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Ausstellung: Altersarmut kann jeden treffen

Von Eindrückliche Fotos, berührende Lebensgeschichten und viele Fakten – das bietet eine Wanderausstellung zu einer der brennendsten und doch oft tot geschwiegenen Fragen unserer Zeit.
Gespannt verfolgen die Anwesenden die geschilderten Einzelschicksale. Foto: Leo F. Postl Gespannt verfolgen die Anwesenden die geschilderten Einzelschicksale.
Kelsterbach. 

Es sind die konkreten Beispiele menschlicher „Alltagssituationen“, veranschaulicht durch lebensgroße Porträts und verknappt in kurzen Thesen, die in der Ausstellung „Altersarmut stoppen – Rente sichern“ für augenöffnende Momente sorgen: .„Heute jung – morgen arm?“, fragt eine junge Dame mit einem befristeten Arbeitsvertrag. „Sozialer Absturz durch Erwerbsunfähigkeit“ beschreibt ein Rentner, der mit 672 Euro Erwerbsminderungsrente auskommen muss. „Altersarmut ist weiblich“, meint eine Köchin, die ihren Beruf liebt, aber mit der Aussicht auf einen Frauenrente von 546 Euro auskommen soll.

Soziale Schande

Das Thema Altersarmut geistert immer mehr durch die Gesellschaft, doch kaum jemand vermag das Phänomen genau zu fassen. Dass die Altersarmut realer ist, als es nach „aussen“ erscheint, belegen die vielen Betroffenen. In der Öffentlichkeit zeigen sie sich kaum mit ihrem Schicksal. Denn besonders unter älteren Menschen gilt „Armut“ als soziale Schande. Doch sie kann schnell jeden treffen und wird von Sozialökonomen als eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft bezeichnet. Genau diesen Aspekt der Einzelschicksale älterer Mitmenschen, die bereits von Altersarmut betroffen sind, aber auch solchen, die unausweichlich in diesen Status geraten werden, will die Ausstellung „Altersarmut stoppen – Rente sichern“ ein „Gesicht“ geben.

Der Arbeitskreis Soziales der katholischen Kirche Kelsterbach hat deshalb die vom Referat Berufs- und Arbeitswelt im Bistum Mainz, von ver.di Hessen, vom DGB Südosthessen, und dem Fototeam Hessen e.V. initiierte Wanderausstellung zum Thema Altersarmut nach Kelsterbach geholt. Unter dem Thema „Altersarmut stoppen – Rente sichern“ wird die Ausstellung an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten in Kelsterbach zu sehen sein.

Die Wanderausstellung besteht aus 14 Aufstellern mit Fotos, die Menschen im Alter zwischen 20 und 77 Jahren in Lebensgröße und zudem mit ihren persönlichen Schicksalen zeigen, wurde am Montagabend an ihrer ersten Station, im Gründersaal des Atrium, eröffnet. Christine Breser für den Arbeitskreis Soziales, Pfarrer Franz-Josef Berbner (Katholische Kirchengemeinde und Kolpingfamilie), Bürgermeister Manfred Ockel (Stadt Kelsterbach), Georg Germann (DGB Ortsverband) wiesen in ihren Grußworten aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Problem hin. Ingrid Reidt, Betriebsseelsorgerin Südhessen, führte in die Details der Ausstellung ein.

„Mehr als nur Motive“

„Jeder, der hier in Lebensgröße gezeigten Mitmenschen unterschiedlichen Alters, könnte einer von uns sein“, betonte Ingrid Reidt, Betriebsseelsorgerin Südhessen in Diensten der Gewerkschaft ver.di. „Wir wollen Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft vorstellen“, so Reidt. Alle hätten sich ein anderes Schicksal ihrer finanziellen Situation im Alter gewünscht – die Umstände ermöglichten jedoch keine Alternative.

Pfarrer Franz-Josef Berbner wandte sich besonders an jene, die entsprechende Weichen für eine gesicherte soziale Zukunft stellen könnten. Er verwies auf ein sehr funktionierendes Netzwerk von sozial engagierten Organisationen in Kelsterbach, angefangen von den Kirchen über die Tafel bis hin zum Verein Kleeblatt. „Armut hat viele Gesichter“, verwies Pfarrer Berbner auf Menschen, die durch ein Schicksal mitten aus dem Leben gerissen wurden oder auch auf Geflüchtete, die Leib und Leben riskiert haben.

Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel meinte, dass man mit dieser Ausstellung ein Thema gewählt habe, das viele Menschen interessiere. Er verwies auf den demographischen Wandel, der in ländlichen Gebieten noch zu einer noch größeren Problematik führen wird als in einer Metropolregion, wie das Rhein-Main-Gebiet. „Es müssen parteiübergreifend Modelle installiert werden, die auch greifen“, verwies Ockel auf viele Beamte und Selbständige, die nicht in den Topf der Rentenkasse einzahlten.

Für Georg German vom DGB-Ortsverband gehört die größte Anerkennung jenen, die sich für die Ausstellung zur Verfügung stellten und ihr Schicksal offenbarten. Fotograf Peter Giefer vom Fototeam Hessen schilderte das Problem, Menschen zu finden, die sich mit ihrem Beispiel öffentlich zu ihrer Situation bekennen. „Wir haben bestimmt über 500 Menschen angesprochen, aber nur ganz wenige waren bereit, sich auch fotografieren zu lassen. “

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