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Valentinstag: Ist ewige Liebe ein Wunschtraum?

Der Heilige Valentin soll als Priester Liebespaare trotz Verbots christlich getraut haben und deshalb am 14. Februar 269 hingerichtet worden sein. Die Ehen, die von ihm geschlossen wurden, haben der Überlieferung zufolge unter einem guten Stern gestanden. Warum gehen heute so viele Ehen in die Brüche? Ist die ewige Liebe zu einem Menschen überhaupt möglich? Darüber hat Redakteurin Christiane Hocke mit der Paartherapeutin Britta Stitz aus Neu-Isenburg gesprochen.
Für frisch Verliebte ist die Welt ein Glitzermeer. Doch im Laufe der Zeit kann sich Routine in die Beziehung einschleichen. Der Valentinstag ist eine gute Chance, sich gegenseitig zu überraschen.  Foto: Fotolia Foto: (101505473) Für frisch Verliebte ist die Welt ein Glitzermeer. Doch im Laufe der Zeit kann sich Routine in die Beziehung einschleichen. Der Valentinstag ist eine gute Chance, sich gegenseitig zu überraschen. Foto: Fotolia
Neu-Isenburg. 

Frau Stitz, was ist Liebe?

Darauf gibt es viele Antworten. Die Liebe zu einem Menschen, von der wir hier sprechen, ist ein Gefühl großer Zuneigung und Verbundenheit, welches oft, aber nicht immer wechselseitig erlebt wird. Dabei gibt es ja sehr unterschiedliche Liebesgefühle. Die Liebe in einer Partnerschaft ist eine andere, als die gegenüber Eltern und Kindern. Auch erleben wir das erste Verliebtsein anders als die Liebe in einer längeren Partnerschaft.

Warum verlieben sich einige Menschen oft, andere nur ein oder zwei Mal in ihrem Leben?

Menschen sind unterschiedlich, und so sind auch Liebe und Beziehungen unterschiedlich. Hier spielen neben angeborenen Charaktereigenschaften insbesondere die frühen Beziehungserfahrungen und die ersten Liebesbeziehungen eine wichtige Rolle. Aus der Säuglingsforschung wissen wir heute zum Beispiel, dass die Bindungsfähigkeit eines Menschen sich sehr früh im Miteinander mit den Bezugspersonen, zumeist den Eltern, entwickelt. Diese Erfahrungen beeinflussen auch später im Leben, wie wir Beziehungen führen. Das bestimmt auch, ob ich mich dauerhaft in einer Liebesbeziehung binde oder mich wiederholt – für kürzere Zeit – verliebe.

Aus Ihrer Erfahrung als Paartherapeutin beurteilt: Verursacht Liebe mehr Freud oder mehr Leid?

Wenn wir mal an die Literatur oder Musik denken, dann sind Freude und Leid in der Liebe ein großes kulturübergreifendes Thema. Grundsätzlich haben alle Menschen ein Grundbedürfnis nach Bindung und Liebe. Auf der körperlichen Ebene, über Hormone gesteuert, erleben wir hier Freude. Dies ist biologisch notwendig, denn es sichert unsere Fortpflanzung. Das Leid entsteht nach meiner Erfahrung als Paartherapeutin in einer Beziehung vor allem, wenn lebensgeschichtliche Konflikte in der Beziehung zu Missverständnissen führen. Daraus können viel Konfliktstoff und einander verletzende Verhaltensweisen entstehen.

Als wie wichtig beurteilen Sie Tage wie Valentinstag, Jahrestag oder Hochzeitstag für eine Beziehung?

Rituale wie Jahrestage oder Hochzeitstage helfen vielen Paaren im Alltag inne zu halten, sich aufeinander zu besinnen und schöne Erinnerungen zu teilen. Wenn beide Partner dies möchten, dann ist es sicherlich eine gute Möglichkeit, sich Zeit für einander zu nehmen und die Partnerschaft damit zu stärken.

Sokrates soll gesagt haben: „Heirate oder heirate nicht, Du wirst beides bereuen“. Was sagen Sie zur Ehe? Eher förderlich für die Liebe oder hinderlich?

Ich denke die Ehe an sich wird eine Liebesbeziehung weniger beeinflussen, als die Frage, wie jedes Paar und jeder Partner dies für sich beurteilt. So ist das Heiraten für manche Paare sicher ein wichtiger und verbindender Schritt. Für andere ist es vielleicht unnötig, zu konventionell oder möglicherweise auch beängstigend. Wenn wir geschichtlich weit zurückblicken, hatte die Ehe früher sicherlich eine für das gemeinsame Leben, Versorgung und Besitz viel weitreichendere Bedeutung, als dies in der heutigen Gesellschaft der Fall ist.

Das Internet bietet zahlreiche Plattformen, um einen neuen Partner online kennenzulernen. Haben beispielsweise schüchterne Menschen dadurch bessere Chancen, sich zu verlieben?

Ja, gerade für etwas schüchterne Menschen, denen es im direkten Kontakt schwer fällt, auf andere zuzugehen, ist es leichter, über das Internet und die entsprechenden Plattformen, also indirekt, in Kontakt zu kommen. Beim Chatten entsteht subjektiv so rascher ein Gefühl der Nähe und der gegenseitigen Bezogenheit, so dass auch das Verlieben, wenn man so will, „leichter“ fällt. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Vorstellungen, die man sich von einem „virtuellen“ Partner macht, der Realität später nicht standhalten.

Was raten Sie einem Paar, das schon lange zusammen ist und die anfänglichen Schmetterlinge im Bauch vermisst?

Zumeist weichen die erste aufgeregte Verliebtheit und die „Schmetterlinge im Bauch“ in einer längeren Beziehung ruhigeren Gefühlen der Verbundenheit, Vertrautheit und Liebe. Wenn Paare versuchen wollen, diese Gefühle wieder zu beleben, ist es oft hilfreich, sich zu fragen: „Wann und wo haben wir diese Gefühle früher erlebt?“ Zumeist verabreden wir uns in länger bestehenden Beziehungen nicht mehr wie zu Beginn. Wir überraschen uns seltener und fragen uns vielleicht auch nicht so oft, was kann ich tun, um meinem Partner zu zeigen, wie sehr ich ihn liebe. Daran schließt sich die Frage an: „Können wir diese Form des Miteinanders wieder aufleben lassen?“

Glauben Sie, dass der Mensch von Natur aus für die lebenslange Liebe zu einem Menschen geschaffen ist, oder wurde ihm das von der Gesellschaft auferlegt?

Die Realität zeigt, dass die lebenslange Liebe oft eher ein Wunschtraum als die Realität ist. Fast die Hälfte aller Ehen in Deutschland wird geschieden. Auch in bestehenden Partnerschaften wird nicht immer die lebenslange ausschließliche Liebe gelebt. Nicht selten wird diese angestrebte „Ausschließlichkeit“ zum Beispiel durch Affären unterbrochen oder beendet.

Wenn man dem Sprichwort glaubt, macht Liebe blind. Heißt das, wir verlieben uns zu Beginn lediglich in die Illusion, die wir von einem Menschen haben?

Das Verliebtsein, gerade die erste Zeit, wenn man sich gegenseitig kennenlernt, ist oft mit einer Art psychischem und hormonellem Ausnahmezustand, einer gewissen Blindheit und auch illusionären Verkennung zu beschreiben. Das heißt aber nicht, dass wir einer Illusion erliegen. Sicher werden manchmal zum Beispiel Eigenschaften des Partners oder der Partnerin in der Phase der Verliebtheit verstärkt wahrgenommen und wir suchen eher die Eigenschaften, die uns verbinden und gefallen. Auf der anderen Seite ist dies ja wechselseitig und die Bereitschaft von Verliebten, sich nahe zu sein, dem anderen zuliebe auf etwas zu verzichten, eigene Wünsche unterzuordnen ist dann größer, als nach der ersten Verliebtheit. Oft nehmen die Partner später die gleichen Eigenschaften, die sie zunächst geliebt haben, weniger positiv wahr. Aus „Ich helfe dir gerne!“ wird dann zum Beispiel „Immer muss ich alles alleine machen!“. Es ist also weniger eine Illusion als eine Idealisierung.

Können Sie eine Beziehung von außen beurteilen? Könnten Sie einschätzen, ob die Ehe von Schauspieler George Clooney und seiner Frau Amal ein Leben lang hält?

Nein, das kann ich sicherlich nicht. Eine Beziehung in ihren vielen Facetten zu verstehen, macht den Großteil meiner Arbeit mit den Paaren in einer Paartherapie aus. Dies bedarf einer Bereitschaft der Partner, sich selbst zu reflektieren und zu öffnen. Es kann nicht aus der Ferne oder über Medien erfolgen. Das wäre nicht professionell.

Sehen Sie sich als modernen Hl. Valentin, als Kämpferin für die Liebe?

Ich sehe mich nicht als „Kämpferin“ für die Liebe, sondern suche in den Therapien mit den Paaren nach Möglichkeiten, ihre Beziehung weiter zu entwickeln. Manchmal entschließen sich Paare während der Therapie auch, sich zu trennen. Insofern sehe ich meine Aufgabe eher in einer Anregung und Begleitung, einer Suche nach einem neuen oder zumindest veränderten Weg als Paar und für beide Partner.

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