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Von der Jurastudentin zur Tierheimleiterin: Tiere sind jetzt ihre Mandanten

Eigentlich könnte Nicole Vorlauf heute im Designerkostüm mit High-Heels im Anwaltsbüro sitzen, Rechtsfälle bearbeiten und eine Menge Geld verdienen. Stattdessen arbeitet sie in Gummistiefeln und Daunenjacke im Tierheim. Das ist wahre Tierliebe.
Nicole Vorlauf zeigt eines der Kaninchen, die ein Zuhause suchen. Sie ist Leiterin des Tierheims Hochtaunus in Oberursel. Sie hätte Rechtsanwältin werden können und lernte dann aber doch lieber den Beruf der Tierpflegerin. 	Fotos: elle Bilder > Nicole Vorlauf zeigt eines der Kaninchen, die ein Zuhause suchen. Sie ist Leiterin des Tierheims Hochtaunus in Oberursel. Sie hätte Rechtsanwältin werden können und lernte dann aber doch lieber den Beruf der Tierpflegerin. Fotos: elle
Oberursel. 

Es war während der Jurastudiums an der Frankfurter Goethe-Universität, als sich der Lebensweg von Nicole Vorlauf änderte. Sie hatte einen Nebenjob in einem Tierheim und war davon so angetan, dass sie ihr Studium aufgab. Vorlauf begann eine Ausbildung zur Tierpflegerin. Bis heute hat sie ihre Entscheidung nicht bereut, sagt sie. Seit sechs Jahren ist sie hauptamtliche Kraft im Tierheim Hochtaunus in Oberursel, leitet das Heim. Davor arbeitete sie 15 Jahre in einem Frankfurter Tierheim.

Jetzt sitzt sie in dem kleinen Büro links des Eingangs des Hauptgebäudes. An der Wand hängen neben Sinnsprüchen die Zahlen der abgegebenen Tiere der vergangenen vier Jahre: 399, 419, 440, 306. Daneben steht die Ermahnung: „Tiere sind kein Weihnachtsgeschenk.“ Eine Woche vor Weihnachten werden in Oberursel gar keine Tiere mehr vermittelt.

Woran liegt es, dass so viele Tiere ins Tierheim kommen? Oftmals seien die Besitzer überfordert, wenn sie sich beispielsweise Tiere aus dem Ausland anschafften oder die Tiere nicht so funktionierten, wie Frauchen und Herrchen es gerne hätten. Manchmal liege es auch daran, dass das Geld fehle, dass das Tier zu viel Zeit in Anspruch nehme, weiß Vorlauf aus Erfahrung. Manche geben ihre Tiere ab und begründen die Trennung mit einer eigenen Erkrankung oder Allergie oder dem eigenen Alter. Manchmal ist es die Erkrankung eines Tieres oder dessen Alter, das zur Trennung führt. Wie bei dem kleinen Hund, der nur noch auf drei Beinen läuft, aber ansonsten topfit ist. Oft steht auf den Schildern an den Käfig-Türen als Abgabe-Grund: „Kein Interesse mehr.“

Man könne noch von Glück reden, wenn die Tiere ins Tierheim gegeben werden, sagt Vorlauf. Noch viel schlimmer sei, wenn Tiere einfach ausgesetzt würden, wenn man sie irgendwo sitzen lasse, wenn sie im Karton vor der Tür stünden. Vor allem in den Ferien fliegen viele Tiere aus ihrem Zuhause, weil die Besitzer in Urlaub fahren. „Wir hatten es auch schon ein paar Mal, dass hier Hunde am Tor angebunden wurden“, sagt die Heimchefin.

Der Umgang der Menschen mit Tieren habe sich in den vergangenen Jahren leider nicht groß geändert. Wenigstens gebe es nicht mehr so viele Hofhunde.

Sie würde sich wünschen, dass die Menschen sich viel mehr Gedanken machen, bevor sie sich ein Tier zulegen, dass sie sich genau überlegen: Kann ich mir das Tier leisten? Habe ich genügend Zeit für das Tier? Bekommt es genügend Auslauf und Platz? Will ich mir über Jahre diese Verantwortung zumuten? Was mache ich, wenn ich in den Urlaub fahre? Und welches Tier würde zu mir, meinen Erwartungen und Möglichkeiten überhaupt passen? So könnte die Zahl an Tieren, die im Heim landen, schon deutlich verringert werden.

Für die Tiere ist es schlimm, abgegeben zu werden, sagt Vorlauf. Vor allem Tiere, die schon länger in einer Familie gelebt haben, leiden sehr, wenn sie abgegeben werden. Sie trauern und entwickeln manchmal auch Verhaltensstörungen. Trotz all dem Leid gehe sie aber nach der Arbeit mit einem guten Gefühl nach Hause, sagt sie. Im Gefühl, etwas Gutes getan zu haben.

Als Anwältin zu arbeiten, das kann sich die 43-Jährige heute nicht mehr vorstellen – da sie nicht mal auf hohen Schuhen laufen könne, wie sie lachend erzählt.

 

Das Tierheim Hochtaunus (www.tierheim-hochtaunus.de) ist unter der Telefonnummer (0 61 71) 2 30 97 zu erreichen.

 

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