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Exorzismus im Faktencheck: Was Sie über Teufelsaustreibung wissen müssen

Der Fall der Teufelsaustreibung in einem Frankfurter Hotel, zu dem heute das Urteil erwartet wird, bestürzt und verstört viele Menschen. Was hat es mit den bizarren Ritualen auf sich? Wer sind diese Fanatiker, die sich auf das Christentum berufen? Lesen Sie in unserem Faktencheck, was es mit Exorzismus auf sich hat.
Ein Exorzist versucht Angela (Olivia Taylor Dudley) von der satanischen Gewalt in einer Szene des Kinofilms "The Vatican Tapes" zu befreien. Foto: Bonnie Osborne (Bonnie Osborne/Universum Film) Ein Exorzist versucht Angela (Olivia Taylor Dudley) von der satanischen Gewalt in einer Szene des Kinofilms "The Vatican Tapes" zu befreien.
Frankfurt. 

Das Phänomen der Teufelsaustreibung fasziniert und verstört viele Menschen – doch nur wenige kennen die Hintergründe und Ursprünge der bizarren Ritaule. Unser Faktencheck beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was bedeutet Exorzismus?

Der Begriff Exorzimus leitet sich ab vom griechischen Wort "exorkismós", das so viel wie "Hinausbeschwören" bedeutet. Teufelaustreibungen gab und ist in zahlreichen Religionen verbreitet. Im Christentum kennt man das Prozedere seit dem Mittelalter. Dahinter steckt der Volksglaube an Dämonen, Geister und Teufel steckt. Das Exorzieren erfolgt in mehreren Handlungen, nach einem bestimmten Ritual. Dazu gehören in der Regel Weihwasser und ein Kreuz.

Lange Zeit hielt sich auch der Glaube, dass psychisch Kranke vom Teufel besessen sind. Das änderte sich erst, als sich das Wissen über psychische Krankheiten erweiterte.

Ist die Teufelsaustreibung nicht längst ausgestorben?

Keinesfalls. Noch heute finden allein in Deutschland täglich Teufelsaustreibungen statt. Der Journalist Marcus Wegner, der sich seit vielen Jahren damit beschäftigt, ist sich sicher: "Wir haben derzeit zwei bis drei Teufelsaustreibungen pro Tag in Deutschland in der katholischen Kirche, die aber nicht offiziell sind. Aus Reihen der evangelikalen Szene sind es sechs bis sieben."

Wie gefährlich sind Teufelsaustreibungen?

Sehr. Der Tod des Besessenen während oder nach dem Ritual kann durchaus akzeptabel sein. Er sei dann immerhin von den Dämonen befreit, so die perfide Logik. Dahinter steckt der hartnäckige Glaube an das Gute - auch bei sehr grausamen Todesfällen, wie dem in Frankfurt. Die Gewalt tue man schließlich den Dämonen an und nicht dem Opfer.

Welche Rolle hat der Exorzismus in der katholischen Kirche?

Offiziell erlaubt es die katholische Kirche heutzutage Dämonen und Geister rituell auszutreiben. Das sei aber an strikte Bedingungen geknüpft. Erforderlich sind die Erlaubnis des Bischofs sowie ärztliche und psychologische Gutachten. Unglaublich, aber wahr: Der Vatikan bietet sogar Exorzismuskurse an. Nur offizielle Exorzisten dürfen den Teufel verjagen.

Im aktuellen Frankfurter Fall waren Teufelsaustreiber und Opfer Koreaner. Was gibt es dort für eine Verbindung zum Exorzismus?

In dem asiatischen Land gibt es noch Exorzismus, „da hier Religionsfreiheit herrscht und der Exorzimus Bestandteil der in Korea zu findenden Religionen wie den verschiedenen Richtungen des Christentums ist. Strafbar wird er nur, wenn es dabei zu Todesfällen kommt" - so heißt es auf der Internetseite von „KBS World Radio", dem einzigen fremdsprachigen Rundfunkprogramm Koreas.

Welche bekannten Fälle von Teufelsaustreibungen gibt es in Deutschland?

  • Um seine Mutter vom Teufel zu befreien, schlug 2009 ein 54-Jähriger mehrfach mit einer Bibel auf seine 87 Jahre alte halbseitig gelähmte Mutter ein und tötete sie. Vor dem Landgericht Rottweil (Baden-Württemberg) attestierte ein Gutachter dem Mann eine akute paranoide Schizophrenie. Als nicht schuldfähig wurde er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.
  • Das Landgericht Konstanz verurteilte 1988 eine 74-Jährige wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu sechs Jahren Haft. Um bei einer 66-Jährigen den Satan auszutreiben, hatte sie so auf die Frau eingeschlagen, dass diese starb. Die Frau war bereits 1969 in der Schweiz zu zehn Jahren Haft verurteilt worden, weil sie mit zusammen mit Mitgliedern einer Sekte eine 17-Jährige bei einer Teufelsaustreibung zu Tode geprügelt hatte.
  • Die Epileptikerin Anneliese Michel überlebte 1976 eine Teufelsaustreibung nicht. Die 23-Jährige aus dem unterfränkischen Klingenberg im Bistum Würzburg war an Unterernährung gestorben, nachdem an ihr im bischöflichen Auftrag eine Vielzahl von Exorzismus-Sitzungen vollzogen worden waren. Ärztliche Hilfe hatte die 23-Jährige nicht bekommen. Priester und Eltern wurden später zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt.
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