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Diabetes: „Dokumentation ist das A und O“

Michael Schröder leitet seit anderthalb Jahren in Limburg eine Diabetiker Selbsthilfegruppe. Rund 40 Leute aus Limburg und Umgebung treffen sich einmal im Monat, um sich darüber auszutauschen, wie sie im Alltag mit der Krankheit zurecht kommen. Dabei stellt sich so manche unerwartete Frage.
Kontrolle ist wichtig für Diabetiker: Bei den Schlussfolgerungen helfen Erfahrungen anderer Betroffener. Foto: (130470296) Kontrolle ist wichtig für Diabetiker: Bei den Schlussfolgerungen helfen Erfahrungen anderer Betroffener.
Linter. 

Es begann damals bei der Bundeswehr. Michael Schröder durfte an einer Übung nicht teilnehmen. Er sah zu schlecht. Die Diagnose lautete: Typ-1-Diabetes. „Ich war geschockt“, berichtet Michael Schröder heute. „Mit der Krankheit an sich wusste ich gar nichts anzufangen und erst recht wusste ich nicht, welche Konsequenzen sich daraus ergeben, was das bedeutet.“ Bis heute kennt er den Grund seiner Erkrankung nicht. Doch hat er gelernt, damit zu leben. „Gut damit zu leben.“

Ein gutes Leben mit Diabetes ist möglich – für jedermann. Davon ist Michael Schröder überzeugt. Daher engagiert er sich seit deren Gründung im Jahre 2000 in der Selbsthilfegruppe Diabetes Limburg. Es bereitet ihm Freude, anderen Diabetikern zu helfen. Seit anderthalb Jahren leitet er die Gruppe. Die Selbsthilfegruppe richtet sich sowohl an Typ-1-, als auch an Typ-2-Diabetiker.

Stoffwechselkrankheit mit zwei Formen

Diabetes mellitus, umgangssprachlich auch Zuckerkrankheit genannt, ist eine chronische Stoffwechselerkrankung. Die beiden wichtigsten Formen sind der Typ-1- und der Typ-2-Diabetes.

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Viele Ernährungsfragen

Rund 40 Personen treffen sich regelmäßig in wechselnden Besetzungen im Gasthaus „Zur Post“ in Linter. Sie kommen aus Limburg, Linter, Hünfelden, Niederbrechen, Staffel und Elz. Das jüngste Mitglied der Gruppe ist Ende 20, das älteste 80. Bei den Treffen herrsche eine „lockere Stimmung“. Sie besprechen, wie es so läuft mit der Krankheit im Alltag. „Niemand muss etwas erzählen, doch jeder kann Fragen stellen“, so Michael Schröder. Meistens geht es um die Ernährung, und ob es sinnvoll sein könnte, ebendiese umzustellen, um die Blutzuckerwerte besser in den Griff zu bekommen und die Behandlungsziele zu erreichen. Zudem werden Presseartikel zur Krankheit ausgetauscht. „Wir bringen uns gegenseitig auf den neuesten Stand der Forschung.“

Michael Schröder trägt eine Insulinpumpe und an der linken Schulter einen Sensor. So können kontinuierlich und in Echtzeit Blutzuckerwerte gemessen werden. Damit das alles funktioniert, muss Michael Schröder den Sensor dreimal täglich kalibrieren. Dafür misst er je einmal seinen Blutzuckerwert mit einem separaten Messgerät. Ein kleiner seitlicher Stich in die Fingerkuppe genügt. Der kaum sichtbare Bluttropfen wird auf einen Messstreifen aufgetragen, welcher wiederum in das Messgerät gesteckt wird. Nach fünf bis zehn Sekunden ist das Ergebnis da. Dieses gibt er ins Gerät ein. „Früher war das viel umständlicher“, erklärt er. „Da habe ich diese Einmal-Tests achtmal pro Tag durchgeführt.“ Seit 38 Jahren lebt er nun mit der Krankheit.

Wenn aus der Gruppe jemand in den Urlaub fährt, stellen sich dementsprechend ausgefallenere Fragen. Michael Schröder weiß das aus eigener Erfahrung. „Auf der Verpackung meines Sensors steht, dass der wasserdicht ist“, erklärt er. „Aber hält der überhaupt beim Schwimmen?“ Und es wird noch kniffliger: „Wasserdicht, okay. Aber verträgt der auch Salzwasser?“ So etwas lernt man nicht vom Arzt. Überdies müssen Diabetiker gewisse Dinge beachten, wenn sie mit dem Flugzeug ans Ziel fliegen möchten. „Es kann sein, dass die Messgeräte, Sensoren und dergleichen die Gepäckkontrolle nicht überstehen.“ Wegen der Röntgenstrahlung. Dafür stellen Ärzte Bescheinigungen aus. Die Geräte können auf diese Weise an der Gepäckkontrolle vorbei mitgeführt werden. Bloß muss der Patient wissen, dass es diese Bescheinigungen gibt und dass er beziehungsweise sie diese benötigt. Gut zu wissen sei es auch, dass manche Messgeräte mit Apple-Smartphones nicht kompatibel seien. „Wegen der NFC-Technik, die dafür erforderlich ist.“

Antworten auf Fragen wie diese bekommen die Leute in Michael Schröders Selbsthilfegruppe. „Sie können von dem Erfahrungsschatz anderer profitieren. Wir bieten eine tolle Ergänzung zu den Arztbesuchen“, konstatiert Michael Schröder.

Zurzeit sucht die Gruppe nach einem größeren zweiten Raum. „Für Fachvorträge“. So etwas hätten sie schon mal gemacht; im St.-Vincenz-Krankenhaus. „Da hat uns jemand was über Ernährung erzählt.“ Oder auch im Gasthaus ,Zur Post, wo die Treffen stattfinden. „Dort ging es um Blutzuckermessgeräte.“ Auch Michael Schröder hat schon einen Vortrag gehalten; bei der Selbsthilfegruppe Diabetes Bad Camberg, mit der sie in losem Kontakt stehen.

Michael Schröder hat alles im Griff. Er ist hilfsbereit. Er ist agil. Ihm geht’s gut; das strahlt er aus. An seinen Fingern sind keine Narben zurückgeblieben von früher, obwohl er so oft in die Fingerkuppen stechen musste, um den Blutzucker zu messen. „Das sind so Sachen, die man mit der Zeit lernt“, sagt er. „Es ist hilfreich, verschiedene Finger zu nehmen.“ Außerdem müsse die Nadel gar nicht so tief eingestochen werden, wie er anfangs gedacht habe.

„Das allerwichtigste ist es, alles zu dokumentieren“, erklärt er. Wann, was und wie viel esse ich? Wie wirkt sich das auf meinen Blutzuckerspiegel aus? Habe ich davor Sport gemacht? Wie lange wirkt das Insulin?“ Der Stoffwechsel sei eine sehr individuelle Angelegenheit. „Darum ist Dokumentation das A und O.“

Einmal im Jahr präsentiert sich die Gruppe beim Limburger Selbsthilfetag. Dort hat Michael Schröder bereits einige für die Interessenten sehr hilfreiche Gespräche geführt. Manche, das weiß er aus Erfahrung, kämen immer wieder, Jahr für Jahr. „Doch in der Selbsthilfegruppe sehen wir sie nie.“ Das betrübt ihn, weiß er doch, welche Erleichterung es den Betroffenen verschaffen kann, sich mit anderen Diabetikern auszutauschen.

Verheerende Folgen

Zudem besorgt es ihn, wie fahrlässig einige Menschen mit der Krankheit umgehen würden. „Da kommt jemand an unseren Stand, hat einen viel zu hohen Blutzuckerwert und kein Insulin dabei“, berichtet er. „Man darf Diabetes nicht ignorieren.“ Die Folgen können tatsächlich verheerend sein. Es drohen Herz- und Nierenversagen, Arterienverschluss, Erkrankungen des Nervensystems, ein sogenannter diabetischer Fuß (der Betroffene hat dann kein Gefühl mehr im Fuß, verletzt sich, eine Entzündung heilt nicht mehr; im schlimmsten Fall ist eine Amputation notwendig) oder auch Impotenz.

Michael Schröder liegt das Schicksal aller Diabetiker am Herzen. Weil er am Selbsthilfetag in Limburg auch darüber Gespräche geführt hat, weiß er zu berichten: „Noch immer gibt es keine Selbsthilfegruppe Diabetes für Kleinkinder, obwohl Bedarf dafür besteht“. Er möchte die Eltern betroffener Kinder dazu anregen, sich zu einer Gruppe zusammenzuschließen. Denn, so Schröder: „Gemeinsam sind sie stark.“

Kontakt

Michael Schröders Selbsthilfegruppe trifft sich am ersten Donnerstag im Monat ab 19 Uhr im Gasthaus „Zur Post“ in Limburg-Linter, Mainzer Straße 41. Ansprechpartner sind Michael Schröder (Tel.: 0 64 31/2 31 67) und Christof E. Welcker (Tel.: 0 64 38/25 34). Weitere Informationen zur Gruppe gibt es unter www.diabetes-shg-limburg.npage.de.

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