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Zwei Drittel der Mediziner sind bis 2030 über 65 Jahre alt: 66 Ärzte gehen bald in Rente

Von Voraussichtlich gehen bis zum Jahr 2030 bis zu 66 von 107 Hausärzten in den Ruhestand. Um Nachwuchs zu sichern, soll der Kreis Stipendien vergeben.
Limburg-Weilburg. 

Ausgehend von einer Praxisabgabe im Alter von 65 Jahren werden bis zum Jahr 2030 im Landkreis Limburg-Weilburg voraussichtlich 66 Hausärzte ausscheiden, deren Stellen wiederbesetzt werden müssen. Bei den Fachärzten könnten bereits bis zum Jahr 2025 sechs von neun Chirurgen ausscheiden – sagt die Kassenärztliche Vereinigung. Die CDU unternimmt einen weiteren Versuch, die drohende Ärzte-Lücke zu stoppen. Der Kreis soll Stipendien vergeben: 400 Euro im Monat sollen angehende Ärzte bekommen, wenn sie sich verpflichten, eine Praxis im Landkreis Limburg-Weilburg zu eröffnen.

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Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen hat kürzlich ihre Daten aktualisiert und eine Analyse für den Landkreis vorgelegt mit dem Datenstand
1. März 2016. Auf dem Papier ist der Landkreis Limburg-Weilburg demnach immer noch „überversorgt“. Das gilt insbesondere im Bereich rund um Weilburg, während auf Limburger Seite bereits heute Kassensitze frei sind.

Die Mediziner verteilen sich sehr ungleich. Während in Merenberg ein Arzt 808 Menschen versorgt, kommen in Weinbach auf einen „Versorgungsauftrag“ 4429 Personen. Die Statistiker rechnen weiter und berücksichtigen einen Demografiefaktor. Auch dann bilden die genannten Kommunen die Extrema: In Mergenberg liegt der Versorgungsgrad bei 210, in Weinbach bei knapp 37 Prozent.

Kreise buhlen um Studenten

Bis jedoch die Babyboomer-Generation ins Rentenalter kommt, dürften fast zwei Drittel der heutigen Hausärzte in Rente gegangen sein. Die Demografie-Karte der Kassenärzte verheißt für sechs Kommunen besonders schlechte Aussichten: Unter anderem in Limburg liegt das Durchschnittsalter der Hausärzte bereits heute zwischen 55 und 60, in Elbtal sogar über 60. Und weil landesweit Hausärzte fehlen, dürfte manche Praxis schließen.

Landauf, landab buhlen deshalb immer mehr Kreise und Krankenhäuser mit Stipendien um den Medizinernachwuchs. Die CDU Limburg-Weilburg will mitbieten und schlägt vor, dass der Landkreis zwei Stipendien vergeben soll an angehende Humanmediziner nach erfolgreichem Abschluss des ersten Abschnittes der ärztlichen Prüfung richten. Im Gegenzug sollen sie sich verpflichten, sich mindestens fünf Jahre als Hausarzt im Landkreis niederzulassen oder im Gesundheitsamt zu arbeiten.

Der CDU schweben monatlich 400 Euro als Fördersumme vor. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Kreistagsfraktion und Landtagsabgeordnete, Andreas Hofmeister, betont die Komplexität des Themas. „An sich haben wir nicht zu wenige Studierende im Bereich der Medizin, jedoch streben junge Mediziner oftmals nicht mehr in Richtung einer Karriere als Hausarzt.“ Er sucht nach Wegen, auch Abiturienten, die nicht den Numerus Clausus erfüllen, einen Zugangsweg an die Uni zu öffnen. Hofmeister: Dazu befinde er sich im Gespräch mit der Justus-Liebig-Universität in Gießen.

„Land in Sicht“

Der Landkreis Limburg-Weilburg ist längst nicht der erste Kreis, der versucht, das aufreißende Loch durch Geldspritzen zu stopfen. Der Vogelsbergkreis vergibt seit dem vergangenen Jahr vier Stipendien und zahlt 400 Euro im Monat. Der Landkreis Elbe-Elster vergibt an bis zu fünf Medizinstudierende pro Jahr für maximal vier Jahre eine monatliche Unterstützung von 500 Euro. Der Landkreis Leer (Niedersachsen) unterstützt aktuell 32 Studierende. Der Märkische Kreis (NRW) investiert eine halbe Million Euro in sein Stipendien-Programm.

In Thüringen wurde bereits vor acht Jahren eine Stiftung gegründet, die binnen drei Jahren 66 Stipendien vergeben hat. Ihr Motto: „Land in Sicht.“

Selbst Krankenhäuser sichern sich auf diese Art ärztlichen Nachwuchs, wie die städtische Klinik in Brandenburg. Bis zu sechs Studenten aus der Region erhalten Geld. Außerdem gibt es Vereinbarungen mit Kitas in der Nachbarschaft, um den flexiblen Arbeitszeiten der Mediziner zu entsprechen. Das Bundesland Hessen ist nicht untätig und vergibt seit einem Jahr Stipendien für angehende Mediziner. Studenten, die ihr Praktikum in einer Landarztpraxis machen, können dafür bis zu 600 Euro monatlich kassieren. Die Kassenärztliche Vereinigung will außerdem bis maximal 2400 Euro zahlen, wenn Allgemeinmediziner nach dem Studium ihr Praktisches Jahr auf dem flachen Land machen.

Angebote an junge Medizinstudenten, die gerade erst anfangen zu studieren, seien allerdings „untauglich“, meint Sozialminister Stefan Grüttner (CDU). 18- oder 19-Jährige, die gerade erst das Abitur gemacht haben, wollten sich nicht so früh schon darauf festlegen, in sieben oder acht Jahren eine Landarztpraxis zu eröffnen.

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Kommentar: Ein Tropfen auf den heißen Stein

Junge, qualifizierte Kräfte aus der Region in der Region zu halten, wird lebenswichtig – erst recht in der Praxis. Deshalb zielt der CDU-Vorstoß in die richtige Richtung. Doch Innovation geht anders.

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