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Mit „Martin Luther“ unterwegs

Das Gedenken an den Reformationstag am 31. Oktober ist von Halloween mancherorts fast verdrängt worden. Das will die evangelische Kirche Wehrheim ändern.
Wehrheim. 

Ja, ist denn schon Martinstag? Da wird sich so mancher Passant am Donnerstag gewundert haben, als eine ganze Schar Kinder, aber auch Erwachsene, bei Einbruch der Dunkelheit mit Fackeln durchs Dorf zogen.

Sie waren nicht verkleidet und forderten auch nicht „Süßes, sonst gibt’s Saures“, sondern waren in Begleitung eines Mannes in schwarzem Talar und mit schwarzem Doktorhut, wie man ihn im 16. Jahrhundert trug. Der Mann ist im richtigen Leben Pfarrer Hans Ulrich Jox, aber er war in die Rolle Dr. Martin Luthers, des Begründers der protestantischen Kirche, geschlüpft. Denn der 31. Oktober ist nicht nur der Abend vor dem katholischen Feiertag Allerheiligen, der aus den Vereinigten Staaten als Halloween herübergeschwappt ist. An diesem Tag feiern die Protestanten auch die Reformation: Luthers 95 Thesen zur Erneuerung der Kirche, die er an die Schlosskirche in Wittenberg schlug. „Und was wollte er damit bewirken?“, fragte Jugendreferentin Tabea Knabe beim Start an der evangelischen Kirche.

Nein, eine neue Kirche wollte Luther nicht gründen. Aber er wollte erreichen, dass der Papst die Gepflogenheit der Geistlichen unter die Lupe nimmt. Dass er den Ablasshandel, der damals blühte, unterbindet, denn es galt der Spruch: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegfeuer springt.“ Luther habe lange mit seinem Gott gehadert, aber letztlich hatte er in der Bibel eine gute Nachricht entdeckt: Menschen mit festem Glauben müssen nicht Geld bezahlen, um zu sühnen. „Jedem Christenmenschen, der von ganzem Herzen bereut, sind seine Sünden vergeben.“

Martin Luther konnte von dieser Zeit an frei von der Angst leben, vor Gott nicht zu bestehen und nicht gut genug zu sein. Das wollte er weitergeben, aber die Kirche war Neuerungen gegenüber nicht aufgeschlossen. So wurde er nach dem Thesen-Anschlag sogar mit dem Kirchenbann belegt. Er lebte lange Zeit als Junker Jörg versteckt auf der Wartburg und übersetzte die Bibel in die deutsche Sprache, damit sie auch das normale Volk verstehen konnte. Außerdem dichtete und komponierte er Lieder, und einige davon sangen die Fackelläufer auf dem Weg ins Gemeindehaus, wo leckere Kürbissuppe auf sie wartete.

(Gerrit Mai)
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