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Boden ist nicht vermehrbar

Von Acker wird zu Bauland, Landwirte müssen Milch und Weizen zu Dumping-Preisen verkaufen, und ihre Landschaftspflege wird nicht anerkannt. Welche Zukunft hat die Landwirtschaft, und damit der Grund und Boden im Ballungsraum unter solchen Voraussetzungen?
Ulrich Krebs, Gregor Sommer, Susanne Odenweller, Mark Weinreich, Markus Koob und Jürgen Banzer (von links) diskutierten mit den Zuhörern über die Zukunft der Landwirtschaft. 	Foto: Mai Ulrich Krebs, Gregor Sommer, Susanne Odenweller, Mark Weinreich, Markus Koob und Jürgen Banzer (von links) diskutierten mit den Zuhörern über die Zukunft der Landwirtschaft. Foto: Mai
Wehrheim. 

Den Deutschen scheinen Auto, Haus und Urlaub wichtiger zu sein als gesunde Ernährung. In kaum einem anderen Land sind Lebensmittel so billig, und das macht der Landwirtschaft schwer zu schaffen. Hinzu kommt, dass der Bauer nicht verlässlich planen kann. Bekommt er in einem Jahr 40 Cent für den Liter Milch, sind es eineinhalb Jahre später vielleicht nur noch 22 Cent. Wenn ein Arbeitnehmer indes 2000 Euro verdient, kann er sich darauf verlassen, dass dieses Geld jeden Monat auf seinem Konto ist. Beim CDU-Diskussionsabend zum Thema „Zukunft der Landwirtschaft“ beklagte das Frank Hammen, Gesprächsleiter, Parlamentschef und Bauer mit Leib und Seele.

Die gleiche Meinung hatte Mark Weinmeister, Unions-Staatssekretär im hessischen Landwirtschaftsministerium, den seine Partei zum Gespräch eingeladen hatte. Hammen begrüßte zahlreiche Kollegen, und er war sichtlich froh, sich zudem vor prominenten Gästen - Landrat Ulrich Krebs, CDU-Kreisvorsitzender Jürgen Banzer, Bürgermeister Gregor Sommer sowie Bundestagskandidat Markus Koob - richtig Luft machen zu können.

Nicht nur Milch- und Getreidepreis bringen die Existenz in Gefahr, auch Eingriffe in die Fläche bereiten Sorgen, denn alles geht zulasten der Landwirtschaft. „Boden ist nicht vermehrbar“, sagte Weinmeister. Er möchte keine Zukunft, in der die Fruchtfolge mit Bauland ende, das sei der Tod der Landwirtschaft.

Sowohl der Druck auf den Wohnungsmarkt im Ballungsraum Rhein/Main als auch die Ausgleichsfläche für Bauland, die ebenfalls aus der Nutzung genommen werde, verringere deren Erwerbsgrundlage. „Außerdem pflegen die Landwirte die Landschaft zum Nulltarif“, beklagte Hammen. Früher habe die Pflegegemeinschaft jährlich 25 000 Euro für die Erhaltung von Wegerändern oder Hecken bekommen, heute seien es noch 5000 Euro, der Rest gehe in den Wegebau. Das Nutzungsrecht der Wirtschaftswege jedoch werde den Bauern durch Radler, Jogger, Reiter und Wanderer immer öfter streitig gemacht.

Zum Thema: Zahlen und Fakten zur Wehrheimer Landwirtschaft

In Wehrheim regnet es jährlich etwa 650 bis 750 Liter auf den Quadratmeter. Diese Information scheint in einer Zeit, da der Regen nicht aufhören will, besonders interessant.

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Der Landrat und auch der Staatssekretär betonten, dass ohne den Erhalt der Kulturlandschaft - an dem die Landwirte einen großen Anteil haben - Freizeit- und touristische Nutzung kaum möglich seien, weil als Folge die Fläche verbusche, Artenvielfalt und Charme verliere. „Äcker, Wiesen und Felder machen den Reiz der Taunuslandschaft aus“, sagte der Landrat, und Weinmeister fügte hinzu, dass der Rückgang der Arten schon seit dem Jahr 2000 zu beobachten sei.

Aufklärung sei ebenfalls eine wichtige Aufgabe der Bauern, damit nicht irgendwann niemand mehr weiß, dass Kühe nicht lila sind. Aufklärung ist daher ein wichtiges Stichwort für die Zukunft der Bauern, die sich ihre Nische suchen müssen, sagte Weinmeister.

Nischen sieht er in der Freizeit und Beherbergung ebenso wie in erneuerbaren Energien und vor allem der Direktvermarktung. In Zeiten der Verunsicherung durch immer neue Lebensmittelskandale setze der Verbraucher vermehrt auf Regionales, ob biologisch oder konventionell angebaut, spiele dabei kaum eine Rolle. „Wenn ich den Bauern kenne, weiß ich, was ich kaufe.“

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