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Deutscher Teckelklub suchte Bundessieger: Immer der Nase nach

Von Nur drei schafften es bis ins Ziel: Trotz trainierter Nasen machte den Vierbeinern der Regen das Leben schwer.
Renate Lotz macht während des Blasens zur Jagd ein Foto von einem Dackel mit aufgerissenem Maul. Der gähnt nicht etwa, sondern singt zu den Klängen der Jagdhörner.	Fotos: Spillner Bilder > Renate Lotz macht während des Blasens zur Jagd ein Foto von einem Dackel mit aufgerissenem Maul. Der gähnt nicht etwa, sondern singt zu den Klängen der Jagdhörner. Fotos: Spillner
Köppern. 

Alexander Martini ist mit seiner Dackeldame Andra vom Strootbachtal den weiten Weg aus dem sächsischen Meißen nach Köppern gekommen. Andra ist etwas Besonderes: Sie gehört jetzt schon zu den deutschen Hundedamen mit den feinsten Näschen. Immerhin hat sie einen der Landesvorentscheide in der Fährtensuche gewonnen und wurde von ihrem Verband für die Bundessiegersuche nominiert. Jetzt geht es darum: Wer wird deutscher Meister im Spur erschnuppern – schnüffeln sagen die Teckel-Fachleute nicht so gerne. Das klingt in ihren Ohren ein wenig negativ, nach Herumschnüffeln.

Seit März hat Andras Herrchen Alexander Martini, ein Mediengestalter, jede zweite Woche mit ihr geübt. „Das ist mein Ausgleich. Der Hund will ja was machen und nicht nur den ganzen Tag unterm Schreibtisch liegen“, sagt der 45-Jährige. 1998 hatte er sich in seinen ersten Dackel verliebt, trat in den Teckelclub ein – den ältesten und größten Jagdhundeverband in Deutschland – und machte den Jagdschein. Das gehört für etwa die Hälfte der mehr als 20 000 Mitglieder dazu. Jetzt stehen Andra und Martini mit 14 anderen vierbeinigen Teilnehmern und ihren Besitzern am Hundeübungsplatz in Köppern, und Prüfungsleiterin Katrin Maar aus Friedberg-Ockstadt gibt noch ein paar Instruktionen. Die Jagdhornbläser setzen die Instrumente an die Lippen und blasen die Teckelfanfare und den Aufbruch zur Jagd. Die Hunde stimmen jaulend und heulend zum Konzert ein, auch Andra. Sie ist an diesem Morgen der erste Prüfling.

Diese Hunde kamen aufs Treppchen

Nur drei der 15 Hunde sind überhaupt ans Ziel gekommen. Und die Siegerin, Danuta Freuck aus Berlin mit Alma von Grandels Hof, hat einen regelrechten Nervenkrieg erlebt.

clearing

Fährte aufnehmen

Mit den Autos geht es hinaus in den Wald. Heinz Sill ist der Fährtenkundige. Als ehemaliger Förster von Rosbach kennt er sich nicht nur bestens aus, er war auch dabei, als für Andra die Fährte gelegt wurde. Jeder Prüfling erhält eine eigenen Fährte. Ein viertel Liter Schweiß, sprich Blut von einem Rotwild, wurde auf einer Strecke von einem Kilometer verteilt: am Ende eines Stockes hängt ein Schwämmchen, das wird in den Schweiß getunkt, und damit tupft man die Spur. Drei Wundbetten wurden gelegt, Stellen mit Haaren vom Wild, und ganz am Ende liegt ein Tierfell. Die Situation gleicht der Spur, die ein angeschossenes Tier bei seiner Flucht hinterlassen würde. Kommt Andra am Fell an, dann hat sie es geschafft. Doch während Andra während der Jagd unmittelbar nach dem Schuss dem Wild nachspüren würde, herrschen bei der Suche nach der besten Nase erschwerte Bedingungen: 48 Stunden ist die „Tupfung“ her. Mittlerweile sind Wind und starke Regengüsse über die Spur gefegt, Wildschweine, Rehe, Füchse und Pilzsucher sind über die Fährte getrampelt. Da soll man noch etwas finden?

„Das ist sauschwer!“

Alexander Martini wechselt die Gassi- gegen die Schweißleine aus. Die muss mindestens sechs Meter lang sein. Andra streckt die Nase in die Luft, Martini gibt das erste Kommando: „Such Verwund.“ Andra schnuppert los. Martini hinterher. Mit einigen Metern Abstand folgen die drei Wertungsrichter Hubertus Brandenburg aus Kirn, Richard Wörner aus Rosbach, Gita Papendorf aus Braunlage sowie Heinz Sill. Sie beobachten das Verhalten des Hundes und rufen ihn zurück, wenn er mehr als 70 Meter von der Fährte abkommt. Heute muss es besonders lecker riechen im Wald. Dass Andra etwas in der Nase hat, ist ihr deutlich anzumerken. Aber ist es die richtige Fährte? „Das sind immer diese Verleitungen“, verweist Brandenburg auf Gerüche, die ablenken. Und er betont „Das ist sauschwer!“. Eine halbe Stunde lang wurstelt Andra sich so durch. Die Nase immer am Boden, über Laub und Äste, durch Gestrüpp und Gebüsch, vorbei an Fliegenpilzen und Baumstümpfen. Ein Wildbett umläuft sie, das zweite schneidet sie. Macht nichts, das darf man. Aber die Entdeckung der Wildbetten fehlen Andra nun als Bestätigung ihrer Arbeit. Bei der realen Jagd hätte sich das verletzte Wild an diesen Stellen kurz niedergelegt, um einen Augenblick später weiter zu flüchten, und Andra wüsste, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Dann kommt der erste Abruf. Die Richter zücken ihre Merkheftchen und Stifte und notieren alles genau. Und obwohl Martini Andra mit einem scharfen „Zurück zur Fährte“ ermahnt, kommt sie vom Weg ab. Es folgt der dritte Abbruch. Damit ist die Prüfung zu Ende. Andra ist nicht durchgekommen, Martini ist enttäuscht. Aber seine Enttäuschung relativiert sich, als er abends das Gesamtergebnis hört.

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