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So ein Hundeleben

Täglich kommen neue Notfälle ins Tierheim Fechenheim. 15 Tierpfleger und 150 ehrenamtliche Helfer kümmern sich um Hunde, Katzen und Kleintiere. Beim Sommerfest am Sonntag stellte das Heim sich und seine Tiere vor.
Wer Tiere liebt, erhält Liebe zurück – das wissen Martin Diehl und Freya Krautwurst, die das Sommerfest des Tierheims besuchten. 	Foto: Rüffer Wer Tiere liebt, erhält Liebe zurück – das wissen Martin Diehl und Freya Krautwurst, die das Sommerfest des Tierheims besuchten. Foto: Rüffer
Fechenheim. 

Ganz langsam setzt Emma einen Fuß vor den anderen und kommt auf die Menschentraube zu. Hunderte Besucher des Sommerfests wandern durch das Labyrinth aus Gängen, das an den Zwingern vorbeiführt. So viele Menschen überfordern die zweijährige Maremmano-Hündin, die sich erst ans freie Laufen gewöhnen muss. Aus ihrem bisherigen Leben kennt sie keine Menschenmassen, kein Hundegebell und kein Tageslicht; sie musste ihr komplettes bisheriges Leben in einer alten Scheune verbringen. Erst vor wenigen Wochen wurde Emma, die vorher keinen Namen hatte, gerettet und ins Tierheim gebracht.

 

Große Überwindung

 

Dass sie dort so gute Fortschritte macht und womöglich nach kurzer Zeit schon ein neues Zuhause in Aussicht hat, ist keine Selbstverständlichkeit. Ihr Zellengenosse aus tierquälerischer Haltung ist ein Schnauzermix, dem das Tierheim den Namen Pepino gegeben hat. Er nimmt Reißaus, wenn Menschen nur in seine Nähe kommen. Ob er sich je daran gewöhnen wird, dass es auch im Hundeleben mehr gibt als eine dunkle Scheune und sadistische Menschen, können seine Pfleger noch nicht einschätzen.

Pepino und Emma sind zwei von 111 Hunden im Tierheim. Nicht alle Geschichten sind so grausam wie ihre. „Oft waren die Besitzer einfach überfordert, konnten sich das Futter nicht mehr leisten, oder sie sind verstorben“, erklärt die Tierheimleiterin Sabine Urbansky die häufigsten Beweggründe dafür, ein Tier abzugeben. Der Umzug nimmt jedes Tier mit, ist aber für die sieben Hunde- und sechs Katzenpfleger fast schon Routine.

Ähnlich geht es den Tierpflegern, die für die 180 Katzen und 130 Kleintiere da sind. Kaninchen gibt es, Meerschweinchen, Mäuse, Hamster und Vögel, sogar Schildkröten haben eine vorübergehende Heimat in Fechenheim gefunden.

Eine der Pflegerinnen ist Martina Hessaun. Seit ihrer Kindheit hat sie Tiere gehalten, kennt sich mit Krankheiten und Eigenheiten von Kleintieren aus. Sie selbst lebt mit sechs Kaninchen und zehn Meerschweinchen zusammen, die zu Hause fast ein eigenes Zimmer bewohnen. Immer wieder zieht sie auch Findlinge mit der Flasche bei sich zu Hause groß. „Logisch, dass man da auch lernt, die Menschen einzuschätzen, die ein Tier aufnehmen wollen“, findet die gelernte Zahnarzthelferin. Wenn sie ein schlechtes Gefühl hat, ordnet sie Hauskontrollen bei den Interessenten an: „Bevor einer unserer Hasen nämlich in der Pfanne oder ausgesetzt am Straßenrand endet, behalten wir ihn lieber selbst.“

Angesichts der wichtigen Arbeit will das Leitungsteam die internen Querelen der letzten Jahre hinter sich lassen. Michael Hallstein, Vorsitzender des Tierschutzvereins, ist froh, dass das Team aus Vorstand und Tierheimleitung nun so gut zusammenarbeitet. Eine neue Tierärztin wurde für den Vorstand gewonnen und kurze Zeit später eingestellt. „Es geht es uns allen um das Wohl die Tiere. Dafür müssen wir an einem Strang ziehen“, sagt er. Ob das auf Dauer gelinge, werde sich zeigen.

 

Hoffnung statt „Hope“

 

Beim Sommerfest trafen sich alle wieder – Pfleger, ehrenamtliche Gassigänger und Kleintierschmuser, Tiere, die das Tierheim erfolgreich vermitteln konnte, und aktuelle Insassen wie Emma und Pepino.

Hoffnung machen könnte ihnen die Erfolgsgeschichte der Staffordshire-Boxer-Mischlingshündin Hope, die ebenfalls mit ihrem neuen Frauchen das Sommerfest besucht. Auch nach drei Jahren war die Wiedersehensfreude bei dem Tier und seinen ehemaligen Pflegern groß. Hope kam ins Tierheim, nachdem sie ihrem Besitzer weggenommen wurde, der sie vergewaltigt hatte. Zwei Jahre hat es gedauert, bis Hope wieder Vertrauen gefasst hatte und vermittelt werden konnte. Seit drei Jahren wohnt sie nun bei Freya Krautwurst im Odenwald, lebt dort mit anderen Hunden zusammen und ist aufgeblüht. „Doch sogar heute noch reagiert sie auf bestimmte Typen Mann ganz heftig“, erzählt die selbstständige Hundetrainerin Krautwurst. Sie hat der Hündin, so gut es ging, die Angst vor Menschen genommen und ihr mit viel Geduld gezeigt, dass das Leben als Hund auch andere, schöne Seiten haben kann.

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