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Die Kronberger Märchenhochzeit

Moritz Landgraf von Hessen ist gestorben. Am Montag wird er in der Burgkapelle, der Grabesstätte der Familie seit dem Zweiten Weltkrieg, beigesetzt. Die besondere Verbundenheit zur Burgstadt bewies Seine Königliche Hoheit schon zu Lebzeiten. Hier wurde er nämlich 1964 getraut.
Tatiana Prinzessin von Sayn-Wittgenstein-Berleburg und Prinz Moritz von Hessen gaben sich 1964 in Kronberg, das Ja-Wort (gr. Foto). Halb Kronberg war auf den Beinen, um sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen (kl. Foto).	Fotos: Sammlung Helmut Girold Bilder > Tatiana Prinzessin von Sayn-Wittgenstein-Berleburg und Prinz Moritz von Hessen gaben sich 1964 in Kronberg, das Ja-Wort (gr. Foto). Halb Kronberg war auf den Beinen, um sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen (kl. Foto). Fotos: Sammlung Helmut Girold
Kronberg. 

„Prinz und Prinzessin sind schon ein Paar“, titelte die Taunus Zeitung am 2. Juni 1964. Das war am Tag, nachdem sich der damals 37 Jahre alte Prinz Moritz von Hessen, Sohn des Landgrafen Philipp von Hessen, und Prinzessin Tatiana zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg das Ja-Wort vor dem Standesbeamten des Kronberger Rathauses - der damalige Bürgermeister Dr. Günther Jacobi - gegeben hatten. Als Trauzeugen fungierten Prinz Heinrich von Hessen, „ein in Rom lebender Bruder des Bräutigams“, sowie Prinz Robin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, „ein Bruder der Braut“, hieß es damals in der TZ.

Prinz Moritz („er hielt das rotgebundene Familienstammbuch in den Händen“) war zur standesamtlichen Trauung im „dunklen Anzug mit weiß gepunkteter Krawatte“ erschienen, Prinzessin Tatiana im „vornehm-schlichten, bunt gepunkteten Jackenkleid“.

Das freilich tauschte die damals 23 Jahre alte Prinzessin zur kirchlichen Hochzeit, die der Kronberger Pfarrer Grabowski am 3. Juni 1964 vornahm, gegen die ganz große Robe: ein langes, weißes Satinkleid. Die lange Schleppe aus altem hessischen Familienbesitz musste von zwei schwedischen Prinzessinnen - Madeleine und Marie von Otrante - getragen werden. Der Schleier wurde durch ein kostbares Diamanten-Diadem gehalten.

Um all diese Informationen und mehr über den Verlauf von Zeremonie und Festlichkeiten ausfindig zu machen, hat die Leiterin des Fachreferats Kultur & Stadtgeschichte, Susanna Kauffels, ordentlich tief im Stadtarchiv in der Hainstraße graben müssen. Zum Glück versteht Kauffels ihren Job, sie fand nämlich nicht nur eine historische TZ, sondern auch eine fantastische Zeitungsseite des Kronberger Anzeigers vom 5. Juni 1964, der auf beinahe einer ganzen Seite über das gesellschaftliche Großereignis in Kronberg berichtete.

„Zwei schwedische Prinzessinnen trugen die Schleppe - Hoheiten aus sieben europäischen Fürstenhäusern bei der Vermählung des Prinzen Moritz“, stand in dicken Lettern über dem Artikel. Demnach säumten etwa zweieinhalbtausend Menschen den Vorplatz der St.-Johanniskirche, die Friedrich-Ebert-, und die Hainstraße. Das schätzte seinerzeit zumindest „Polizeihauptmeister Bayer“, denn er wird so zitiert: „Damit haben wir nicht gerechnet.“

 

Schaulustige allenthalben

 

Was heutzutage gang und gäbe ist - man denke daran, dass bei der Hochzeit von Prinz William und Catherine, bei der von Prinz Felipe und Letitia, bei Prinzessin Victoria und Daniel bereits Tage vor den Feierlichkeiten Begeisterte die Straßen bevölkerten, viele übernachteten sogar vor Ort, um einen Platz in der ersten Reihe zu bekommen - war 1964 noch ungewöhnlich. „Schon zwei Stunden bevor das Hochzeitspaar mit einem schwarzen Rolls-Royce vorfuhr, sicherten sich die ersten Schaulustigen bereits die besten Plätze“, heißt es im damaligen Anzeigenblatt für Kronberg, Schönberg und Umgebung.

Das Blatt tat seiner Chronistenpflicht übrigens mehr als Genüge. In bester „Bunte“-Manier, also nach Art eines Gesellschafts-Magazins, nahm es sogar die Garderobe des Adels unter die Lupe: „Die Damen meist mit breitrandigen, kunstvollen Tüllhüten, die Herren im seriösen Cutaway.“ Allerdings registrierte die Zeitung durchaus, dass eine Kluft zwischen Ottonormalverbraucher und einer Familie, die ihren Stammbaum bis ins Mittelalter zurückverfolgen kann, herrscht: „Ein leichtes Kopfnicken mit gesenkten Augen oder ein steifes Ignorieren der Menge war die Reaktion.“

Anders muss es allerdings gewesen sein, als die damalige holländische Kronprinzessin Beatrix - später Königin und heute, hm, Königin a.D. - und ihre Schwester Margriet aus einer der fast 60 schweren Mercedes-Limousinen stieg: „Beatrix, wohl eine der ranghöchsten Damen der Gesellschaft, trug eine hellblaue Spitze und auf dem blonden Haarschopf ein schwarzes Federgesteck.“

 

Hoher und niederer Adel

 

Beatrix mag eine der ranghöchsten Gäste gewesen sein, aber auch sonst war die Gästeschar illuster: Prinzessin Maria Gabriella von Savoyen („fiel durch ihr ganz in Rot gehaltenes Festkleid auf“), Maria Pia von Jugoslawien („helles Gelb und dunkles Hutgebilde“), Exkönigin Giovanna von Bulgarien („in glitzerndem Violett“), Prinz und Prinzessin Franz zu Sayn-Wittgenstein, Italiens Kronprinz Victor Emanuel, Prinz Louis Ferdinand und Prinzessin Kyra von Preußen, Prinz Michael of Kent, Prinz Charles von Luxemburg, Earl Mountbatton of Burma - und so weiter, „bis hin zum niederen Adel“.

Erst nachdem alle in der evangelischen St.-Johanniskirche Platz genommen hatten („rechts die Hessen, links die Wittgensteiner“), wurde die Braut von Erbprinz Richard zu Sayn-Wittgenstein zum Traualtar geführt. Das war denn aber auch der Moment, in dem die Kirchentüren geschlossen wurden, und zwar um Punkt 12.30 Uhr. „Breitbeinig bewacht von zwei Berleburger Forstbeamten. Vergebens versuchten einige Fürsten-Fans, durch eine der Hintertüren ins Innere der Kirche zu gelangen“, hieß es in der Zeitung von damals.

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