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Friedberger Landstraße: Pläne fürs Innovationsviertel vorstellen

Von Nur wenn drei grundlegende Forderungen berücksichtigt werden, will der Ortsbeirat 3 (Nordend) dem Bau des „Innovationsviertels“ entlang der Friedberger Landstraße zustimmen.
Eine eindeutige Botschaft enthüllten Mitglieder der Bürgerinitiative während der Sitzung des Ortsbeirates. Bilder > Eine eindeutige Botschaft enthüllten Mitglieder der Bürgerinitiative während der Sitzung des Ortsbeirates.
Nordend. 

Angriff ist die beste Verteidigung. Diese alte Fußballweisheit hält Manfred Zieran (Ökolinx) beim geplanten Bau des Innovationsviertels für angebracht. „Je aggressiver die Bürgerinitiative auftritt, desto besser. Es muss klare Kante gezeigt werden, nur so haben wir eine Chance, auf eine ökologische und humane Stadt“, sagte er in der Sitzung des Ortsbeirates 3 (Nordend) am Donnerstagabend.

Etwa 40 Pächter von Klein- und Freizeitgärten unterhalb des Wasserparks waren in die Sitzung gekommen, um in der Bürgerfragestunde nochmals ihre Position deutlich zu untermauern. „Der Hitzesommer hat’s gezeigt: Grünflächen erhalten, kein Zubetonieren“ war auf einem Banner zu lesen, das sie mitgebracht hatten. Sie haben nämlich nicht nur Angst, ihre Lauben zu verlieren, sondern befürchten zugleich, dass die Frischluftschneise vom Lohrberg in die Innenstadt für immer zerstört wird, wenn das Innovationsviertel wie geplant realisiert wird. Das wollen sie verhindern und haben sich zur Bürgerinitiative „Grüne Lunge am Günthersburgpark“ (BI) zusammengeschlossen.

Großflächige Bebauung

Die Stadt plant zwischen Autobahn 661 und der Friedberger Landstraße das Ernst-May-Viertel sowie unterhalb des Wasserparks entlang der Friedberger Landstraße das sogenannte Innovationsquartier mit großflächiger Wohnbebauung. Das Geld aus der Vermarktung der Grundstücke soll dann für den späteren Bau der geplanten Einhausung der A 661 zwischen Preungesheim und Bornheim verwendet werden.

Allerdings bezweifelt Laubenbesitzerin Gabriele Teichert, dass der Deckel auf die Autobahn kommt. Dieser Eindruck dränge sich ihr nach einem Gespräch im Planungsamt auf. „Selbst dort rechnet man nicht damit, dass die Einhausung kommt“, erklärte sie. Ersten Kostenschätzungen zufolge werden bis zu 200 Millionen Euro für deren Bau veranschlagt, die Stadt muss die Finanzierung tragen, eventuell gibt es einen kleinen Zuschuss vom Bund. Deshalb befürchtet Teichert, dass zwölf Hektar Grünfläche verschwinden könnten, ohne dass es anderswo neues Grün gebe.

Auch Rüdiger Koch hält es für fraglich, „ob die Belohnung, der Deckel und das Grün darauf, kommen“. Grundsätzlich plädierte er dafür, den Magistrat für die sofortige Präsentation der Pläne in die nächsten Sitzung des Ortsbeirates einzuladen. Dieser Vorschlag wurde einstimmig vom Gremium verabschiedet.

Nach Angaben von Mark Gellert, Sprecher im Planungsamt, ist das aber nicht realistisch. „Im Moment sind wir noch nicht soweit. Ich gehe aber davon aus, dass es noch in diesem Jahr passieren wird.“ Zu Spekulationen, dass die Planungen bereits weiter fortgeschritten seien als angenommen, sagte Gellert: Die auf einem Entwurf von Pesch & Partner basierenden Grundlagen seien verändert worden, verwaltungsintern seien diese aber noch nicht fertig abgestimmt. Frühestens in zwei Jahren – zu diesem Zeitpunkt könnte im günstigsten Fall das Bebaungsplanverfahren abgeschlossen sein – rechne er mit dem Baubeginn zum Innovationsviertel.

Seine Zustimmung zur Planung knüpft der Ortsbeirat, das wurde in der Sitzung deutlich, weiter an drei Bedingungen: an den Erhalt der Klein- und Freizeitgärten, des Abenteuerspielplatzes am Ende der Wetteraustraße und der Kaltluftschneise. Mehrheitlich sprach sich das Stadtteilparlament dafür aus, ein Klimagutachten erstellen zu lassen, in dem Auswirkungen des Bauvorhabens auf die Frischluftzufuhr im Nordend untersucht werden sollen. Angeregt hatten das Gutachten die Grünen.

Kompromiss

Die CDU zog ihr Papier zurück. Darin hatte sie unter anderem angeregt, die Grünflächen zwischen Wasserpark und Schlinkenweg im nördlichen Planungsgebiet zu erhalten. „Ohne einen Kompromiss haben wir keine Gesprächsgrundlage“, erklärte der Fraktionsvorsitzende Mirko Trutin und ergänzte: „Natürlich wollen wir unser Grün schützen, aber angesichts des Bevölkerungswachstums müssen auch wir einen Beitrag dazu leisten, um Wohnraum zu schaffen.“

Dem wollte eine Zuhörerin so nicht zustimmen, weil ohnehin nur Luxuswohnungen gebaut würden, die sich keiner mehr leisten könne. „Warum sollen die Gärten dann weg, wenn die Wohnungen danach leerstehen?“, gab sie zu bedenken. Gerhard Brandt (FDP) erklärt allerdings, dass der oder die Investoren verpflichtet sind, 30 Prozent der Gesamtwohnfläche als geförderten Wohnraum zu errichten. Anders als Zieran schlug Grünen-Sprecher Michael Mirsch eine gemäßigtere Gang- und Tonart vor. Im Prinzip seien alle Fraktionen einer Meinung. „Wir als Nordend werden mal wieder als das Gallische Dorf auftreten – da werden zwar nicht die Maximalforderungen rausspringen, aber es ist sehr viel drin.“

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