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Umbenennung: Namenspatron war ein Nazi: Werner-Haustein-Straße wird umbenannt

Von Die Werner-Haustein-Straße wird es bald nicht mehr geben: Ihr Namenspatron war ein Nazi. Sie wird wohl dem Nieder Kirchweg zugeschlagen. Angestoßen wurde die Umbenennung vom Vereinsring Nied.
Ist nach einem Nazi benannt: Der frühere Eisenbahner Werner Haustein war verantwortlich für die Umsetzung der Nürnberger Rassengesetze bei der Bahn. Jetzt werden die Schilder abmontiert. Foto: Maik Reuß Ist nach einem Nazi benannt: Der frühere Eisenbahner Werner Haustein war verantwortlich für die Umsetzung der Nürnberger Rassengesetze bei der Bahn. Jetzt werden die Schilder abmontiert.
Nied. 

Hauke Hummel, der Vorsitzende des Vereinsrings Nied, hatte den Stein ins Rollen gebracht: Er hatte im Herbst im Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) angeregt, die Werner-Haustein-Straße neu benennen zu lassen. Der Grund: Der Namensgeber war als Reichsbahner eng in die Machenschaften der Nazis verstrickt und bei der Reichsbahn verantwortlich für die Umsetzung der Nürnberger Rassengesetze.

Nach dem Krieg, 1952, war er wie so viele andere reingewaschene Nazis auch in der jungen Republik erfolgreich: Er wurde Leiter der Rechtsabteilung in der Hauptverwaltung der Bundesbahn in Frankfurt.

Keine Adressänderungen

Die Werner-Haustein-Straße hat als Seitenstraße des Nieder Kirchwegs keine regulären Hausnummern und bindet lediglich Kleingärten an. Mit der Umbenennung muss also kein Anwohner seine Ausweispapiere ändern lassen oder seine Grundbucheinträge, es müssen keine Adress-Stempel neu angefertigt und keine Visitenkarten neu gedruckt werden.

Die Stadt Frankfurt hat jetzt vorgeschlagen, die Schilder abzuschrauben und die Werner-Haustein-Straße dem Nieder Kirchweg zuzuschlagen. Darüber darf der Ortsbeirat entscheiden: Die Benennung von Straßen gehört zu seinen wenigen Befugnissen.

Benannt worden war die Straße vom Magistrat im Jahr 1972. Neue historische Bewertungen des Eisenbahnhistorikers und Beraters der Gedenkstätte Yad Vashem, Alfred Gottwaldt, haben ergeben, dass der Namensgeber durch seine Handlungen in der NS-Zeit den Wertvorstellungen des Grundgesetzes zuwider gehandelt hat.

Damit hat Werner Haustein gegen Kriterien verstoßen, wie sie der Leitfaden zur Straßenbenennung in Frankfurt vorgibt. Denn eine Benennung nach Personen ist unzulässig, wenn diese Ziele, Handlungen oder Wertvorstellungen verkörpern, die dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland oder der Verfassung des Landes Hessen zuwiderlaufen. Oder dem Ansehen der Stadt Frankfurt schaden. Gottwaldt hat in der 2011 publizierten Studie „Die Reichsbahn und die Juden 1933–1939“ Werner Hausteins aktive Beteiligung am NS-System nachgewiesen. Erst jetzt wurde man darauf aufmerksam.

SA-Hauptsturmführer

Als Referent für Beamtenrecht in der Personalabteilung der Hauptverwaltung der Reichsbahn in Berlin war Haustein ab Oktober 1936 für die Umsetzung der Nürnberger Gesetze und weiterer antisemitischer Maßnahmen verantwortlich gewesen. Seit 1937 war Haustein als Ministerialdirektor im Reichsverkehrsministerium für Fragen des Beamtenrechts zuständig. Am 1. Mai 1937 trat Haustein der NSDAP bei; bei der SA (Sturmabteilung) bekleidete er den Rang eines Hauptsturmführers.

Die Umbenennung der Straße wird auch vom Institut für Stadtgeschichte befürwortet.

Kosten entstehen durch die Umbenennung keine: Wahrscheinlich werden nur die Straßenschilder abgeschraubt.

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