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Westerwälder Hospiztag: Beerdigungen im Wandel der Zeit

Von Die Frage „Wie möchte ich bestattet werden?“ ist quasi so alt wie die Menschheit selbst. Beim Westerwälder Hospiztag wurde dabei deutlich, dass es immer mehr Möglichkeiten gibt.
Die Ausstellung „Meiner Trauer künstlerischen Ausdruck verleihen“ stieß beim Hospiztag auf großes Interesse. Bilder > Foto: Klaus-Dieter Häring Die Ausstellung „Meiner Trauer künstlerischen Ausdruck verleihen“ stieß beim Hospiztag auf großes Interesse.
Montabaur. 

Auf großes Interesse ist im Forum St. Peter der 20. Westerwälder Hospiztag gestoßen, der anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Hospizvereins Westerwald stattfand. Der Verein um Vorsitzenden Heinz Peter Rüffin hatte mit Professor Dr. Reiner Sörries von der Uni Erlangen einen Referenten eingeladen, der mehr als unterhaltsam über das schwere Thema „Bestattungskultur im Wandel der Zeit“ plauderte. Dabei wurden von Beginn an so wichtige Fragen wie „Wie möchte ich bestattet werden?“ oder aber auch „Brauchen wir noch Friedhöfe?“ behandelt, ohne jedoch auf die zweite Frage eine richtige Antwort zu erhalten.

Und dass auch die Institution Hospiz sich bei diesem Referat wiederfand, wusste dann Sörries zu erzählen. Die Frage „Wie möchte ich bestattet werden?“ ist quasi so alt wie die Menschheit selber. Denn eine Antwort hat sich bei der Suche bis heute nicht gefunden, sind doch die Möglichkeiten einer Beerdigung immer wieder geändert und dem Zeitgeist angepasst worden. Heute reichen sie von einer Beerdigung in einem Mausoleum, über ein Seegrab und zur Asche, die aus einem Ballon verstreut wird, bis hin zu einer Beerdigung im familiären Kreis auf einer Wiese. Und selbst die Asche des Verstorbenen mit in die eigenen vier Wände zu nehmen, ist derzeit schon in Bremen erlaubt.

Hügel und Pyramiden

Die „modernere“ Beerdigungskultur fängt an bei den großen Hügelgräbern oder Pyramiden für hohe Würdenträger bei den Kelten und den alten Ägyptern. Hier wurden die ärmeren Menschen eher am Rande und zum Teil in Massengräber beerdigt. Und auch die Frage, wer denn letztendlich für die Beerdigung zuständig ist, war viele Jahrhunderte nicht oder unzureichend beantwortet. Denn schon bei den Römern gab es die familiäre Totenfürsorge, hier wurde das Beispiel einer römischen Nekropole an der Via Latina angeführt oder aber auch die frühchristliche Begräbnisstätte der Callist-Katakombe.

Viele Jahrhunderte wurden Menschen nach ihrem Tod verbrannt und erst im 8. Jahrhundert wurden durch Karl den Großen die Erdbestattung eingeführt „die fast bis heute Bestand hat“. Denn bis heute sind die Kommunen mit der Aufgabe der Bereitstellung einer Beerdigungsstätte beauftragt. „Durch einen kulturellen Sündenfall Martin Luthers“, so Professor Dr. Reiner Sörries, „wurde eine Reformation und ein radikales Umdenken eingeleitet. Denn der Kirchhof wandelte sich zu einem Friedhof „der nicht mehr den Verstorbenen, sondern den Lebenden einen Ort des Trostes und der Vergewisserung ihres Glaubens sein sollte“.

War für viele Jahrhunderte, seit Karl dem Großen, die Feuerbestattung verpönt, da zu dieser Zeit nur angebliche Hexen und Menschen, die des Teufels waren, verbrannt wurden, gab es seit 1878 in Gotha auch wieder ein erstes Krematorium. Und auch hier hat sich mit Laufe der Zeit ein Wandel ergeben. Lag die Zahl der Menschen, die nach 1878 nach ihrem Tod verbrannt werden wollten, bei 0,5 Prozent, hat sich diese heute bei 60 Prozent eingependelt „regional sogar 95 Prozent“. Hintergrund für eine Verbrennung sei für viele Menschen die Frage: „Wer kümmert sich danach um das Grab und wer soll das bezahlen?“

Weiter auf der Suche

Trotzdem war die Menschheit aber weiterhin auf der Suche. Denn mit den 1980er Jahren, und hier kommt die Hospizbewegung ins Spiel, wurden sich weitere Gedanken um die Bestattung gemacht. Denn viele Menschen leben am Rande der Gesellschaft, ohne Nachkommen, ohne Familie, und sollen auch einen würdigen Tod bekommen. Hier ist nun der Hospizverein eine Institution, die sich um diese Menschen nach ihrem Tod kümmert.

Aber auch die Wünsche sind vielfältiger geworden. Wurde früher ein Grab im Kreis der Familie und auf dem Friedhof bevorzugt, geht heute der Trend in Richtung Natur und sogar Themenfriedhöfe gibt es. So können sich Schalke-Fans im Kreise von Gleichgesinnten beerdigen lassen.

Nach dieser „Reise“ durch das Thema „Beerdigung“ wurde noch eine Diskussion angeboten. Oder es bestand die Möglichkeit, Informationen zum Thema Hospiz zu bekommen oder die Ausstellung „Meiner Trauer künstlerischen Ausdruck verleihen“ zu besuchen. Diese wurde von Schülern der Berufsbildenden Schule Westerburg zusammengestellt und war im Saal des Forums St. Peter zu sehen.

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