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Schlag auf Schlag: Sammler liefern sich heißes Duell

Das alteingesessene Buch- und Kunstantiquariat Reiss & Sohn in Königstein hatte wieder zur großen Herbstauktion geladen - und bot einem internationalen Publikum zahlreiche spannende Momente.
Auktionator und Seniorchef Godebert M. Reiss (re.) und Christian Mann haben das Bietergefecht im Blick.	Foto: jp Auktionator und Seniorchef Godebert M. Reiss (re.) und Christian Mann haben das Bietergefecht im Blick. Foto: jp
Königstein. 
Bilderstrecke Versteigerung bei Reiss und Sohn in Königstein
Hinter der Fassade dieses Gebäudes in Königstein befinden sich die Räumlichkeiten des Auktionshauses Reiss & Sohn, eine der führenden Adressen beim Versteigern von Büchern. Fotos: Jens PriedemuthUnscheinbares Firmenschild: Das Auktionshaus Reiss & Sohn in Königstein.Auktionshaus Reiss & Sohn

aufwendig produzierte Farbkataloge gehören zum Service für die Kunden aus aller Welt

Foto: Jens Priedemuth

Ein echter Krimi - gespannt sitzen die Besucher der Herbstauktion von Reiss & Sohn auf ihren Stühlen und verfolgen das Duell. 11 -, 12-,13 000, - wie bei einem Tennisturnier fliegen hier statt Bällen die Zahlen - mal von links, mal von rechts. Auf einmal heißt es 30-, 60-, 70 000 Euro.

Bietet der Herr am Telefon vorne links weiter oder schmeißt er das Handtuch? Nein, es geht weiter, er hat offensichtlich ein „OK“ von seinem Auftraggeber am anderen Ende der Leitung bekommen: 75 000! Der andere Herr in der zweiten Reihe presst ebenfalls den Hörer an sein Ohr. Ja, er nickt, wir sind bei 80 000. Der Hammer hängt in der Luft - wer erhält den Zuschlag? Dann ein letztes Duell und die Sammlung von Fotografien von Thomas Child „In and around Perking“ aus den Jahren 1875 bis 1880 hat den Besitzer gewechselt.

Seit über 40 Jahren wird im traditionsreichen Buch- und Kunst Antiquariat Reiss & Sohn in Königstein zur Herbstauktion geladen. Aber auch mit so viel Erfahrung können die Profis in der Adelheidstraße nicht alles voraussehen. Der Krimi um die Child-Fotografien kam auch für Clemens Reiss, der die Auktion leitete, überraschend: „Wir wussten, das wir da was ganz besonderes haben, aber das es so hoch geht, hätte ich nicht erwartet!“

Vier Tage lang kamen bei der diesjährigen Auktion wieder unzählige Bücher, Landkarten, Fotografien und Gemälde unter den Hammer. Die Kunden aus aller Welt geben entweder in den Tagen vor der Auktion schriftliche Angebote ab, sind per Telefon vertreten oder sitzen persönlich im Saal. Das Klientel kommt aus der ganzen Welt und so schwirren in den Pausen die verschiedensten Sprachen durch den Saal. Sogar in Sri Lanka oder Japan hat Reiss & Sohn Kunden, verrät Clemens Reiss.

 

Diskretes Nicken

 

Nachdem die Auktion an dem sonnigen Nachmittag wieder eine Weile ruhig vor sich hin plätschert, steigt auf einmal wieder die Temperatur im Saal: Es geht um eine Sammlung von prächtigen Aquarellen der süditalienischen Vulkane. Es wird diskret genickt, Karten in die Höhe gehalten. Und ruckzuck sind statt ein paar hundert Euro wieder die Tausender im Spiel. Ein abwesender Auftraggeber erhält den Zuschlag für 80 000 Euro.

Die beeindruckenden Bilder werden in einer europäischen Privatsammlung ihren neuen Platz finden. Nachdem sich die Aufregung wieder gelegt hat kommt die nächste Nummer - die für vergleichsweise bescheidene 75 Euro den Besitzer wechselt.

Als eigentlicher Höhepunkt der diesjährigen Herbstauktion waren frühe Fotografien der antiken Felsenstadt Petra im heutigen Jordanien angekündigt, die 1864 von einem Pionier der Fotografie, Louis Vignes, gemacht wurden. Mit einem Schätzpreis von 100 000 Euro waren sie das wertvollste Objekt der Auktion. Aber hier wurden die Erwartungen nicht erfüllt. Ein Angebot über 65 000 Euro lag Clemens Reiss vor -aber im Saal hielt sich das Interesse sehr in Grenzen. Wie Reiss später erklärte, wurden die Fotografien noch nicht verkauft - aber man stehe in Verhandlung mit dem Kunden, der das Angebot abgegeben habe. Auch ein Lehrbuch der Mechanik von Galileo Galilei fand noch keinen Käufer und kann von Liebhabern bei Reiss noch erstanden werden.

 

Welche Stationen ein Buch bei einer Auktion durchläuft zeigt unsere Fotostrecke im Internet
www.fnp.de/auktion

 

Zu Ende ging die Herbstauktion am Freitag dann mit der Versteigerung zahlreicher Gemälde. Das aufsehenerregendste hier war ein frühes Werk von Otto Modersohn, dem Ehemann der berühmten deutschen Malerin Paula Modersohn-Becker, eine der bedeutendsten Vertreterinnen des frühen Expressionismus. „Ich bin sehr gespannt, was das Ölgemälde „Ein stiller Winkel“ bringen wird“, verriet Clemens Reiss kurz vor der Auktion. Geschätzt war es auf 60 000 Euro, 90 000 Euro wurden am Schluss dafür bezahlt.

Insgesamt blickt der Inhaber von Reiss & Sohn zufrieden auf die Herbstauktion. „Das Marktumfeld ist zurzeit nicht ganz einfach, aber wir sind zufrieden“, betonte Clemens Reiss abschließend.

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