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Stadtgeflüster: Eintracht-Fans sagen Shop Adieu

Die Comedians der Frankfurter Klasse trinken ihr letztes Bier im Eintracht-Shop. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Die Comedians der Frankfurter Klasse trinken ihr letztes Bier im Eintracht-Shop.

Einige hundert Fans sind gestern in den Eintracht-Shop an der Bethmannstraße gekommen, um „eine letzte Träne“ zu vergießen, wie Axel Hellmann , Mitglied des Vorstands der Eintracht Frankfurt, sagt. „Jede Ära hat nunmal ihr Ende“, sagt Hellmann über den Shop, der vor 42 Jahren von Eintracht-Urgestein Bernd Nickel eröffnet wurde und nun für immer seine Türen schließt.

Ex-Fanshopbetreiber Joachim Garthe und Präsident Peter Fischer wissen viele Geschichten zu erzählen. Bild-Zoom Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst)
Ex-Fanshopbetreiber Joachim Garthe und Präsident Peter Fischer wissen viele Geschichten zu erzählen.

Mit dem Laden verbindet Hellmann manch wichtige Erinnerung und hatte auch zwei Trikots dabei, die er hier gekauft hat. Eins aus der Saison 1983/84 und eins aus der Spielzeit 1996/97. „Ja, auch die Rostock-Karten damals habe ich hier gekauft. Hier gab es alles, was das Eintracht-Fan-Herz begehrt“, so Hellmann, der aber auch davon spricht, dass der Shop das „politische Epizentrum“ war. „Hier wurde so manche politische Entscheidung getroffen – etwa die Gründung der Fan- und Förderabteilung.“

Und auch Eintracht-Präsident Peter Fischer weiß noch einiges über die Küche des Fanshops zu erzählen, wo man zusammenkam, um die Köpfe zusammenzustecken. „Die wurde nur an Weihnachten geputzt und dann das ganze Jahr über benutzt. So sah es da dann auch aus“, erinnert sich der Präsident. „Aber hier wurden große Dinge beschlossen“, ergänzt er. Unter den Besuchern der letzten Stunde, bei der übrigens heißer Ebbelwei und belegte Brötchen gereicht wurden, befindet auch Joachim Garthe , der den Shop mit seinem Geschäftspartner Joachim Pflug gut 20 Jahre lang betrieb. Garthe hat – wie die meisten an diesem Abend – viel zu erzählen.

So etwa, dass es nicht ein spezielles Trikot gab, das zu den meistverkauften Artikeln gehörte, sondern ein ziemlich skurriles Produkt: Eintracht-Kondome mit der Aufschrift „Steh’ auf, wenn du ein Adler bist“.

1996 übernahmen Garthe und Pflug das Geschäft von Willi Schuster , dem Nickel 1975 den Laden übergeben hatte. „Willi Schuster hat damals zwei Eintracht-Verrückte gesucht, die das Geschäft weiter betreiben wollten. Und in uns beiden hat er sie auch gefunden“, so Garthe.

Das war das Abstiegsjahr. Aber entgegen aller Erwartungen „war das die wirtschaftlich beste Zeit, die ich hier erlebt habe“, so Garthe. „Das hängt mit dieser Haltung ’Jetzt erst recht’ zusammen, die damals aufgekommen ist“, erinnert er sich. Und noch etwas hat er zu berichten: „Alle Legenden der Eintracht waren hier“, sagt Garthe und grüßt gleich eine: Bernd Hölzenbein , Weltmeister von 1974. „Wir Spieler sind früher hier ein- und ausgegangen und haben die Klamotten kostenlos bekommen“, erinnert sich Hölzenbein, der unweit vom Laden früher selbst eine Boutique betrieb. „Das ging aber nicht lange gut“, sagt er und lacht. „Dass der Fan-Shop schließt, ist zwar traurig, aber es ist auch besser so“, findet Hölzenbein und begründet seine Meinung auch: „Die Umgebung ist schwieriger geworden und es ist nicht einfach, hier Parkplätze zu finden.“ Aber 42 Jahre, „das ist eine unendlich lange Zeit“, gibt er zu bedenken.

Der neue Fanshop im Einkaufszentrum MyZeil sei sehr erfolgreich, sagt Axel Hellmann. „Die Nachfrage an diesem Ort hat nachgelassen“, erklärt er, warum es jetzt die Fanartikel im Konsumtempel an der beliebten Einkaufsmeile zu kaufen gibt.

Es sind nostalgische, aber nicht traurige Stunden, die die Fans gestern beim Abschied verbracht haben. Und es wird sogar lustig, als die beiden Comedians der Frankfurter Klasse den Laden aufmischen und einen auf die Eintracht gemünzten Sketch bieten.

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