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Auf Petra Häuser ist Verlass

Von Heute vor 40 Jahren ist Petra Häuser Geschäftsführerin von Eisen-Fischer geworden. Ein seltenes Arbeitsjubiläum – und vor dem Hintergrund, dass Frauen in Führungspositionen damals noch seltener waren als heute – ein ganz besonderes. Von der Frauenquote will die Chefin ebenso wenig wissen wie vom Ruhestand.
Petra Häuser vor der Zentrale von Eisen-Fischer in Limburg-Offheim.	Foto: Heidersdorf Petra Häuser vor der Zentrale von Eisen-Fischer in Limburg-Offheim. Foto: Heidersdorf
Limburg. 

Die Geschäftsführerin wird immer noch häufig als "Herr Fischer" oder "Herr Häuser" angeschrieben, bei Tagungen bekommt sie schon mal ein kleines Zimmer zugewiesen, weil die Chefin für die Sekretärin gehalten wird, und bei Messen passiert es hin und wieder, dass Fachleute ihrem männlichen Mitarbeiter die Technik erklären und die Frau ignorieren. Es ist halt immer noch nicht selbstverständlich, dass Frauen ein Unternehmen führen.

Das hat Petra Häuser in 40 Jahren manchmal leidvoll erfahren müssen, diese Aufgabe jedoch mit großem Erfolg und viele Freude bewältigt. "Es hat eine Weile gedauert, bis ich akzeptiert worden bin", sagt die Geschäftsführerin. "Ältere Mitarbeiter fragten, was will denn das junge Mädchen hier, und manche Lieferanten ließen mich ebenfalls ihre Zweifel spüren." Kurz nach ihrem Einstieg rieten Außenstehende ihrem Vater sogar zum Verkauf der Firma, was Petra Häuser freilich nur noch mehr anspornte. Sie hat es in vier Jahrzehnten nicht nur diesen Beratern gezeigt – mit Fleiß und Können und einem sehr teamorientierten und kollegialen Führungsstil. "Man muss die Mitarbeiter einbinden", lautet ihre Devise.

Ihr Bruder wollte nicht

Ihr Weg an die Spitze des Familienunternehmens war keineswegs vorbestimmt, wie heute viele denken. Eigentlich sollte ihr drei Jahre jüngerer Bruder die Firma übernehmen, und Petra Häuser wollte nach dem BWL-Studium Berufsschullehrerin werden. Doch der eher künstlerisch veranlagte junge Mann zeigte kein Interesse, sodass Konrad Häuser seine Tochter fragte: "Willst Du es mal probieren?"

Petra Häuser war zunächst sehr skeptisch, ob die reine Männer-Branche das Richtige für sie sei. Mit dem Sortiment konnte sie nicht viel anfangen. Stahl ist ein hartes Geschäft und Sanitär war vor 40 Jahren auch noch nicht sonderlich attraktiv. Sie versuchte es aber so geschickt, dass der Senior und seine Nachfolgerin immer mehr Gefallen daran fanden. Die geschäftsführende Gesellschafterin machte aus der Pflicht eine Kür. "Ich würde es wieder tun", sagt sie heute. Freude und Erfolge überwogen bei Weitem, geschäftliche Rückschläge und menschliche Enttäuschungen blieben in 40 Jahren freilich nicht aus.

Nachfolge gesichert

An ihren ersten Arbeitstag am 1. Dezember 1972 kann sich Petra Häuser noch genau erinnern. "Ich musste mitten im Großraumbüro sitzen, weil ich alles von der Pike auf kennenlernen sollte", erzählt sie. Trotz des schnellen Aufstiegs ist die Chefin bescheiden geblieben. Das zeigen die Einrichtung ihres Büros und ihr Dienstwagen, ein C-Klasse-Mercedes. Insignien der Macht braucht Petra Häuser ebenso wenig wie starke Worte. Sie macht nicht viel Gewese um sich, freut sich vielmehr, dass alles reibungslos läuft und mit Tochter Julia der Generationswechsel sichergestellt ist.

Trotz dieser Gewissheit und ihres 65. Geburtstags am vergangenen Montag will Petra Häuser noch nicht in Rente gehen. Vom Ruhestand hält sie genauso wenig wie von der Frauenquote. "Ich strebe einen gleitenden Übergang an", sagt sie. Natürlich werde sie sich künftig ein bisschen mehr um die beiden Enkel kümmern; einerseits, um ihrer Tochter den Rücken freizuhalten, aber auch im eigenen Interesse. "Beruf und Familie in Einklang zu bringen war mir immer sehr wichtig", sagt die Chefin. Diesen Grundsatz setzte sie auch im Unternehmen für ihre Mitarbeiterinnen um. Ihr Ehemann, Professor Dr. Franz Häuser, bis vor Kurzem Rektor der Universität Leipzig, zeigte viel Verständnis, denn in dieser Position kommen ja noch eine Reihe weiterer Verpflichtungen hinzu.

Petra Häuser übte im Einkaufsverband verschiedene Funktionen aus, seit 30 Jahren gehört sie der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Limburg an, seit 18 Jahren als Vize-Präsidentin.

Gut, so eine Chefin und aktive Mitstreiterin zu haben. Auf sie ist Verlass, wie es auch leicht abgewandelt im Firmenslogan heißt.

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