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Bitte keine Fotos mit Roland Koch

Wenn zwei erfolgreiche Kabarettisten gemeinsame Sache machen, dann wird‘s meist doppelt lustig. Wenn die beiden Olaf Mill und Gerd Knebel heißen und sich die "netten Rabenväter" schimpfen, wird‘s überdies noch skurril, schrill und ein bisschen laut.
Während Olaf Mill beim Auftritt diverse musikalische Akzente setzt, . . . Während Olaf Mill beim Auftritt diverse musikalische Akzente setzt, . . .
Bad Homburg. 

Sobald Olaf Mill und Gerd Knebel auf die Bühne in der Englischen Kirche treten, tun sie das, was sie am besten können: mit spitzer und erprobt sarkastischer Zunge die Gesellschaft aufs Korn nehmen und belustigt den Zeigefinger erheben. Seit eineinhalb Jahren ziehen sie mit ihrem Programm "Nette Rabenväter" durch Hessen und begeistern mit ihren Mundartliedern das Publikum.

Dabei ist die Rollenverteilung klar: Gerd Knebel ist der Geschichtenerzähler, der die Pointen setzt und die Leute zum Lachen bringt. Mill dagegen muss nicht nur einmal als sympathischer Tollpatsch in die Bresche springen, setzt dafür aber auch gekonnt musikalische Akzente. Zum Einsatz kommen Gitarren, Mandoline, Ukulele, Violine, Trompete und Mundharmonika.

Was die beiden in ihren Liedern erzählen, reicht von Protestsongs über die Wahl des richtigen Studienfachs bis hin zum 11. September. Sie sind bisweilen schräg und schrill, bedienen sich das ein oder andere Mal auch bereits bekannter Klischees. Da besucht beispielsweise ein Maler eine Fete von Anwälten, Architekten und Ärzten und stellt danach betroffen fest, dass er wohl einfach nur zu primitiv ist. Statt hochtrabende Konversation zu führen, liest er auf dem Klo gern Motorsport, liebt seine Jogginghose und seine Porno-DVDs. Er ist davon überzeugt, dass ihm nicht einmal ein Volkhochschulkurs noch etwas Kultur näherbringen wird.

Beherzt greifen die Liedermacher in die Saiten, zupfen, klopfen, beackern mit einem Bügel die Violinensaiten und haben Spaß dabei. Vor schwarzem Humor schrecken sie genauso wenig zurück wie davor, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Mit dem Lied über einen Kumpel, der zwar eigentlich ganz nett ist, aber an einem "Scheiß-Tag" – dem 11. September – Geburtstag hat, greifen die beiden beherzt unter die Gürtellinie und lästern: "Warum konnten deine Eltern nicht im März pimpern, da war es doch noch schön warm. Aber nein, es musste ja Dezember sein."

Pointiert bespötteln sie die Verweichlichung der Männer durch die unfreiwillige Hormonzufuhr aus der industriellen Fleischproduktion. Und das Lied "Ü 40" fördert auf humorvolle Art die Unterschiede der Geschlechter zutage. "Männer wollen nur noch schmusen, Frauen tragen Tigerbusen", tragen die beiden Musiker vor und outen sich dann: "Ob das alles stimmt, weiß natürlich keine Sau, aber wenn nur die Hälfte stimmt, wär‘ ich ne Frau."

Ex-Landesvater Roland Koch bekommt auch noch sein Fett weg. Denn wer sich mit dem fotografieren lässt, ist den beiden Kabarettisten nicht geheuer, auch wenn es sich um den Dalai-Lama höchstpersönlich handeln würde. Und so halten sie singend fest: "Ein Mann, der sich mit Roland Koch knipsen lässt, ist nicht religiös. Ein Mann, der sich mit Roland Koch knipsen lässt, macht uns nur nervös." Insgesamt enthält das Programm der "netten Rabenväter" ein bisschen "Badesalz", ein bisschen "Flatsch" und ein bisschen "Eisberg-Duo" und "Türzueszieht". Es ist eine gelungene Mixtur aus Komik und Gags, die der Zuschauer mit viel Applaus belohnt.

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