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Milde Strafe für Baby-Entführerin

Die Frau, die im Dezember 2010 ein Baby von der Säuglingsstation des Höchster Klinikums entführt hatte, hat das Landgericht Frankfurt gestern zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Die heute 30-Jährige hatte 2010 ein Baby aus dem Höchster Klinikum entführt. Die heute 30-Jährige hatte 2010 ein Baby aus dem Höchster Klinikum entführt.
Frankfurt. 

Am Ende waren auch die Eltern des kleinen Mädchens überzeugt davon, dass die Entführerin ihres Kindes nicht ins Gefängnis gehört. Die heute 30 Jahre alte Erzieherin, die im Dezember 2010 mit ihrer spektakulären Baby-Entführung aus dem Höchster Krankenhaus den Stadtteil in Atem gehalten hatte, wurde gestern vom Landgericht zu einem Jahr Bewährungsstrafe verurteilt. Zusätzlich setzte die 31. Große Strafkammer eine Schmerzensgeldsumme von 3000 Euro fest, die an die Eltern zu zahlen ist. Verurteilt wurde die Frau nämlich nicht nur wegen Kindesentziehung, sondern auch wegen Körperverletzung – wegen des seelischen Leides, das sie der Mutter mit der stundenlangen Ungewissheit über den Verbleib des Kindes bereitet hatte.

Die Nebenklägerin war am Vormittag des zweiten Verhandlungstages noch einmal im Zeugenstand vernommen worden und hatte dem Gericht von den massiven psychischen Auswirkungen berichtet. Noch heute, gut zwei Jahre nach dem Vorfall, befinde sie sich in Behandlung, sagte sie. Die Angeklagte verstand es freilich, mit einem glaubwürdigen Auftritt im Gerichtssaal sympathisch zu wirken. Entsprechend gestaltete sich die Urteilsbegründung des Landgerichts-Vizepräsidenten Albrecht Simon: Das rückhaltlose Geständnis und die damit verbundene schnelle Aufklärung der Tat seien besonders positiv angerechnet worden: "Die Angeklagte hat sich in einer selten anzutreffenden Weise mit der Tat und ihren Folgen konkret auseinandergesetzt."

Die Frau war nach einer Fehlgeburt und mehreren erfolglosen künstlichen Befruchtungen mit ihrem unbedingten Wunsch nach einem Kind in eine Sackgasse geraten. Sowohl ihrer Lebensgefährtin als auch der Familie hatte sie bereits angekündigt, bald Nachwuchs zu erwarten. Durch ihre vollschlanke Figur gelang es ihr, die Mär einige Zeit aufrecht zu erhalten. Ende 2010 drängte die Zeit. "Als sie auf der Säuglingsstation das Baby im Arm hielt, ging es mit ihr durch. Da war keine Steuerungsfähigkeit mehr vorhanden", hieß es in einem Gutachten. Die eingeschränkte Schuldfähigkeit wurde ebenfalls strafmildernd angerechnet. Ausschlaggebend für die positive Zukunftsprognose aber war die Erkenntnis der Gutachterin, wonach mit einer ähnlichen Tat nicht mehr zu rechnen sei: "Das Thema Kinderwunsch ist für sie erledigt." Die Frau habe "viel Stabilisierendes vorzuweisen" und weise keine weiteren Risikofaktoren mehr auf.

Damit war auch für Staatsanwalt Daniel Wegerich die Sache klar: Er plädierte auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, die Anwälte der Eltern forderten zwei Monate mehr – aber ebenfalls zur Bewährung. Das Gericht beließ es bei einem Jahr und der Geldauflage. Es ist zu erwarten, dass dieses Urteil auch rechtskräftig wird. Als strafverschärfend erwies sich nur der Umstand, dass die Entführerin das Kind den Wintertemperaturen ausgesetzt und in ihrem Auto ungesichert auf den Beifahrersitz gelegt habe. ge

(Matthias Gerhart)
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