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Zeugin der Terrornacht in Paris: „Das ist Horror“

Von Diana Valeske aus Thalheim hat als Model weltweit schon viel erlebt: auch Schlimmes, wie ein Erdbeben in Tokio und einen Hurrican in New York. Aber nichts war so schrecklich wie der Terror in ihrer Wahlheimat Paris. Die 23-Jährige hat Angst, heute in ihre Wohnung in der Nähe eines der Tatorte zurückzukehren.
Diana Valeske (links) mit einer Freundin im vergangenen Monat am „Canal Saint Martin“ in der Nähe ihrer Wohnung, wo am Freitagabend in ihrem Lieblingslokal mindestens zwölf  junge Menschen erschossen wurden. Diana Valeske (links) mit einer Freundin im vergangenen Monat am „Canal Saint Martin“ in der Nähe ihrer Wohnung, wo am Freitagabend in ihrem Lieblingslokal mindestens zwölf junge Menschen erschossen wurden.
Dornburg. 

.Am vergangenen Mittwoch freute sich Diana Valeske noch über die Rückkehr nach Paris. In Dornburg hatte die 23-Jährige ihre Eltern und ihre Schwester, die ihr erstes Kind bekommen hat, besucht. Heute graut ihr davor, wieder in die französische Hauptstadt zu kommen. „Ich habe Angst“, sagte die junge Frau gestern in einem längeren Gespräch der NNP.

Diana Valeske, die in Paris Betriebswirtschaft studiert und als erfolgreiches Model arbeitet, war am Freitag ganz in der Nähe der Terroranschläge. Dort, im 10. Arrondissement, wohnt sie seit knapp drei Jahren in einem Appartement am Kanal. „Ein tolles Quartier mit vielen jungen Menschen, die nur Spaß haben wollen.“ Mehrere davon sind nun tot, möglicherweise auch Bekannte der Thalheimerin. Sehr wahrscheinlich sind Mitarbeiter aus ihrem Lieblingsrestaurant, die zu Freunden geworden sind, unter den Opfern. Im „Le Petit Cambodge“ erschossen die Attentäter mindestens zwölf Personen.

„Das ist alles so schrecklich, so furchtbar“, sagt Diana Valeske immer wieder. „Der reine Horror.“

Sie war Stammgast im „Klein-Kambodscha“, sie hat das Lokal allen Freunden gezeigt. Ein Foto vom letzten Gericht, Frühlingsrolle mit Krabben, ist auf ihrem Handy.

Weil die 23-Jährige Freitagnacht nicht mehr in ihre Wohnung im abgesperrten Bezirk durfte, fuhr sie mit Freunden nach Orléans. An der Loire hatte Diana Valeske am Wochenende freilich nur räumlichen Abstand, der Schockzustand hielt an.

„Überall Panik“

„Ich habe schon Naturkatastrophen erlebt und gut weggesteckt, ein Erdbeben in Tokio und einen Hurrican in New York, doch diese Bilder und Geräusche werde ich immer vor Augen haben“, sagt sie. Die Wahl-Pariserin hat die Schießereien und Explosionen zwar nicht direkt gesehen, aber die Panik danach. „Überall schreiende Menschen, Krankenwagen, Sirenen, Polizisten mit Maschinengewehren und Helikopter“, berichtet Diana. „Ein unvorstellbares Schreckensszenario.“ Sie habe um ihr Leben gebangt. „Ich dachte, jetzt hat mich mein Schutzengel verlassen.“ Zu diesem Zeitpunkt hätten die meisten weitere Anschläge befürchtet. Und wohl nicht nur in Paris.

Mutter Ulrike schickte von Thalheim aus sofort eine SMS, innerhalb kurzer Zeit gingen an die 100 Nachrichten von Freunden aus aller Welt ein. „Ich hatte meiner Mutter am Freitagmittag gesagt, dass ich abends in ein Konzert in der Umgebung gehe. Wusste da aber selbst nicht, in welches.“ Diana Valeske besuchte ein Techno-Konzert im „Zenit“ am Ende des Kanals, das vorzeitig abgebrochen wurde. Von Bekannten, die im „Bataclan“ waren, wo die Terroristen das größte Massaker anrichteten, hörte sie, das Publikum habe die Schüsse zunächst für einen Teil der Show gehalten. „Ich bin da am Donnerstag entlang gelaufen; ein mulmiges Gefühl.“

Das hat Diana Valeske auch vor der Rückkehr nach Paris. Heute muss sie wieder an die Uni. Die Thalheimerin, die bis zur 10. Klasse die Marienschule besuchte und in England Abitur machte, wohnt zwischen Place de la République und Place de Bastille – zwei symbolträchtige Plätze, die islamistische Terroristen im Visier haben. „Ich hoffe, dass die Angst nicht lange anhält und Paris wieder zu meiner Lieblingsstadt wird, in der das Leben gefeiert wird“, sagt Diana Valeske.

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