Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Hofheim am Taunus 25°C

Wer soll das bezahlen?

Top oder Stopp? So lautet die Situation der defizitären Kreisklinik Groß-Gerau. Alle Beteiligten – Politik, Krankenhausleitung und Berater – rechnen Szenarien durch, denn schon bald wird es ernst für das Haus.
Woher das Geld für die Kreisklinik nehmen? Das Haus dürfte auch künftig keine schwarzen Zahlen schreiben. Foto: Matthias Hoffmann Woher das Geld für die Kreisklinik nehmen? Das Haus dürfte auch künftig keine schwarzen Zahlen schreiben.

Kreis Groß-Gerau. Die defizitäre Kreisklinik rückt wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Am Montag berät der Kreistag über den Wirtschaftsplan für das Jahr 2017. Im Mai wird es dann richtig ernst: Da entscheidet der Kreistag darüber, ob das Krankenhaus, das pro Jahr bis zu fünf Millionen Euro Miese macht, weitergeführt werden soll oder endgültig geschlossen werden muss.

Für beide Möglichkeiten werden augenblicklich umfangreiche Entscheidungshilfen vorbereitet: Die Beratungsgesellschaft Andree Consult hat drei Szenarien berechnet, wie die finanziellen Belastungen im Falle einer Schließung aussehen würden. Die Berater denken dabei in den Kategorien sofort, mittel- und langfristig. Das ist insofern von Interesse, da Geld aus einem Krankenhaus-Strukturfonds des Landes Hessen zur Abwicklung defizitärer Kliniken nur begrenzt zur Verfügung steht.

Auch ein 25 Seiten umfassendes Papier der Krankenhaus-Leitung, in dem Vorschläge für eine erfolgreiche Weiter-Existenz ausgearbeitet worden sind, liegt zur Diskussion bereit.

Top oder Stopp – so könnte man die augenblickliche Situation der Klinik beschreiben, über deren aktuelle Entwicklung Landrat Thomas Will (SPD) beim Jahrespressegespräch im Schloss Dornberg informierte. Um es vorwegzunehmen: Der Landrat glaubt, dass es gelingt, die Klinik zu erhalten. Und dies nicht nur mit einer Stimme Mehrheit, über welche die Koalition aus SPD, Grünen und Linken im Kreistag verfügt. „Ich rechne fest damit, dass es eine Mehrheit von mehr als 60 Prozent im Kreistag geben wird“, zeigte sich Will optimistisch. Nicht eine Fraktion habe bisher für die Schließung gestimmt. Und es erscheine unwahrscheinlich, dass sich eine Partei den Makel anhängen lassen wolle, sich für die Schließung einzusetzen.

Abfindungen und Co.

Nicht zuletzt verweist der Landrat auf Redebeiträge in den jüngsten Ausschusssitzungen – beispielsweise von Helmut Kinkel (Freie Wähler-Bürgerliste), in denen der Weiterbetrieb gefordert worden ist. Sollte die Klinik jedoch geschlossen werden, kämen – dies steht laut Will bereits jetzt fest – hohe zweistellige Millionenbeträge als Belastungen auf den Kreis zu.

Allein die Zusatzversorgungskasse Darmstadt könnte entgangene Beiträge bis 50 Millionen Euro für die 420 Bediensteten des Krankenhauses fordern. Hinzu kämen Abfindungen für die zumeist langjährig Beschäftigten.

Der zweite Kostenfaktor entstünde für Abbruch und Räumung des Krankenhaus-Areals. Zwar stünden dann etwa sechs Hektar freies Gelände für eine Vermarktung zur Verfügung, aber das würde nur einen Bruchteil der Kosten ersetzen. Ein Szenario, vor dem es jeden Kommunalpolitiker grauen dürfte – zumal Krankenhaus-Direktor Reinhold Linn ein Arbeitspapier vorgelegt hat, in dem Lösungen für eine wirtschaftliche Weiterführung herausgearbeitet worden sind. Zwar dürfte es auch künftig nicht gelingen, mit einer schwarzen Null zu arbeiten. Doch Landrat Will ist überzeugt, dass der Zuschuss „auf deutlich unter drei Millionen Euro gedrückt werden kann“.

Welche Vorkehrungen dazu getroffen werden müssen, wollte der Landrat zu diesem Zeitpunkt noch nicht mitteilen. „Weil sie erst den politischen Gremien unterbreitet werden müssen“, so Will. Fest stehe aber, dass der hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) außer den bereits bestehenden Abteilungen Innere, Chirurgie und Gynäkologie/Geburtshilfe keine weiteren Abteilungen genehmigen werde. Mithin müsse überlegt werden, wie eine bessere Bettenauslastung innerhalb dieser Abteilungen erreicht und die Einnahmensituation verbessert werden könnte.

Arztpraxen betreiben

Durchblicken ließ Landrat Will, dass die Klinik Arztpraxen im Südkreis, die aus Altersgründen aufgegeben werden müssen und für die kein Nachfolger gefunden werden kann, übernehmen und weiterführen möchte. Das helfe der Bevölkerung, begegne dem Ärztemangel auf dem Land und führe der Klinik Patienten zu. Abzustimmen sei dies mit der Ärztekammer.

Ein Wort widmete der Landrat noch den Bürgern, welche die Unterschriften-Sammlung zum Erhalt der Klinik vorantreiben. „Dass bereits 13 000 Unterschriften gesammelt werden konnten, zeigt das Interesse der Bevölkerung für den Erhalt der Kreisklinik“, so Will.

An der Überreichung der Unterschriften an Sozialminister Grüttner am 19. April in Wiesbaden werde er teilnehmen, doch die Entscheidung über die Klinik treffe nicht Grüttner, sondern der Kreistag. Aber die Übergabe könnte die Hoffnung nähren, dass die Gelder aus dem Krankenhaus-Fonds nicht nur dazu verwendet würden, um Kliniken zu schließen.

Zur Startseite Mehr aus Kreise Offenbach/Groß Gerau

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse