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Tierschutzverein Kelsterbach: Starthilfe in ein tierisch gutes Leben

Von Im Hause Wagner in Kelsterbach gibt es momentan drei besondere Gäste: "Tobi", "Lilly" und "Leni" sind rund sechs Wochen alte Eichhörnchen, die aufgepäppelt werden wollen.
Der kleine Tobi ist nicht zu bändigen, wenn es ans Fressen geht. Seine schmackhafte Aufzuchtmilch ist einfach zu lecker. Bilder > Foto: Carmen Erlenbach Der kleine Tobi ist nicht zu bändigen, wenn es ans Fressen geht. Seine schmackhafte Aufzuchtmilch ist einfach zu lecker.
Kelsterbach. 

Eigentlich werden die ersten Jungtiere in der Natur erst für Ende April erwartet. Jedoch machen sich die Auswirkungen des Klimawandels bemerkbar. Wegen des milden Winters feiert Judith Wagner, die Vorsitzende des Tierschutzvereins Kelsterbach, Ostern in diesem Jahr nicht nur mit ihrer Familie. Während sie noch einige Igel, die erst kommenden Monat ausgewildert werden, als Überwinterungsgäste im Keller versorgt, sind in der Wohnung bereits die ersten putzigen und äußerst aktiven Eichhörnchenbabys eingezogen. „Sie sind in diesem Jahr besonders früh dran“, sagt Wagner. Weil die Eltern derart zeitig für Nachwuchs sorgten, seien zweite Würfe in diesem Jahr nicht ausgeschlossen.

Anna Wagner, die erwachsene Tochter der Vorsitzenden, rückt mit heißem Fencheltee an, den sie in eine Tasse gießt. Nun holt sie auch eine Transportbox aus blauem Kunststoff und öffnet die Abdeckung. Zum Vorschein kommt zunächst nur ein locker zerknüllter Bettbezug, farblich passend in Hellblau. Plötzlich beginnt er sich in einer Ecke zu bewegen, und aus einer Falte lugt ein sehr kleines Schnäuzchen heraus. „Hast Du gemerkt, dass es was zu fressen gibt?“, fragt Wagner lachend.

Spezielle Milch

Sie gibt eine kleine Portion weißes Pulver in einen Becher, entnimmt mit einer kleinen Spritze etwas heißes Wasser und fügt es dem Pulver hinzu, bevor sie die spezielle Aufzuchtmilch anrührt. Mehrmals testet Anna Wagner, die seit vielen Jahren Eichhörnchenbabys aufzieht, ob die Milch die richtige Temperatur für die Kleinen hat. Dazu spritzt sie jeweils einen kleinen Tropfen auf ihren Unterarm.

Inzwischen wuselt eines der drei kleinen Eichkätzchen, die vor knapp zwei Wochen in Oestrich-Winkel von Spaziergängern gefunden und beim Tierschutzverein der Untermainstadt abgegeben wurden, durch die Transportbox. Die anderen zwei lassen sich noch nicht blicken und verstecken sich lieber in einer Stofffalte.

Anna Wagner holt den kleinen rostroten Wicht mit verhältnismäßig großen Füßen und einem noch dünnen Schwanz aus der Box und überreicht ihn ihrer Mutter. Judith Wagner kommt nicht um eine kleine Schmuserei herum. Inzwischen zieht ihre Tochter fünf Milliliter der Aufzuchtmilch mit der Spritze auf und reicht sie weiter. Behutsam hält Judith Wagner das kleine und ungeduldige Tierchen in der linken Hand und bietet ihm die weiße Flüssigkeit in der Spritze an. Schon hält das kecke Kerlchen sie mit beiden Vorderpfoten fest und saugt so fest, dass der Inhalt im Nu in seinem Bäuchlein verschwunden ist und nur noch ein kleiner Rest an den braunen Härchen um das Schnäuzchen von der bereits teilweise verspachtelten Mahlzeit zeugt.

Suche nach der Mama

Anna Wagner bereitet eine zweite Portion vor. Die putzige Schau beginnt von vorne. Schmatzend nuckelt das Eichhörnchenbübchen namens „Tobi“, hält selbstständig die Spritze fest, gönnt sich zwischendurch ein Päuschen und schaut mit frechem Blick in die Kamera. Nach getaner Arbeit verschwindet das Kleine wieder in seinem Körbchen und die anderen beiden Eichhörnchenbabys sind an der Reihe. Es handelt sich um zwei Mädchen namens „Leni“ und „Lilly“. Alle vier Stunden wird die kleine Schar gefüttert – nachts im Abstand von fünf Stunden.

Die Kleinen im Alter von etwa sechs Wochen haben schon begonnen, ab und zu auch mal ein bisschen Obst zu kosten sowie an einer Himbeere oder Heidelbeere zu knabbern. Auch an bereits geschälte Nüsse trauen sie sich manchmal schon. Nur dauert es noch ein Weilchen, bis sie diese selbst knacken können.

Judith Wagner erklärt, dass Eichhörnchenbabys nur aus ihrem Kobel – also Nest – fallen, sofern die Mutter nicht zurückkehrt, weil sie etwa von einem Greifvogel oder einem Auto erwischt worden ist. Dann begibt sich der Nachwuchs oft in schwindelerregender Höhe in einer Baumkrone auf die Suche nach der Mama und fällt dabei nicht selten herunter. Werden die Kleinen gefunden und beim Tierschutzverein abgegeben, der vom Veterinäramt inzwischen offiziell als Wildtierpflegestelle anerkannt wurde, so sind sie gerettet.

Judith Wagner weist auf die vom Verein angebotenen Wildtierpatenschaften hin. Für eine einmalige Spende von 25 Euro pro Eichhörnchen gibt es eine Urkunde mit dem Foto des Tieres, für dessen Aufzucht das Geld verwendet wird, und eine Spendenquittung. Eine Wildtierpatenschaft – auch für Igel bei einer einmaligen Spende von 30 Euro – sei ein sinnvolles Ostergeschenk.

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