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Bis zur Grenze der Belastbarkeit

Seit einem halben Jahr arbeitet die Vitos-Tagespflege in Oberursel jetzt, 20 vorwiegend demente Menschen werden dort bis zu vier Mal pro Woche liebevoll umsorgt. Gestern wurde die erste Bilanz gezogen. Sie fiel positiv aus.
Pflegedienstleiterin Cornelia Ott (links) liest mit einer Klientin ein Buch mit vielen Bildern - der alte VW-Käfer fällt der Seniorin sofort ins Auge.	 Foto: Schneider Pflegedienstleiterin Cornelia Ott (links) liest mit einer Klientin ein Buch mit vielen Bildern - der alte VW-Käfer fällt der Seniorin sofort ins Auge. Foto: Schneider
Oberursel. 

Sie spielen Bingo, blättern in Bilderbüchern oder schauen sich alte Fotos an. Die Atmosphäre bei Vitos in Oberursel ist entspannt, freundlich, fröhlich. Es wird viel gelacht und gestreichelt. Im Oktober wurde in dem modernen Neubau in der Oberen Zeil vom Begleitenden Psychiatrischen Dienst von Vitos eine Tagespflege eingerichtet. Fünf hoch motivierte Pflegekräfte kümmern sich dort unter Leitung von Pflegedienstchefin Cornelia Ott um etwa 20 Klienten aus dem Vordertaunus. Sie sind im Alter von 65 bis 91 Jahren, die meisten von ihnen leiden unter teils fortgeschrittener Demenz, weniger an Parkinson oder Schlaganfall. Einige von ihnen kommen ein Mal in der Woche, andere zwei und drei Mal, vier sogar vier Mal die Woche, berichtet Ott in einem Bilanzpressegespräch über die vergangenen sechs Monate seit der Eröffnung.

Karl Georg Jung-Seibel, therapeutischer Leiter der Einrichtung, die auch noch im Köpperner Waldkrankenhaus eine Tagespflege mit derzeit 18 Klienten, meist aus Friedrichsdorf und dem Usinger Land, betreibt, nennt die Entwicklung der noch jungen Oberurseler Dependance „absolut positiv“. Man werde damit dem steigenden Bedarf an Tagespflegeplätzen gerecht. Noch sei die Kapazität - 20 Klienten pro Tag - in Oberursel nicht erschöpft, er rechne damit, dass das bis zum Herbst der Fall sein wird.

Aufgabe der Tagespflege sei es, pflegenden Angehörigen an einigen Tagen der Woche in der Zeit von 9 bis 16.15 Uhr Entlastung zu bieten, den alten und kranken Menschen zugleich aber auch Stabilität sowie eine Tagesstruktur zu geben, durch die der geistige Zerfall im Idealfall verzögert werden kann. Fördern durch Fordern, so die Devise. Wichtig sei, „dass unsere Klienten in Bewegung bleiben, vor allem geistig, aber auch körperlich“, sagt Jung-Seibel.

Leider sei die Möglichkeit, dass kranke Menschen mit einem Rest an Mobilität tageweise betreut werden können, noch zu wenig bekannt, bedauert Cornelia Ott. Sie verweist auf einen Tag der offenen Tür am Samstag, 25. Mai, 14 bis 17 Uhr, in der Station Obere Zeil.

Cornelia Ott freut sich über den guten Besuch der Angehörigennachmittage an jedem dritten Mittwoch im Monat, „ acht bis zehn sind wir immer“. Sie dienen der Information der Angehörigen über die Krankheit, aber auch dem Erfahrungsaustausch. Zu wissen, dass andere Angehörige mit denselben Problemen zu kämpfen habe, bedeute für viele Erleichterung. Die Belastung sei für viele Angehörige groß und reiche oft an Burn-out heran. Umso wichtiger sei es für die Menschen zu wissen, dass sie nicht alleine sind.

Positiv entwickelt sich auch die Gedächtnissprechstunde dienstags bei einer Fachärztin. Teilnehmen können Menschen, die den Verdacht haben, dass entweder sie selbst oder aber Angehörige im Frühstadium einer Demenz sind. Die Kosten trägt die Krankenkasse. „Die nächsten Wochen sind wir bereits ausgebucht“, sagt Ott.

Die Tagespflege sieht sich als Stufenpflege zwischen ambulanter und vollstationärer Behandlung. Bisweilen müssten die alten Menschen, wenn sie den letzten Rest ihrer Mobilität verloren haben, dann doch noch ins Heim. Man bemühe sich aber, diesen Zeitpunkt möglichst lange hinauszuzögern, um den Klienten die Möglichkeit zu geben, solange es geht im Kreis der Familie zu bleiben, sagt Karl Georg Jung-Seibel. Häufig gelinge das.

(Alexander Schneider)
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