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Verein ,Höchster Leuchtfeuer“: „Wie eine große Familie“

Zum bereits 9. Mal hatte der Verein „Höchster Leuchtfeuer“ an Heiligabend zum Weihnachtsessen für bedürftige Menschen geladen. Die Initiatoren beobachten neben großer Hilfsbereitschaft auch wachsende Armut und Einsamkeit.
Das Team des „Bären“, die Helfer vom Verein „Leuchtfeuer“ und Edita Buqa (5.v.l., vordere Reihe), die für die Gäste Musik gemacht hat. Das Team des „Bären“, die Helfer vom Verein „Leuchtfeuer“ und Edita Buqa (5.v.l., vordere Reihe), die für die Gäste Musik gemacht hat.
Höchst. 

Im ,,Gasthaus zum Bären“ am Höchster Schlossplatz herrscht reges Gedränge. Denn zum mittlerweile 9. Mal organisieren die Mitglieder des Vereins ,,Höchster Leuchtfeuer“ gemeinsam mit der Belegschaft des Gasthauses ein Weihnachtsessen für bedürftige Menschen. Die Geburtsstunde des ,,Höchster Leuchtfeuers“ reicht ins Jahr 2006 zurück. Damals kämpfte Vereinsgründerin Wiltrud Pohl für Edita Buqa und ihre Familie. ,,Die ganze Familie sollte aus Deutschland abgeschoben werden“, erinnert sich Pohl. Schnell organisierte sie Unterschriftenlisten gegen die drohende Abschiebung. Mit Erfolg: „Schon nach drei Stunden waren mehr als 1000 Unterschriften aus ganz Deutschland zusammengekommen“, erzählt Wiltrud Pohl. Heute ist Edita an ihrer Schule im Abiturjahrgang und möchte nach ihrem Abschluss Polizistin werden. ,,Die Rettung von Editas Familie war die Geburtsstunde des Leuchtfeuers“, sagt Pohl. Seitdem engagiert sich der Verein für Familien, welche von der Abschiebung bedroht sind, sowie für bedürftige und einsame Menschen.

Für letztere bietet das Weihnachtsessen eine gute Gelegenheit, um Kontakte zu knüpfen. Die Zahl der Menschen, die am Weihnachtsessen teilnimmt, wächst in jedem Jahr. ,,Als wir angefangen haben, sind etwa 70 Leute zu uns gekommen. Heute sind es knapp 120. Das sind Zahlen, die einen traurig stimmen“, sagt Pohl. Besonders die Altersarmut sei in der Umgebung gestiegen. Um den Ansturm der Gäste bewältigen zu können, haben sowohl das ,,Höchster Leuchtfeuer“ als auch das Team des Gasthauses „Zum Bären“ jede Menge Helfer aufgefahren. ,,Von uns sind sechs Helfer dabei“, erzählt Pohl. Eine Helferin reise sogar aus Butzbach mit der Bahn an.

Auch das Team des ,,Bären“ ist an diesem Nachmittag in großer Zahl ins Gasthaus gekommen. Mehr als zehn Helfer sorgen dafür, dass Speisen und Getränke zu den vielen Gästen an die Tische gebracht werden können. Über diese Hilfsbereitschaft freut sich besonders Frank Wellert, der gemeinsam mit seiner Frau Lizza das Lokal betreibt. ,,Normalerweise hatten wir an Heiligabend immer geschlossen, aber der Raum für so ein Weihnachtsessen ist knapp“, sagt Wellert. Deswegen sei auch die Hilfsbereitschaft des Teams sehr hoch. Darüber hinaus bekämen die Menschen an diesem Tag genau die Gerichte zu essen, die auch jeder Gast auf der Karte bestellen könne. ,,An die Menschen wird nichts Zweitklassiges gegeben“, sagt Wellert.

Die Hilfsbereitschaft der Freiwilligen ist an diesem Nachmittag auch dringend erforderlich. Schon 45 Minuten bevor das Gasthaus seine Pforten für die Gäste öffnet, stehen viele Menschen wartend auf dem Schlossplatz. Im Gasthaus laufen derweil die Vorbereitungen auf Hochtouren. An langen Tischen werden große Metallschalen aufgestellt, in denen das Essen warmgehalten werden kann. Über den Wärmeschalen hängen Schilder, die verraten welche Speise sich unter welchem Deckel verbirgt: Gans, Kartoffelklöße, Hacksteaks, Nudeln mit Tomatensauce – das Küchenteam hat sich wahrlich ins Zeug gelegt, um bedürftigen Menschen ein köstliches Weihnachtsmahl servieren zu können.

Am Tisch gegenüber sortieren die ,,Leuchtfeuer“-Helfer derweil Weihnachtsgeschenke. Jeder Gast soll eines bekommen. ,,Über die Geschenke freuen sich besonders die Kinder“, sagt Wiltrud Pohl. Auch Christl Mundt hilft beim Sortieren mit. Für sie ist es das erste Weihnachtsessen für Bedürftige, bei dem sie sich engagiert. ,,Hier zu helfen macht wirklich Spaß“, sagt sie. Marianne Porada hingegen ist bereits zum 5. Mal dabei und kennt die Müde: ,,Wir haben allein drei Tage lang Geschenke verpackt“, sagt Poarada. Gleichwohl bereue sie die Mühe nicht. ,,Auch wenn es anstrengend ist, macht es Spaß. Hier sind alle wie eine große Familie.“

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