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Islamisten weiter unter Druck: Radikale muslimische Vereine werden intensiv beobachtet

Von Nach der Anti-Terror-Razzia vor gut zwei Wochen behalten die Sicherheitsbehörden auch die Frankfurter Islamistenszene weiter im Blick. Die Bilal-Moschee in Griesheim, die bei der Polizeimaßnahme durchsucht wurde, ist nicht die einzige, die als islamistisch beeinflusst gilt. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen hält sich die offenbar verunsicherte Salafistenszene derzeit zurück.
Polizisten kontrollieren einen Salafisten. Foto: Daniel Reinhardt (dpa) Polizisten kontrollieren einen Salafisten.
Frankfurt. 

Die Anti-Terror-Razzia vor gut zwei Wochen, bei der hessenweit mehr als 50 Wohnungen, Geschäftsräume und Moscheen durchsucht wurden, hat die Islamistenszene nach Einschätzungen aus Sicherheitskreisen stark verunsichert. Wie ein hochrangiger Beamter im Gespräch mit dieser Zeitung sagte, haben sich einzelne Szenemitglieder nach der Razzia zwar „professionell unbeeindruckt“ gezeigt, weil sie grundsätzlich damit rechneten, dass die Sicherheitsbehörden sie im Blick haben.

Insgesamt habe die Islamistenszene nach der Polizeiaktion mit Festnahme eines Terrorverdächtigen aber gewirkt „wie ein Vogelschwarm, der von einem Baum aufgescheucht wurde“. Nach dem ersten Schrecken herrsche nun eine nachhaltige Verunsicherung. Die einzelnen Vögel ließen sich – um im Bild zu bleiben – nach und nach wieder auf den Ästen nieder. Dies aber im Bewusstsein des hohen Verfolgungsdrucks durch die hessischen Sicherheitsbehörden.

Das vor einer Woche erschienene Interview dieser Zeitung mit einem Vertreter der Frankfurter Bilal-Moschee, die bei der Großrazzia ebenfalls durchsucht wurde, ist in Sicherheitskreisen aufmerksam gelesen worden. Obwohl sich der Vorstandsvorsitzende des Moscheevereins in dem Gespräch bemühte, einen möglichst guten Eindruck zu machen, gilt das Griesheimer Gebetshaus weiter als „islamistisch beeinflusst“. Die meisten Moscheebesucher – zu den Freitagsgebeten kommen mitunter mehr als 1000 Gläubige – seien zwar völlig unauffällig, mitunter gingen in dem Gebetshaus aber auch Salafisten und gewaltbereite Dschihadisten ein und aus.

Extremistischer Ruf

Aus Sicherheitskreisen heißt es zwar, dass der aktuelle Imam bei den Freitagspredigten keine extremistischen Inhalte vermittle, in der Vergangenheit sei die Bilal-Moschee aber wiederholt durch Auftritte salafistischer Prediger wie Abdellatif Rouali, Abu Walaa und Tarik ibn Ali aufgefallen. In der Islamistenszene des Rhein-Main-Gebiets habe das sunnitische Gebetshaus deshalb den „Ruf der Moschee, die am extremsten agiert“. Das locke zwangsläufig eine entsprechende Klientel an und mache das Gebetshaus zu einem potenziellen „Radikalisierungsraum“.

Islamismus und Salafismus

Unter dem Begriff Islamismus werden alle Formen des islamischen Extremismus zusammengefasst; also alle politisch-totalitären Ideologien, die den Islam als ein System begreifen, das sämtliche privaten

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Während die Bilal-Moschee schon länger im engeren Fokus der Sicherheitsbehörden steht, geriet die As-Salam-Moschee in der Nordweststadt offenbar erst im Laufe der Ermittlungen vor der Großrazzia hinein. Einzelne Personen aus dem Netzwerk des festgenommenen terrorverdächtigen Haikel S. sollen das Gebetshaus im Kleinen Zentrum besucht haben. Ob dort extremistisches Gedankengut vermittelt wurde, ist Gegenstand der Ermittlungen. Bislang galt das Gebetshaus als relativ unauffällig, obgleich es die Behörden „auf dem Schirm“ hatten.

Etwas ruhiger ist es um die Abu-Hanifa-Moschee in Bergen-Enkheim geworden, die wie die beiden anderen Gebetshäuser im Fokus der Sicherheitsbehörden steht und von ihnen als „islamistisch beeinflusst“ bewertet wird. Wie das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) auf Nachfrage mitteilte, fanden dort in der Vergangenheit überregional besuchte salafistische Veranstaltungen statt. Dass sich Salafisten, die die Abu-Hanifa-Moschee besuchten, anschließend zu einer „dschihadistisch motivierten Ausreise nach Syrien oder in den Irak“ entschlossen, schließt die Behörde mit Sitz in Wiesbaden nicht aus.

Werben um Flüchtlinge

Nach Informationen dieser Zeitung bemüht sich Said Khobaib Sadat, der umstrittene Imam der Abu-Hanifa-Moschee, inzwischen besonders um Flüchtlinge. Das Phänomen, dass Salafisten Asylsuchende ansprechen, um sie für ihre extremistische Auslegung des Islams zu gewinnen, haben die hessischen Sicherheitsbehörden schon vor dem großen Flüchtlingsstrom des Jahres 2015 als mögliche Gefahr gesehen. Das hessische LfV schickt deshalb speziell geschulte Mitarbeiter in Erstaufnahmeeinrichtungen und soziale Einrichtungen, um für das Problem zu sensibilisieren.

Keine Verteilaktionen

Öffentlichkeitswirksame Aktionen meidet die Frankfurter Islamistenszene momentan, wohl wegen des Kontrolldrucks der Sicherheitsbehörden. Die salafistische „Lies!“-Kampagne und die Koranverteilungen auf der Zeil, die geraume Zeit für Aufregung sorgten, finden nach dem Verbot des Vereins „Die wahre Religion“, der dahintersteckte, nicht mehr statt. Die „We-Love-Muhammad“-Kampagne, die der frühere Frankfurter Kopf der „Lies!“-Aktion, Bilal G., zusammen mit dem Salafistenprediger Pierre Vogel bewarb, fand auf der Zeil nur ein einziges Mal statt. Verteilt wurden dabei keine Korane, sondern Biografien des Propheten.

Christian Scheh
Kommentar: Differenzierung und Kommunikation

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