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NNP-Sommertour auf dem Ohl-Gelände: Als Industrie noch in war

Von Mit den Standorten in der Limburger Innenstadt sind lange Traditionen verbunden und sie sind Zeichen des Wandels. Das ehemalige Bahnwerk hat sich zu einem Einkaufszentrum gewandelt, das Gelände der Firma Ohl ist auf dem Weg zu einem Wohngebiet.
Dr. Peter Ohl erläuterte auf dem geräumten Standort die lange Geschichte der Firma Ohl in Limburg. Bilder > Dr. Peter Ohl erläuterte auf dem geräumten Standort die lange Geschichte der Firma Ohl in Limburg.
Limburg. 

Vom Ohl-Gelände in der Blumenröder Straße gingen in den vergangenen Jahrzehnten Asphaltmischanlagen in die ganze Welt, innovative Lösungen wurden dort geboren, wie das Recycling von PET-Flaschen.

Dr. Peter Ohl, Vertreter der Unternehmerfamilie und lange mit der Führung der Firma Ohl am Standort Limburg betraut, appellierte an die Vorstellungskraft der Sommertourteilnehmer der NNP. Und die war auch gefordert, denn von den Hallen, Werkstätten und Verwaltungsgebäuden ist nichts mehr zu sehen. Die Fläche ist geräumt und bereit für die Zukunft, die aus Häusern und Wohnanlagen bestehen wird.

 

Dampfwalzen aus England

 

Bis 1864 reicht die Geschichte der Firma Ohl zurück, die zwar am Standort Limburg beendet ist, in Altenstadt von dem Unternehmen und ehemaligen Tochterunternehmen Ohl-Gutermuth jedoch noch einige weitere Kapitel erwarten lässt. Das aus Diez kommende Unternehmen hatte mit dem Verkauf der zunächst von Ohl betriebenen Wasserwerke an die Stadt ausreichend Kapital erworben, um das Gelände in der Blumenröder Straße zu erwerben; dort befand sich bereits eine Gießerei.

Pumpenherstellung war ein Teil dessen, was Ohl machte. Die Unternehmerfamilie zeigte sich dabei früh aufgeschlossen für technische Neuerungen. „Mein Großvater hat Dampfwalzen in England gekauft, die dann von Ohl eingesetzt wurden“, sagte Peter Ohl, der damit auch einen Hinweis auf die zwei großen Unternehmenszweige gab: den Baubereich in Diez und die Maschinenfabrik in Limburg.

 

Problem mit Standort

 

1910 setzte Ohl die erste Teerwagenkolonne ein, die Schiede war eine der ersten Straßen, die mit dem neuen Straßenbelag gefertigt wurde. Der Herstellung von Teer und später Bitumen widmete sich das Unternehmen intensiv und entwickelte sich so zu einem wichtigen Hersteller von Asphalt-Mischwerken. 40 Anlagen pro Jahr wurden in der Spitzenzeit nach dem Zweiten Weltkrieg in der Zeit des Wiederaufbaus von rund 400 Mitarbeitern an dem Standort gefertigt. „Auf zwölf bis 15 Eisenbahnwaggons wurde eine solche Anlage verladen“, erzählte Ohl.

Es gab noch andere Produkte: 120 Dampfwalzen seien zum Beispiel gefertigt worden. Drosselklappen kamen später hinzu, als sich Ohl neue Bereiche erschließen musste. Große Trockner oder Wärmetauscher wurden von der Blumenröder Straße in die ganze Welt geliefert. Große Hoffnungen setzte die Unternehmensleitung in das Recyceln von PET-Flaschen. Ein Werk in Obertiefenbach, ein großes in Rumänien – doch die Technik und das Wiederverwerten setzte sich bis heute nicht durch.

Es gab Probleme mit dem Standort, der nicht mehr mit der Entwicklung zu immer größeren Maschinen schritthalten konnte, es gab schwerwiegende Konkurse von Unternehmen, an denen Ohl beteiligt war. Und es gab, als es der Firma nicht so gut ging, bei den Großbanken eine Abkehr von der Finanzierung des Mittelstands, sagte Ohl.

Die Gründe dafür, dass es die Firma heute in Limburg nicht mehr gibt, seinen vielfältig. An den Mitarbeitern, daran ließ Ohls Nachfolger als Geschäftsführer, Hans-Christian Bracht, keinen Zweifel, lag es auf keinen Fall. Top ausgebildet sei die Mannschaft gewesen und habe hervorragende Arbeit geleistet.

Während sich die Zukunft auf dem Ohl-Gelände erst abzeichnet, hat sie im ehemaligen Bahnwerk längst begonnen. Dort ist in den vergangenen Jahren durch den Einsatz des Investors Marcel Kremer das Einkaufszentrum WERKStadt entstanden. Und obwohl viel Neues entstanden ist, die Werkbänke den Verkaufsregalen gewichen sind, die Begegnung mit der Vergangenheit ist bei einem Gang durch das Areal ständig möglich. „Sie müssen nur an die Decke schauen“, lautete der Tipp von Manfred Seip. Dem letzten Leiter des Bahnwerks oblag es, die Spuren zu erläutern.

Seip hatte seine Standort-Etappe in der von Dirk-Manuel Bender betriebenen Lounge gestartet und wartete dort mit einigen alten Bildern auf sowie mit Luftaufnahmen, die verdeutlichen, um welche Größe es dabei geht. 110 000 Quadratmeter umfasst das Areal, das zunächst mit einer kleinen Bahn-Werkstatt startete, die mit der Ankunft der Lahntalbahn verknüpft war. „Da geh’ ich nicht mehr hin“, das war der Vorsatz von Manfred Seip nach seinem ersten Tag als Lehrling in der Ausbildungswerkstatt des Bahnwerks. Daraus sind dann 50 Jahre geworden.

 

Noch rund 60 Mitarbeiter

 

Nicht mehr wettbewerbsfähig, das sei der Grund für das Ende des Bahnwerks nach langem Kampf gewesen. Der zunächst gute Standort, zentral gelegen in der Mitte eines Verkehrsnetzes, habe sich zu einem schlechten Standort gewandelt, der eingebettet in die umgebende Bebauung und Infrastruktur keine Erweiterung mehr zugelassen habe. Und so sei es auch nicht möglich gewesen, das Werk als Kopfwerkstatt so umzubauen, dass eine Wartung an rollenden Wagen möglich gewesen sei.

Ein wenig von der Vergangenheit als große Werkstatt der Bahn konnte in die Zukunft gerettet werden. Rund 60 Mitarbeiter sind noch damit beschäftigt, Triebwagen zu warten und zu reparieren oder auch Güterwaggons. Torsten Hess als Gruppenleiter in der heute noch betriebenen Werkstatt führte die Besucher durch die Halle und erläuterte, was dort heute noch alles gemacht wird. jl

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