingenieur in die Unternehmensführung geholt wird – gerade wegen der zahlreichen Bauaufgaben, die auch in den kommenden Jahren zu stemmen sind.

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