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Kliems Wochenschau: Einmal durchzählen!

Von Gut, dass da noch mal jemand nachgezählt hat. Denn eigentlich hatten wir ja gedacht, dass die akribische Erfassung der bundesdeutschen Einwohnermeldeämter über jeden Zweifel erhaben sein müsste - und dann so etwas: Allein Bad Homburg wurde durch die Korrekturstifte der unerbittlichen Zensus-2011-Erfasser um 1000 Einwohner erleichtert.

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Matthias Kliem
Bevor nun die berechtigte Frage gestellt wird, wo um Himmels Willen die vielen hundert Möchtegern-Kurstädter abgeblieben sind, sei gesagt: Auch wir wissen es nicht, vermuten aber einen Großteil in der näheren Umgebung. Denn immerhin hat der Hochtaunuskreis insgesamt rund 700 Einwohner mehr als angenommen.

Die landesweite Volkszählung mag für Statistik-Fans eine spannende Lektüre sein - für die meisten Bürger ist sie ein bürokratischer Akt mit stark eingeschränktem Unterhaltungswert. Ob der Zensus Auswirkungen für den Taunus hat, ob es beispielsweise für die Städte und Gemeinden mehr oder weniger Geld aus dem kommunalen Finanzausgleich gibt, lässt sich allenfalls vermuten. Viel interessanter sind deshalb die tatsächlichen beziehungsweise die klar absehbaren Bevölkerungsbewegungen.

Für Bad Homburg lässt sich denn auch prompt Entwarnung geben: Der statistische Verlust dürfte demnächst in Ober-Eschbach durch reales Wachstum kompensiert werden. Auf dem dortigen Du-Pont-Gelände soll neuer Wohnraum für 1000 Menschen entstehen. Die Kurstadt wird also mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht unter die neuralgische 50 000-Einwohner-Marke rutschen und muss demnach auch nicht um ihren wohl gehüteten Sonderstatus bangen, der bekanntlich einer der maßgeblichen Gründe für die noch immer immense Finanzkraft Bad Homburgs ist.

Allzu große Angst vorm Ausbluten muss man aber auch auf der anderen Seite der Saalburg nicht haben. Zumindest ist das Usinger Land ganz offenkundig wesentlich attraktiver, als es lange Zeit den Anschein hatte. Ob Usingen, Wehrheim oder Grävenwiesbach - in nahezu allen Hintertaunus-Kommunen gibt es eine kräftige Nachfrage nach Bauplätzen. Und weil die Kommunen in vielen Fällen selbst als Anbieter auftreten, spült das bei Preisen von bis zu 350 Euro pro Quadratmeter per Saldo Millionen in die chronisch leeren Kassen.

Es ist kein Geheimnis, dass der Wohnungsmangel und die astronomisch-hohen Preise in Frankfurt und dem Vordertaunus die Entwicklung begünstigen und somit dem Usinger Land bei allen Sorgen und Nöten, die es dort gibt, auch Perspektiven eröffnen.

Bislang waren die Chancen für die dortigen Kommunen in der politischen Diskussion ja immer untrennbar mit dem Ausbau der PPR-Kreuzung verknüpft. Doch inzwischen ist es still geworden um das Mega-Projekt. Klar, mit Bad Homburg ist der Tunnel als vermeintlicher Heilsbringer wohl nicht zu bauen. Und so muss sich das Augenmerk zwangsläufig stärker auf den Ausbau des Schienenverkehrs und der Datenautobahnen richten. Die Vehemenz, mit der die Taunus-Politik die PPR-Diskussion über viele Jahre führte, ist bei diesen beiden Zukunfts-Themen bisher allerdings nicht zu erkennen.

Vielleicht macht sich neuer Elan breit - jetzt, da die Alternative für Deutschland sich anschickt, im Hochtaunuskreis nicht nur Fuß zu fassen, sondern die Region auch gleich zu ihrer Hochburg zu machen. Man darf ein dickes Fragezeichen hinter dieses Ziel setzen - nicht nur, weil der Start am vergangenen Wochenende ausgesprochen holprig war und von lauten Misstönen begleitet wurde. Nein, vielen Bürger wird es schlicht so gehen wie der Homburger SPD-Chefin Elke Barth, die nicht so recht weiß, was sie von der Protestpartei halten soll.

Ein ernstzunehmender Faktor ist die AfD im Taunus bislang nicht, aber einen kleinen Erfolg kann sie für sich verbuchen: Sie hat eine leichte Unruhe bei den Etablierten ausgelöst. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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