E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Hofheim am Taunus 27°C

Umbenennung: Rathausplatz in Mörfelden-Walldorf soll neuen Namen erhalten

SPD, Freie Wähler und FDP haben einen Antrag gestellt, den Platz vor dem Rathaus Walldorf nach Adam Jourdan zu benennen. An den ehemaligen Bürgermeister von Walldorf soll auf diese Weise angemessen erinnert werden.
Donnerstags ist Markttag auf dem Walldorfer Rathausplatz. Der Gutenbergplatz, wie er offiziell heißt, könnte umbenannt werden. Foto: Leo F. Postl Donnerstags ist Markttag auf dem Walldorfer Rathausplatz. Der Gutenbergplatz, wie er offiziell heißt, könnte umbenannt werden.
Mörfelden-Walldorf. 

Die drei Regierungsparteien SPD, Freie Wähler und FDP haben einen gemeinsamen Antrag gestellt, den „Gutenbergplatz“ vor dem Rathaus Walldorf nach Adam Jourdan, dem ehemaligen Bürgermeister von Walldorf, zu benennen. Der Sozialdemokrat war von 1927 bis 1933 und erneut von 1945 bis 1953 Rathauschef der damaligen Gemeinde gewesen. Trotz seiner langen Amtszeit von zusammengerechnet 14 Jahren erinnert bislang noch keine Straße oder Platz an ihn.

Der Antrag der Koalition will genau das ändern. Er wurde im Planungs-, Bau- und Umweltausschuss am Dienstagabend in unmittelbarer geografischer Nähe zum Platz im Rathaus Walldorf beraten. Steffen Ueberschär (SPD) begründete den Antrag: Jourdan habe sich als langjähriger Bürgermeister um Walldorf verdient gemacht. Er verdiene ein angemessenes Andenken, wie es etwa seinem damaligen Mörfelder Amtskollegen Peter Klingler (SPD), nach dem heute eine Schule und eine Straße benannt sind, zurecht zuteil geworden sei.

Von den Nazis abgesetzt

Der 1888 geborene Jourdan hatte das Maurerhandwerk erlernt. Seit 1919 gehörte der aus dem Ersten Weltkrieg Heimgekehrte der SPD-Fraktion im Walldorfer Gemeindeparlament an. Im Jahr 1927 wurde Jourdan mit großer Mehrheit zum Bürgermeister gewählt. Seine offensichtliche Beliebtheit und die in der Bevölkerung erworbene Anerkennung zeigt vor allem das Ergebnis bei seiner Wiederwahl am 12. Februar 1933: Jourdan wurde mit überwältigender Mehrheit von rund 75 Prozent der Stimmen von den Bürgern wiedergewählt.

Das hinderte die Nazis aber nicht daran, den gerade erst mit einem klaren demokratischen Votum bestätigten Bürgermeister nur zwei Monate später abzusetzen. Durch eine Verfügung des hessischen Kreisamtes Groß-Gerau vom 5. April 1933 wurde Jourdan seines Amtes enthoben. Er wurde durch den „Kommissar“ Jean Becker (NSDAP) ersetzt, der mit der Wahrnehmung der Dienstgeschäfte beauftragt wurde.

Bedenken zur Umsetzung

Ueberschär griff speziell diesen Aspekt in seinem Redebeitrag auf: „Gerade angesichts heutiger rechter Strömungen ist ein angemessenes Andenken an Adam Jourdan wichtig.“ Jourdan wurde nach dem Kriegsende von den Amerikanern 1945 wieder in sein früheres Amt eingesetzt und zwei Jahre später auch vom Gemeinderat in dieser Funktion bestätigt. Bürgermeister blieb er bis 1953. Jourdan war auch ehrenamtlich engagiert. Er war Präses der Deutschen Waldenser Vereinigung und Mitglied der Dekanatssynode des Walldorfer Kirchenvorstandes. Er starb 1967 im Alter von 79 Jahren.

Im Bauausschuss war der eigentliche Kern des Antrags der Koalition, nämlich Jourdan zu würdigen und an ihn angemessen zu erinnern, unumstritten. Die drei Oppositionsparteien CDU, DKP/Linke Liste (LL) und Grüne hatten aber praktische Bedenken bezüglich der Umsetzung. So fragten sowohl Gerd Schulmeyer (DKP/LL) als auch Andrea Winkler (Grüne), ob sich durch die Umbenennung des Platzes etwas für die Anwohner der anliegenden Straße „Gutenbergplatz“ verändern würde: „Wir wollen nicht, dass es zu Adressänderungen kommt“, so Winkler. Die Antragsteller betonten jedoch, dass die am Platz anliegende Straße auch weiterhin „Gutenbergplatz“ heißen werde. Für die Anwohner werde sich daher an ihrer Adresse nichts ändern. Nach dieser Zusicherung erklärten sich DKP/LL und Grüne mit dem Antrag der Koalition einverstanden.

Die CDU störte sich an der Umbenennung des Platzes selbst, der seit mehr als 70 Jahren den Namen „Gutenbergplatz“ trägt. Die Christdemokraten fragten daher nach anderen Plätzen oder Straßen in Walldorf, ob diese nicht zu Ehren Jourdans benannt werden könnten. Mit dem engen räumlichen Bezug zum Rathaus sehen die Sozialdemokraten aber gerade den bisherigen Gutenbergplatz als geeignet an.

Der Ausschuss stimmte schließlich mit einer großen Mehrheit aus SPD, Freien Wählern, FDP, DKP/LL und Grünen gegen das Votum der CDU für eine Umbenennung des „Gutenbergplatzes“ in „Adam-Jourdan-Platz“. Das ist rechtlich gesehen eine Beschlussempfehlung für das Stadtparlament, das am Dienstag, 11. September, die abschließende Entscheidung über den Namen des Platzes treffen wird.

Zur Startseite Mehr aus Kreise Offenbach/Groß Gerau

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen