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Verkehrssicherheit: Sie blitzen, wo sich Unfälle häufen

Von „Wer länger schläft, muss schneller fahren“, hat ein Polizeibeamter im Dienst gelernt. Weil solcher Usus indes im Sinne der Verkehrssicherheit untragbar ist, stehen die Ordnungshüter immer wieder mit ihren Messgeräten am Straßenrand.
Fest installierte Blitzer wie dieser an der L 3041 bei Obernhain gibt es nicht sehr viele im Usinger Land. Polizei und Ordnungsamt setzen auf mobile Geschwindigkeitsmessungen. Foto: Dorit Lohrmann Fest installierte Blitzer wie dieser an der L 3041 bei Obernhain gibt es nicht sehr viele im Usinger Land. Polizei und Ordnungsamt setzen auf mobile Geschwindigkeitsmessungen.
Usinger Land. 

In einem Punkt sind sich viele Autofahrer einig: Die Kommunen brauchen Geld, und nur deshalb stellen sie sogenannte Blitzer auf, denn damit lasse sich den Bürgern besonders leicht Geld aus der Tasche leiern. Zumindest hört man diese Behauptung immer mal wieder von unterschiedlichen Leuten.

Weit gefehlt, heißt es indes beim Ordnungsamt. Hans-Jörg Bleher, der sich in Usingen und Neu-Anspach unter anderem um die Ordnung im Straßenverkehr kümmert, erklärt auf Anfrage: „Wir messen ausschließlich an Unfallschwerpunkten.“ Das sei eine gesetzliche Vorgabe, und die werde auch entgegen aller Unkenrufe eingehalten.

Richtige Raser sind selten

Festinstallierte Blitzer gibt es in Usingen keine. Auch in den Nachbarkommunen setzt man neuerdings weniger auf stationäre Messgeräte. Stattdessen lauert mitunter eine mobile Radarfalle auf unverbesserliche Raser.

Doch gar so viele dieser Spezies gibt es anscheinend gar nicht. Laut Bleher beläuft sich die Zahl der in die Radarfalle getappten „Sünder“ auf rund 3,5 Prozent der erfassten Fahrzeuge. Richtige Raser seien selten darunter, betont der Ordnungshüter. „Die meisten fahren gerademal sechs bis zehn Stundenkilometer schneller als erlaubt.“

Hans-Jörg Bleher nutzt das Gespräch mit der Taunus Zeitung, um mit einer anscheinend verbreiteten Fehleinschätzung aufzuräumen. „Die Geschwindigkeit eines vorbeifahrenden Fahrzeugs wird nicht beim Blitzen erfasst, wie manche Leute glauben“, erklärt er. Der Blitz werde erst ausgelöst, sobald die Infrarot-Messung eine Geschwindigkeitsübertretung registriert hat. „Der Blitz dient dann dazu, klare Sicht auf den Autofahrer durch die Windschutzscheibe herzustellen.“

Und wie oft messen die Ordnungshüter die Geschwindigkeit des innerstädtischen Verkehrs? „Das hat sich in den vergangenen Jahren kaum geändert“, sagt Bleher. „Wir messen an ungefähr 70 Tagen im Jahr.“ Er macht aber zugleich darauf aufmerksam, dass nicht nur das Ordnungsamt jene Geschwindigkeitsmessgeräte aufstelle, die der Volksmund als „Blitzer“ bezeichnet.

Dies bestätigt Romuald Koza, Stellvertreter von Oliver Link, auf Anfrage. Die beiden Polizeibeamten vom Regionalen Verkehrsdienst (RVD) widmen rund 80 Prozent ihrer Arbeitszeit speziell den Geschwindigkeitskontrollen im Verkehr – und das im gesamten Hochtaunuskreis.

„So etwa drei mal die Woche sind wir unterwegs mit unserer Geschwindigkeitsmessanlage“, sagt Koza. Dazu kommen noch spezielle Aktionstage. Geschwindigkeitsmessanlage: ein wahrlich langer Begriff im behördlichen Sprachgebrauch für das, was der Volksmund Blitzer oder Radarfalle nennt.

26 Fahrverbote

Natürlich gibt es verschiedene technische Ausführungen dieser Messanlagen. Und einige sind bemannt, so dass Verkehrssünder gleich vor Ort belehrt werden. Andere zählen automatisch, betroffene Fahrer werden lediglich per Post von ihrer drohenden Strafe unterrichtet.

Aber auch hier gilt: „Wir messen nur an Unfallhäufungsstellen“, betont Romuald Koza. Die Wahl solcher Punkte könne sich durchaus wiederholen, sobald sich Autofahrer an einen blitzerfreien Zeitraum gewöhnt hätten und wieder vermehrt aufs Gas drückten. Dazu gehörten einige Abschnitte der Bundesstraßen 275 und 456 sowie die Landesstraße 3063. „Das sind typische Pendlerstrecken vom Landkreis Limburg-Weilburg in den Süden“, schildert der Polizeibeamte. „Man glaubt nicht, was da am frühen Morgen schon los ist.“

50 476 Fahrzeuge haben die beiden RVD-Beamten im vergangenen Jahr gemessen. Allerdings im ganzen Kreisgebiet. Dabei gingen ihnen 3265 Geschwindigkeitsverstöße ins Netz, also knapp 6,5 Prozent. Die meisten darunter, 2815 Fahrer, erhielten lediglich Verwarnungen, 424 mussten einen Bußgeldbescheid in Kauf nehmen – je nachdem, ob sie weniger oder mehr als 20 Stundenkilometer zu schnell gefahren waren. Fahrverbote gab es für 26 Raser, die die erlaubte Geschwindigkeit um mindestens 31 Stundenkilometer überschritten haben.

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