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In Mathe war er nicht so gut: Kronbergs erster Pfarrer hat mal eben den Weltuntergang vorhergesagt

Von Michael Stifel (um 1487 bis 1567) war Kronbergs erster evangelischer Pfarrer. Allerdings blieb er 1522 nur vier Monate. Er war überzeugt davon, dass am 18. Oktober 1533 die Welt untergehen würde. Da hatte er sich verrechnet. Dennoch gilt er als einer der wichtigsten Mathematiker seiner Zeit, und viele Schüler kennen noch heute seine Regeln.
Michael Stifel Bilder > Michael Stifel
Kronberg. 

Am 18. Oktober geht die Welt unter. Und zwar morgens zwischen 8 und 9 Uhr. Eine solche Prognose würde vermutlich auch heute einige Menschen in Panik versetzen. Die Kommentare in den sozialen Netzwerken, die Aufgeregtheit und die daraus entstehenden Geschäftsideen möchte man sich nur ungern vorstellen.

Michael Stifel war von dem Datum überzeugt, die Apokalypse dürfte für ihn vor allem wegen ihrer reinigenden Funktion attraktiv gewesen sein. Er hatte sie für das Jahr 1533 vorhergesagt. In einer Zeit also, in der Deutschland von den Auswirkungen der Reformation geschüttelt wurde. Und in einer Zeit, in der die Vorhersage von Weltuntergängen häufiger vorkam.

Stifel war 1511 in seiner Geburtsstadt Eßlingen Augustinermönch geworden. Auch dorthin drang die Reformation vor. Stifel war nicht nur Anhänger der Bewegung, sondern auch persönlicher Freund Luthers.

Das war nicht ungefährlich, und so musste er sich für reformatorische Vergehen verantworten. So wurde ihm vorgeworfen, die Beichte abgenommen zu haben, ohne den „Sündenzoll“ erhoben zu haben. Und er galt als Autor eines Liedes, das Sympathie für die Reformation zum Ausdruck brachte. Daher musste er im Mai 1522 aus Eßlingen fliehen.

Bei der Flucht traf er auf Alexander Märklin, einen Bekannten von Franz von Sickingen. Dieser wiederum setzte sich dafür ein, dass Hartmuth von Cronberg Stifel aufnahm. Das war – genau lässt es sich nicht sagen – Ende Mai oder Anfang Juni 1522. Als im selben Jahr der Feldzug Sickingens gegen Kurtrier scheiterte, wurde Kronberg belagert und Hartmuth musste fliehen. Auch Stifel zog es vor, das Weite zu suchen: Er ging im Oktober 1522 zu Luther nach Wittenberg.

Bekannte Ablasspredigt

In den etwa viereinhalb Monaten, die Stifel in Kronberg als erster evangelischer Pfarrer tätig war, verfasste er eine Ablasspredigt, die sich in einem Gleichnis mit dem Zustand der (katholischen) Kirche befasst und bereits den später errechneten Weltuntergang propagiert. In der Kronberger Zeit verzichtet er aber noch auf eine genaue Zeitangabe für das Erscheinen Christi.

Für seine Prognose bediente sich Stifel der „Wortrechnung“, bei der er jedem Buchstaben eine bestimmte Zahl zuordnete. Die Bibel rechnete er so in Zahlen um, woraus sich dann das Datum für den jüngsten Tag der Menschheit ergab. Luther lehnte die Vorhersage übrigens ab.

„Am 18. Oktober 1533 zwischen 8 und 9 Uhr vormittags erwartete er das Ende der Welt und mit ihm wartete eine große Gemeinde in Lochau/Sachsen, in der Nähe von Wittenberg“, schreibt Wolfgang Meretz in seinem Aufsatz „Michael Stifel und der Beginn der Reformation in Kronberg 1522“ („Kronberg im Taunus. Beiträge zur Geschichte, Kultur und Kunst“, Helmut Bode, 1980).

Wie geht es nach dem Ausbleiben der Apokalypse im Leben Michael Stifels weiter: Kurze Zeit wird er in Wittenberg unter Hausarrest gestellt. 1535 erhält er eine Pfarrstelle in Holzdorf und schließt sein Manuskript „Arithmetica integra“ ab, das 1544 herausgegeben wird. 1541 beginnt er an der Universität Wittenberg das Studium der Mathematik. Nach der Promotion wird 1545 die „Deutsche Arithmetica“ veröffentlicht, 1558 wird er Professor der Mathematik an der Universität Jena.

Ihm verdankt die Nachwelt Regeln zur Bruchrechnung, wonach ein Bruch geteilt wird, indem man ihn mit seinem Kehrwert multipliziert, die Klammer und das Wurzelzeichen. In Europa war er der Erste, der die negativen Zahlen entdeckte.

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