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Im Einsatz für die Schwachen

Von Täglich füttert Judith Wagner hungrige Mäuler und Schnäbel, kümmert sich um Fundtiere, päppelt kleine Wildtiere wieder auf und vermittelt Tiere aus dem Tierschutz. Dafür braucht ihr Verein natürlich vor allem Geld.
Elf Taubenkindern aus Frankfurt schenkte Judith Wagner, Vorsitzende des Tierschutzvereins Kelsterbach, ein vorübergehendes Zuhause.	Fotos: Carmen Erlenbach Bilder > Elf Taubenkindern aus Frankfurt schenkte Judith Wagner, Vorsitzende des Tierschutzvereins Kelsterbach, ein vorübergehendes Zuhause. Fotos: Carmen Erlenbach
Kelsterbach. 

Wer Judith Wagner kennt, der weiß, dass es bei ihr nie langweilig wird. Bei der Vorsitzenden des Tierschutzvereins Kelsterbach geht es 365 Tage im Jahr rund – Tag und Nacht. Die Ehefrau und sechsfache Mutter, die zurzeit noch vier Kinder zu Hause zu versorgen und bereits viele Pflegekinder groß gezogen hat, kümmert sich derzeit nicht nur außerdem um drei Hunde, acht Schildkröten, elf Tauben, eine Amsel und zwei Katzen. Erst vor wenigen Tagen hat sie fünf junge und aufgepäppelte Eichhörnchen in eine Auswilderungsvoliere in Langen gegeben, die auch etliche Wochen bei Wagner verbracht haben. Darüber hinaus kümmert sie sich um ihre betagte Schwiegermutter, den Haushalt, um Notfalleinsätze und hält den Verein am Laufen.

Ohne die Hilfe ihrer beiden Töchter Anna Wagner und Stephanie Imeri wäre die Vorsitzende des Tierschutzvereins Kelsterbach vollkommen überfordert. Tochter Anna kümmerte sich weitgehend um die fünf Eichhörnchen von vier verschiedenen Fundstellen in Frankfurt-Sindlingen, Wiesbaden, Kelsterbach und Raunheim, die offenbar aus Nestern gefallen waren. „Das sind noch nicht die letzten für dieses Jahr“, so Wagner. Denn Eichhörnchen bekämen mitunter auch noch sehr spät Nachwuchs. Insgesamt wurden die kleinen Tiere rund sechs Wochen lang gepflegt, versorgt und großgezogen. In der Voliere in Langen bleiben sie weitere sechs bis acht Wochen, bevor sie endgültig in die Freiheit entlassen werden.

 

Das Bad ist voll

 

Vorige Woche wurde Judith Wagner mit zwei erst etwa vier Tage alten Kätzchen bedacht, die im Gebüsch zwischen Raunheim und Kelsterbach gefunden worden waren. Sie waren noch derart klein, dass die Nabelschnur noch am Bäuchlein hing. Die beiden Katzen sind ein schwarzes Bübchen mit wenig weißer Zeichnung am Kopf und ein Mädchen mit rotem Fell. Er wog gerade mal 162 Gramm, sie brachte nur 142 Gramm auf die Waage. Die Kleinen befinden sich jetzt bei Wagners Tochter Stephanie Imeri, die sich nun neben ihren Hunden rührend um den Katzennachwuchs kümmert.

Wagners andere Tochter Anna beherbergte über einige Monate drei gefundene Bartagamen (wir berichteten). Zwei sind inzwischen vermittelt. Jetzt ist noch ein Männchen übrig, das auf die Vermittlung zu einer netten Partnerin wartet.

Auch das Bad von Judith Wagner ist derzeit belegt. Dort befinden sich elf junge Tauben in Transportkäfigen, die auch versorgt sein wollen. Wagner kam wegen eines Notfalls zu den Vögeln. Denn in Frankfurt wurde ausgerechnet zur Brutzeit eine Brücke erneuert, an der sich Nester mit mehr als 80 jungen Tauben befanden. Also nahm Wagner elf davon auf. Sie sind jetzt etwa vier Wochen alt und kommen demnächst zu Gudrun Stürmer vom Stadttaubenprojekt in Frankfurt-Oberrad.

 

Zum Notfall gerufen

 

Zu all den vielen hungrigen Mäulern und Schnäbeln, die Wagner täglich stopfen muss, zählt auch das Schnäbelchen einer jungen Amsel namens Olli. Das Nest des Kleinen wurde aus einem Baum geweht. Nun sitzt er in einem Käfig in der Küche, gibt Laute und wartet regelmäßig schon um 4 Uhr morgens gierig auf sein Futter. Ersatzmama Judith Wagner füttert den kleinen „Findling“ auch durch. Er kommt in den nächsten Tagen zum Übergang in die Freiheit in eine Auswilderungsvoliere nach Neu-Isenburg.

„Man weiß nie, was als Nächstes kommt – und wann“, sagt Wagner lachend. Trotz allem, was sie auch nachts mitunter an aufopfernden Fütterungsaktionen für Jungtiere um die Ohren hat, wirkt sie stets gelassen, ausgeglichen und voller Humor. In diesem Sommer hat sie bereits einen Eichelhäher gepflegt, junge Schwalben groß gezogen, aber auch Mauersegler aufgenommen, die sie in die Klinik für Mauersegler abgab. Sie hat sich um andere Singvögel gekümmert, aber auch um einen verletzten Bussard und die freiwillige Feuerwehr zu einem Notfall gerufen. Am Sandhügelplatz war ein Eichhörnchen aus einem Baum gefallen. Fast hätte es die Wehr gehabt, jedoch erklomm das verletzte und am Fuß blutende Tier wieder den Stamm und entwich. „Wir haben es nicht bekommen. Aber es wurde später wieder gesehen, ihm scheint es wieder gut zu gehen“, sagt Wagner erleichtert.

Sie erinnert daran, dass der Tierschutzverein wegen aller dieser vielen Projekte, die eine Menge Geld für Sprit, Futter, Tierarztkosten und, Medikamente und Impfungen verschlingen, auf Tierpatenschaften und auch Spenden angewiesen ist. Wer spenden und helfen möchte: Das Spendenkonto hat die Nummer 5 00 39 75, Bankleitzahl 50 85 25 53 bei der Kreissparkasse Groß Gerau, IBAN: DE 66 50 85 25 53 00 05 00 39 75 und BIC: HELA DEF1 GRG.

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