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Platzprobleme in den Tagesstätten: Der Trend geht zum dritten Kind

Von Der Trend zur Drei-Kind-Familie und die große Zahl von Flüchtlingskindern führen zu Engpässen in den Tagesstätten im Landkreis Limburg-Weilburg. Die Stadt Limburg erwägt, Container aufzustellen, um die Kapazitäten auszuweiten.
Die Zahl der Kinder steigt wieder und der Anteil der Eltern, die ihren Nachwuchs in einer Kita betreuen lassen wollen, ebenso. Foto: Jens Büttner (dpa-Zentralbild) Die Zahl der Kinder steigt wieder und der Anteil der Eltern, die ihren Nachwuchs in einer Kita betreuen lassen wollen, ebenso.
Limburg-Weilburg. 

Am letzten Stichtag, dem 1. März 2017, betreuten Tagesstätten und Tageseltern im Landkreis Limburg-Weilburg die stolze Zahl von 6743 Kindern. Das sind rund 220 Mädchen und Jungen oder 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Und es werden noch mehr.

Insbesondere drei Faktoren bringen alle langfristigen Bedarfs-Berechnungen durcheinander: Die geplante Gebührenfreiheit, die großen Flüchtlingsfamilien und die Tatsache, dass immer mehr Eltern bereits ihr Kleinkind in eine professionelle Betreuung geben.

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Bis vor wenigen Jahren ließen sich die nötigen Plätze prima hochrechnen: Wenn bis zum Stichtag fünfzig Kinder geboren wurden, dann schickte erfahrungsgemäß ein Drittel der Eltern drei Jahre später ihr Kind in eine Tagesstätte. Davon sind die Kindergarten-Bedarfsplaner heute weit entfernt – mit allen Unwägbarkeiten für Raum- und Personalkalkulationen.

Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen und längeren Betreuungszeiten steigt, weil frühkindliche Bildung zunehmend positiv gesehen wird, Mütter frühzeitig in ihren Beruf zurück wollen und dort wiederum zeitlich flexibel sein müssen.

Immer früher in der Kita

Es werde für Eltern immer selbstverständlicher, ihr Kind ab einem Alter von zwei Jahren betreuen zu lassen, berichtet der Sprecher der Stadt Limburg, Johannes Laubach. „Es ist derzeit schwer einschätzen, ob die Tendenz zur noch früheren Betreuung geht.“

Den Trend sieht auch Alexandra Heinrich von den Lahn-Kinderkrippen. Noch vor zwei Jahren habe sie oft mit Eltern diskutiert, weil die Bedenken hatten, ihre Kinder seien im jungen Alter in einer Betreuungseinrichtung „überfordert“. „Heute kommt diese Frage gar nicht mehr.“ Es sei allgemein akzeptiert und anerkannt.

Der Verein betreibt derzeit zwölf Krippen mit insgesamt rund 250 Plätzen. Die Kapazität schwankt immer etwas, weil die maximale Gruppengröße vom Alter des gerade betreuten Nachwuchses abhängt. Diese Plätze sind aktuell praktisch vollständig besetzt. Vor ein oder zwei Jahren gab es, wenn ein Kind die Krippe verließ, oft einen oder zwei Monate Leerlauf. Heute werden die Stühlchen sozusagen nicht mehr kalt.

Viele Flüchtlinge

Dass die Plätze durchgehend belegt sind, liegt aber nicht nur an der allgemeinen Akzeptanz der Krippe, sondern auch an der steigenden Geburtenzahl. Alexandra Heinrich: „Der Trend geht zur Drei-Kind-Familie.“ Das gilt auch für deutsche Familien. Flüchtlingskinder seien kaum unter den Krippenkindern.

Das sieht in einzelnen Stadtteilen der größeren Kommunen schon ganz anders aus. Die Anzahl der Flüchtlingskinder im Kindergartenalter sei überhaupt nicht planbar, erklärt der Limburger Stadt-Sprecher Johannes Laubach. Es sei schlicht nicht absehbar, wie viele Familien mit Kleinkindern der Landkreis in welcher Gemeinschaftsunterkunft (GU) unterbringt. In der Regel verließen die Flüchtlinge die GU, wenn sie als Asylbewerber anerkannt sind. Zwar zwinge die angespannte Wohnungssituation viele Flüchtlingsfamilien dazu, länger als geplant in diesen Gemeinschaftsunterkünften zu bleiben. Doch dann kommt es immer wieder zu kurzfristigen Umzügen – oder auch zur Rückkehr in das Heimatland. Dann sind Kinder von heute auf morgen weg.

Im November 2017 waren in den Limburger Betreuungseinrichtungen 68 Flüchtlingskinder untergebracht. Laut Auskunft des Sozialamtes des Landkreises sind alle Flüchtlingskinder versorgt – ein wichtiger Punkt auch im Hinblick auf die Integration der Menschen.

In Limburg sei die Betreuungssituation angespannter geworden, weiß Johannes Laubach. Die Kindertagesstätten in der Innenstadt und in einigen Stadtteilen seien voll belegt und es existierten Wartelisten. In zwei Stadtteilen stünden aber noch freie Plätze zur Verfügung, so dass die Stadt Eltern immer noch eine Betreuung anbieten könne – unter Umständen aber mit längeren Anfahrten.

In enger Zusammenarbeit mit den freien Trägern – die Stadt selbst unterhält keine Einrichtung – sei die Stadt bestrebt, weitere Angebote zu schaffen. So ist zu Beginn des Jahres eine zusätzliche Gruppe im Stadtteil Linter eröffnet worden. Außerdem werden in Blumenrod Kapazitäten für eine weitere Gruppe zur Betreuung von drei- bis sechsjährigen Kindern geschaffen. Ein freier Träger wird im Sommer einen Waldkindergarten eröffnen. Zusätzlich seien Erweiterungen in Form von Anbauten oder durch das Aufstellen von Containern in Planung.

Aktuell bieten freie Träger in der Domstadt 1450 Plätze für Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und sechs Jahren in insgesamt 21 Einrichtungen. Die genaue Zahl der Plätze ist auch hier abhängig von dem Alter der betreuten Mädchen und Jungen.

„Große Herausforderung“

Der Erste Stadtrat Michael Stanke als zuständiger Dezernent spricht von „großen Herausforderungen“ für die Stadt. Bereits in den vergangenen Jahren habe die Stadt die finanziellen Mittel „stetig erhöht“. Er kann dem Problem aber auch einen positiven Aspekt abgewinnen: „Der höhere Bedarf bei der Kinderbetreuung zeigt auch, dass Limburg für junge Familien eine durchaus attraktive Stadt ist.“ Eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung sei ein „echter Standortfaktor im Wettbewerb der Städte und Regionen“.

Als Drittes weist Stadt-Sprecher Johannes Laubach auf die geplante Freistellung der Elternbeiträge für Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren hin. Die Verantwortlichen im Limburger Rathaus rechnen damit, dass dies noch einige Eltern dazu bringen könnte, ihre Kinder „umfangreicher“ als bisher betreuen zu lassen. Wird diese Beitragsfreistellung möglicherweise noch für jüngere Kinder ausgeweitet, würde sich der Bedarf weiter vergrößern.

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