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Ausbildung für Schäferhunde: Schnapp dir den Bösewicht!

Von Eine gute Hundeausbildung ist fast ein Muss. Herr und Hund lernen sich besser kennen, das nervige „Der will nur spielen“ wird unnötig. Unsere Mitarbeiterin hat sich einen Erziehungskurs inklusive Prüfungen einmal genau angeschaut.
Verbrecher-Jagd: Schäferhund-Rüde Marley jagt während der Schutzhundeprüfung den Verbrecher-Darsteller Stefan Loll, Vorsitzender des Eschbacher Schäferhundevereins. Verbrecher-Jagd: Schäferhund-Rüde Marley jagt während der Schutzhundeprüfung den Verbrecher-Darsteller Stefan Loll, Vorsitzender des Eschbacher Schäferhundevereins.
Usingen. 

Am frühen Samstagmorgen schüttet es in Strömen. Es poltert und kracht, ein Gewitter zieht über den Hochtaunuskreis. Einfach das ideale Wetter, um kurz aufzustehen, die Fenster zu schließen und unverzüglich zurück in die kuscheligen Kissen zu kriechen, das reinste „Hundewetter“ eben! Es hilft aber nichts, ich will zum Erziehungskurs zum Hundeverein nach Eschbach.

 

Regen reinigt

 

Immerhin: Drei Vierbeiner sind dort bereits voll in ihrem Element. Die Witterung ist perfekt, perfekt um ihrem Lieblingssport zu frönen – der Fährtensuche. Trotz der frühen Morgenstunde überwinden sie ihren inneren Schweinehund mit der linken Pranke. Heute geht es schließlich um die Wurst.

Schäferhund-Rüde Marley nimmt zum ersten Mal an der Fährtenprüfung teil. Seit er drei Monate alt ist, trainiert er auf diesen Tag hin. Mit viel Geduld und zahlreichen Leckerli hat Herrchen Wilfried Sauer ihm beigebracht, wie man eine Spur verfolgt.

Als Hund erlebt er seine Umwelt zum größten Teil mit der Schnauze. Sein Geruchsinn ist dem der Zweibeiner meilenweit überlegen. Während der Mensch etwa fünf Millionen Geruchszellen hat, kann ein Dackel mit einem Pendant von 125 Millionen auftrumpfen. Der Schäferhund wiederum verfügt dank seiner langen Schnauze über 220 Millionen Geruchszellen.

Ununterbrochen strömt ein Dschungel vielseitiger Düfte auf Marleys Spürnase ein. Während der Fährtenprüfung aber muss er sie fast vollständig ausblenden, darf er sich auf lediglich drei Geruchsquellen fokussieren. So kommt es den naseweisen Prüflingen absolut gelegen, dass der morgendliche Regen einige ablenkende Geruchspfade weggewaschen hat.

 

Spurenleser

 

Nun läuft Herrchen Wilfried gut zwanzig Minuten vor Prüfungsbeginn in U-Formation einen etwa 300 Schritt langen Pfad. Dabei hinterlässt er Schuhabdrücke in einem Eschbacher Feld. Zudem platziert er zwei Gegenstände auf dem Parcours. Der aufgeregte Marley muss so lange im Auto ausharren – linsen ist ihm strengstens untersagt. Schließlich soll er sich später ausschließlich auf seinen guten Riecher verlassen.

Joshua Fritz (12) ist mächtig stolz auf seinen Vierbeiner Calou. Der weiße Schäferhund hat die Begleithunde-Prüfung bestanden. Bild-Zoom
Joshua Fritz (12) ist mächtig stolz auf seinen Vierbeiner Calou. Der weiße Schäferhund hat die Begleithunde-Prüfung bestanden.

Durch das von Herrchens Schritten eingedrückte Erdreich werden verwesende organische Bestandteile unter der Erdoberfläche freigelegt. Die kann der reinrassige Schäferhund Marley – der eigentlich vielmehr wie ein Löwen-Teddy-Mischling aussieht – erschnüffeln. Zudem verströmen sowohl Papa Wilfrieds Schuhabdrücke als auch die zwei Suchgegenstände einen altbekannten Wohlgeruch.

Es ist soweit. Schiedsrichter Günther Schwedes – er ist eigens aus dem Lahn-Dill-Kreis angereist – will Marleys Fähigkeiten examinieren. Der bullige, zweijährige Schäferhund zieht seine Aufgabe zielorientiert durch. Auch Hundekollegin Olivia hinterlässt bei Schwedes großen Eindruck. Gewissenhaft läuft sie die Strecke ab und verweist auf beide Suchobjekte.

Den vierjährigen Falk kann man damit nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Er und Frauchen Lea Wanzke haben die Einsteiger-Prüfung längst hinter sich und versuchen sich im IPO3-Test. Falks Fährte umfasst 600 Schritte und vier Winkel. Sie wurde bereits sechzig Minuten vor der Prüfung von einem Fremden gelegt.

Die zwölfjährige Besitzerin Lea hat den hellwachen Hund von ihrem verstorbenen Großvater übernommen. Seither trainiert sie ihn mit leidenschaftlicher Hingabe. „Die beiden sind einfach ein ganz tolles Gespann“, erklärt Sauer entzückt. „Sie haben das Zeug zur Jugendmeisterschaft.“ Auch Richter Schwedes lobt ihre Harmonie.

 

Keine „Rassisten“

 

Es geht zurück zum Clubhaus des Vereins für Deutsche Schäferhunde, nahe der Eschbacher Klippen. Hier warten an die acht weitere Hunde. Aber nanu? Das sind ja gar nicht nur Schäferhunde. „In unserem Verein gibt es selbstverständlich auch andere Hunderassen“, erklärt Uwe Gelsheimer scherzhaft. „Wir sind schließlich keine Rassisten.“

Trotzdem sei der Schäferhund ein herausragender Hund. Hundeliebhabern könne er die Rasse nur empfehlen. „Das Vorurteil, dass jeder Schäferhund Hüftprobleme habe, ist einfach falsch“, erklärt er.

Auch die anderen Hunderassen zeigen sich überaus agil. Während der Begleithunde-Prüfung geht es in erster Linie um Zuverlässigkeit, Gehorsam und Leinenführigkeit. Die Alltagstauglichkeit ist eine Grundlage für das harmonische Miteinander von Mensch und Tier.

Im ersten Teil der Prüfung müssen die Hunde auf einem eingefriedeten Grundstück unter Beweis stellen, dass sie sich vom Hundehalter problemlos durch verschiedene Situationen und Aufgaben führen lassen. Im zweiten Teil wird das Verhalten im öffentlichen Raum und im Straßenverkehr geprüft. Die meisten bestehen die Prüfung.

Dem treuäugigen Charakterhund Rea aber bleibt die Ehre versagt. Zwar folgt er seinem Frauchen aufs Wort. Doch fortwährend schleicht die eigentlich so sportlich aussehende, wunderschöne Hündin zwei Schritte hinter ihrem Frauchen her. Rea müsste man wohl auch zum Jagen tragen. Für viele Herrchen wäre die ruhige Hundedame das absolute Traum-Haustier, doch bei der Prüfung gelten andere Regeln. Wie ein begossener Pudel nimmt Rea ihre Niederlage hin.

 

Nicht alle bestehen

 

In der zweiten Abteilung der „Unterordnung“ sollen die drei Schäferhunde insgesamt elf verschiedene Gehorsams- und Geschicklichkeitsübungen zeigen. So müssen sie etwa den Knall eines Schusses tolerieren und Holzpflöcke über meterhohe Hürden apportieren. Auch in dieser Disziplin haben Falk und Lea ihren Mitstreitern einiges voraus.

Weil er im Gegensatz zu Marley und Olivia, die die IPO-1-Auszeichnung anstreben, die IPO-3-Prüfung absolviert, hat Falk nicht nur schwerer zu schleppen, er muss auch aus der Bewegung in die Sitzposition fallen. Doch er meistert die Aufgabe erstklassig.

Die Schutzhundeprüfung ist eine besondere Herausforderung. Hier muss der Hund sich dem Herrchen komplett unterordnen – auch in brenzligen Situationen. Die Vierbeiner müssen das Revier absuchen, dann einen vermeintlichen Einbrecher „verbellen“, um ihn später an der Flucht zu hindern. Auch wenn dieser sich mit einem Stock dagegen wehrt (ohne richtig zuzuschlagen), darf der Hund den Biss in den behandschuhten Arm nicht lösen.

 

Ausbildungsverbote

 

Einige kampfeslustige Hunderassen, wie die Bulldogge, dürfen diese Ausbildung nicht absolvieren. Schließlich will man keine schlafenden Hunde wecken und ein potenziell-aggressives Verhalten aus den Vierbeinern herauskitzeln. Doch bei der Schutzhundprüfung wird Marley und Olivia, die in der Unterordnung so gute Leistungen erzielt haben, ein Mangel an Bissbereitschaft zum Verhängnis. Beim nächsten Mal klappt’s bestimmt.

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