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Blickachsen: Schöne Isabella zeigt sich jedem anders

Von Die Blickachsen-Biennale wird inzwischen in einem Atemzug mit den internationalen Skulpturenausstellungen genannt. In einer Sommerserie stellen wir die diesjährigen Künstler mit ihren im Taunus ausgestellten Werken vor. Wir beginnen mit Jaume Plensa, einem der bedeutendsten zeitgenössischen Bildhauer, und zwei Frauenköpfen, die Besucher in den Bann ziehen.
Bad Homburg,Blickachsen im Kurpark Foto: Jochen Reichwein Bad Homburg,Blickachsen im Kurpark
Bad Homburg. 

In Asien thronen Buddha-Figuren auf weithin sichtbaren Hügeln; mitunter werden auch Mönche durch überdimensionale Büsten geehrt. Diese Stätten, an die Pilger auch ganz nah herankommen, strahlen eine ganz besondere Ruhe aus; durch seine Größe meint man, der Dargestellte sei lebendig und schaue milde auf einen hinab. Ähnlich in den Bann ziehend wirkt „Isabella“, der viereinhalb Meter große Frauenkopf aus schwarzem Eisenguss.

Die 2015 von Jaume Plensa geschaffene Skulptur steht mitten auf der großen Wiese im Kurpark unterhalb der Wicker-Klinik. Sie ist stets umringt von vielen Besuchern, wurde bestimmt schon x-mal mit dem Handy fotografiert. Schon von Weitem scheint sie irgendwie dreidimensionaler zu sein als die Bäume, die sie umringen. Als ob sie auf einen zuschwebt und ihre Umgebung nur eine Postkarte sei.

Das Besondere an „Isabella“ ist die perspektivische Verzerrung, die sich ergibt, wenn man das Porträt der jungen Dame umrundet. Steht man direkt vor ihr, so ist sie wunderschön dank ihrer perfekten Züge. Wandert man um den Kopf herum, so wird er zu einer flachen Scheibe – die hübsche junge Frau ist nicht mehr zu sehen. Ungläubig fasst man an das etwa 70 Zentimeter lange Ohr, dessen Muschel sich anfühlt wie die eigene in riesig. Das Gesicht Isabellas wandert mit und verändert dabei ständig seinen Ausdruck.

„Isabella“ hat noch eine kleine Schwester – „Paula“. Der Mädchenkopf aus Bronze ist kleiner und steht im Kronberger Park Schloss Friedrichshof, dem einstigen Witwensitz
der Kaiserin Friedrich. Die Skulptur steht neben einer Vase auf einem Podest. So begegnet sie dem Betrachter auf Augenhöhe, wobei auch „Paula“ die Augen geschlossen hat.

Jaume Plensa fertigte mit dem Computer 3-D-Scans von seinen Modellen an und setzte diese in Material um. Der katalanische Künstler, geboren 1955 in Barcelona, ist seit den „Blickachsen 2“ in Bad Homburg regelmäßig bei der Freiluftschau dabei. Seine Skulpturen setzen sich mit dem menschlichen Körper als „Gefäß für die Seele“ auseinander.

Ein markantes Werk von ihm ist „Nosotros“, eine begehbare Büste, die aus lauter weißen Buchstaben besteht. Nachdem sie im Jahr 2009 auf dem Bad Homburger Schmuckplatz stand, war sie noch auf dem Frankfurter Westend-Campus zu sehen. 2011 leuchteten seine „Poets in Frankfurt“ in zarten Neonfarben. Bei „Isabella“ nun ließ er bewusst die Schweißnähte der fünf gusseisernen Teile, aus denen sich das Kunstwerk zusammensetzt, sichtbar – so wirkt das Ganze wie handwerklich entstanden. Somit verbindet er mit seiner Arbeit traditionelle Bildhauerkunst und digitale Realität.
 

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