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Frankfurter Verein unterstützt bedürftige Tierhalter: Tiertafel braucht Geld

Der Verein Frankfurter Tiertafel unterstützt bedürftige Tierhalter, die sich das Futter und die Tierarztbesuche ihrer Schützlinge nicht leisten können. Diese Arbeit finanziert die Tiertafel ausschließlich durch Spenden. Die aber reichen nicht mehr aus.
Aster ist neugierig, was Lothar Götz da wohl Leckeres in der Hand hat. Bilder > Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Aster ist neugierig, was Lothar Götz da wohl Leckeres in der Hand hat.
Frankfurt. 

Aster ist eine große, schwarze Hündin, die einen neugierig und schwanzwedelnd begrüßt. Sechs Jahre ist sie alt, sehr zutraulich und topfit. Frauchen Vera Plank hat die Galgo Español-Hündin – das ist eine spanische Hunderasse – aus einer Tötungsstation gerettet. Jetzt braucht Vera Plank selbst Hilfe.

Info: Spenden für die Tiertafel

Sach- und Futterspenden werden jeden ersten Dienstag im Monat von 10-13 Uhr und an Ausgabesamstagen in der Ludwig-Landmann-Straße 206 entgegengenommen.

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Seit sieben Jahren kämpft die Offenbacherin gegen ihre Krebserkrankung und Depressionen. Wegen ihrer Krankheit kann Vera Plank nicht mehr arbeiten, ist mit 55 Jahren Rentnerin. Das Geld ist knapp. Nicht nur für sich selbst, sondern auch, um Aster und ihre drei Katzen zu versorgen. Dabei sind die Tiere Vera Planks wichtigster Halt: „Bevor ich meinen Tieren kein Futter kaufen kann, esse ich lieber selbst nichts“, sagt sie. Dass es zurzeit nicht so weit kommt, ist der Verdienst der Frankfurter Tiertafel, die Vera Plank mit Futter für ihre Schützlinge unter die Arme greift. „Ohne die Tiertafel könnte ich das Futter nicht mehr bezahlen“, erzählt die 55-Jährige, die die Offenbacher Tafel aufsucht, um sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen. Dabei sind die Tiere für viele Bedürftige eine wichtige Stütze.

Kaum Geld für die Anreise

So wie Vera Plank geht es vielen Rentnern und Hartz IV-Empfängern in und um Frankfurt. Einmal im Monat findet bei der Tiertafel die Futterausgabe statt. „Früher haben wir das alle zwei Wochen gemacht“, weiß Conny Badermann, erste Vorsitzende der Frankfurter Tiertafel. „Dann haben wir festgestellt, dass sich viele Bedürftige die Zugfahrt zu uns nur einmal im Monat leisten können. Zu uns kommen ja nicht nur Frankfurter, sondern beispielsweise auch Menschen aus Rüsselsheim oder Bad Nauheim.“ Vera Plank hat Glück, dass ihr guter Freund Lothar Götz sie mit dem Auto nach Frankfurt fährt. „Mit öffentlichen Verkehrsmitteln wäre die Strecke von Bürgel hierher für mich nicht zu bewältigen“, sagt sie. Bei der Futterausgabe verteilt die Tiertafel Rationen für fünf bis sechs Tage in der Woche. Wenn ein Tier krank ist, bekommt es Futter für volle sieben Tage. Kranke Hunde und Katzen erhalten ein Spezialfutter, das mehr kostet als das Futter für gesunde Tiere.

Derzeit beanspruchen die Halter von über 700 Haustieren die Dienste der Tiertafel. Ob jemand bedürftig ist oder nicht, überprüfen die Mitarbeiter bei der Neuaufnahme. „Bei uns bekommen nur Tiere Futter, die angeschafft wurden, bevor ihre Halter in Not geraten sind“, erklärt Badermann. Wenn Herrchen oder Frauchen nicht selbst zur Futterausgabe kommen können, liefert die Tiertafel das Futter sogar nach Hause. Insgesamt belaufen sich die monatlichen Futterkosten auf etwa 10 000 Euro. Die Tiertafel übernimmt auch die Tierarztkosten, die sich Bedürftige nicht leisten können. „Dafür fallen monatlich mindestens 5000 Euro an, im August haben wir schon 6000 bezahlt. 2015 hatten wir insgesamt über 70 000 Euro Tierarztkosten“, rechnet Badermann vor. Viele kranke Tiere müssen häufig zum Tierarzt, das geht ins Geld. Ein besonders tragisches Beispiel ist die 14-jährige Pudeldame Jessy, deren Halterin behindert ist und vom Pflegedienst betreut wird. Jessy hat nicht nur große Probleme mit den Zähnen, sondern auch Pilzbefall, einen Tumor und viele weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen. Die Tiertafel liefert Jessys Frauchen das Futter nach Hause und hilft, so gut es geht. Um zu verhindern, dass ein Tier unnötig leiden muss, zahlt die Tafel im schlimmsten Fall auch das Einschläfern. All diese Leistungen haben ihren Preis.

Jetzt aber geht dem Verein das Geld aus. „Es reicht nur noch für die Futterausgabe am 20. August. Danach sind unsere Bestände aufgebraucht“, betont Badermann den Ernst der Lage. Die Tiertafel finanziert sich ausschließlich aus Spendengeldern. Die reichen zurzeit aber bei weitem nicht aus.

Badermann hofft deswegen auf das Engagement der Bürgerinnen und Bürger, um die Arbeit der Tiertafel fortführen zu können. Mit Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU) hat die Tafel kürzlich einen Unterstützer von städtischer Seite gefunden.

Spenden Sie am Dienstag

Eine hohe Spendenbereitschaft erhofft sich Badermann auch am Dienstagabend. Ab 19.30 Uhr wird sie mit ihren beiden Kolleginnen aus dem Vorstand den Bunten Abend mit Bäppi LaBelle auf dem Apfelweinfest als Plattform nutzen, um Spenden einzusammeln. Das Geld will die Tafel verwenden, um wenigstens einen Teil der hohen Tierarztkosten zu decken. „Wir würden uns auch sehr über Futterspenden wie Hundeleckerlis und Katzennassfutter freuen. Vor allem aber wissen wir nicht, wie wir die nächste Futterlieferung bezahlen sollen, die am 30. August ansteht. Dann werden 30 000 Euro fällig“, ist Badermann besorgt.

Die Liebe zu den Schützlingen bedürftiger Menschen spornt die ausschließlich ehrenamtlichen Mitarbeiter an, ihre Zeit und Kraft zu investieren. 2007 hat Badermann gemeinsam mit ihrer Vorstandskollegin Uschi Pinsker die Tiertafel gegründet. „Wir haben hier alles selbst renoviert“, erzählt sie. „Früher habe ich im Tierheim gearbeitet. Dann haben wir die Tiertafel gegründet mit dem Ziel, dass die Tiere gar nicht erst ins Tierheim müssen.“ Für dieses Engagement sind ihr Menschen wie Vera Plank sehr dankbar: „Ich weiß nicht, was ich ohne die Tafel machen würde.“

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